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GUDO NISHIJIMA
Meister Nishijima praktiziert Buddhismus seit über 60 Jahren. Er war Schüler von Meister Kodo Sawaki, einem japanischen umherziehenden Priester, der berühmt dafür war unermüdlich zu betonen, dass die Praxis des Zazen ihren richtigen zentralen Platz im Buddhismus erhält und der selbst intensiv praktizierte. Meister Nishijima wurde von Meister Renpo Niwa als Priester ordiniert, der später als Abt den Zentraltempel des Soto-Buddhismus leitete. Nishijima Roshi hat viele Bücher über Buddhismus u.a. von Dogen sowohl in Japanisch als auch in Englisch geschrieben. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hat er in Japanisch und Englisch viele Vorträge gehalten, Seminare und Sesshins geleitet sowie genaue Anweisungen zum Buddhismus und vor allem zum Zazen gegeben. Deutsche Fassung: Yudo J. Seggelke, Mitarbeit: H.-P. Erlenkamp
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Donnerstag, 10. April 2008

11. Sein-Zeit (Uji), Teil 2
(38)
11. „Kurz gesagt verwirklicht sich die Sein-Zeit, ohne dass die Begrenzungen und Behinderungen beendet sind. Die Könige und Scharen des Himmels, die zur Rechten und Linken erscheinen, sind die Sein-Zeit, in der wir uns jetzt einsetzen und gebrauchen. An anderen Orten werden die Wesen der Sein-Zeit des Landes und des Wassers (auch) durch unsere eigenen Anstrengungen verwirklicht. Die vielen Arten von Wesen und die vielen individuellen Wesen, die als Sein-Zeit in der Dunkelheit und Helligkeit (leben), sind alle Verwirklichungen unserer eigenen Anstrengung und die Augenblicks bezogene Fortsetzung unserer Anstrengung.“

Grundprinzip:
Allgemein ausgedrückt wird die Sein-Zeit immer jeweils im Augenblick verwirklicht. Dies geschieht, obgleich die verschiedenen Hindernisse weiterhin bestehen, die dünnen Netze für kleine Vögel oder geflochtenen Körben gleichen, mit denen man Fische fängt. Auch himmlische Könige und himmlische Scharen, die sich jetzt manchmal zu unserer rechten Seite und manchmal zu unserer linken Seite offenbaren, sind genau Sein-Zeit. Für sie haben wir unsere Anstrengung gemacht, damit sie erscheinen. Außerdem sind alle verschiedenen Sein-Zeiten des Landes und des Meeres, die sich von den Obigen unterscheiden, auch solche, die wir alle vollständig erzeugt haben. Sie beruhen auf unserer eigenen enormen Anstrengung im gegenwärtigen Augenblick. In der dunklen und in der hellen Welt sind die vielfältigen Tiere und verschiedenen Menschen durch unsere großen Anstrengungen verwirklicht worden. Sie sind durch die eigene Fortsetzung unserer Anstrengungen je im Augenblick offenbar geworden. Wir sollten erkennen und erfahren, dass ohne unsere eigenen enormen Anstrengungen niemals auch nur eine Wirklichkeit oder ein einziges Ding überhaupt realisiert werden kann.

Kommentar:
Wir sollten in der Praxis lernen, dass ohne die Fortdauer unserer Anstrengungen in der Gegenwart je im Augenblick weder ein einziger Dharma noch ein einziges Ding verwirklicht werden oder sich von einem Augenblick zum nächsten fortsetzen kann.

12. Der Verlauf des Frühlings in der Gegenwart geht zum Beispiel unausweichlich Augenblick für Augenblick durch den Frühling selbst. Es trifft aber nicht zu, dass (die Vorstellung) eines Augenblicks bezogenen Verlaufes der Zeit der (wirkliche) Frühling ist. Weil der Frühling nämlich der Verlauf je im Augenblick der Zeit ist, hat die fortschreitende Zeit schon die Wirklichkeit im Hier und Jetzt der Frühlingszeit (und damit den konkreten Frühling) verwirklicht. Wir sollten (dieses) im Einzelnen untersuchen, indem wir zu (dieser Frage) zurückkehren und sie immer wieder verlassen.

Grundprinzip:
Der Verlauf je im Augenblick ist zum Beispiel wie der Frühling. Der Frühling hat überaus vielfältige reale Situationen und Gegebenheiten und diese werden alle der augenblickliche (wirkliche) Verlauf genannt. Wir sollten untersuchen, dass wir die Bezeichnung „augenblicklicher Verlauf“ des Frühlings verwenden, obgleich es nichts anderes als den Frühling selbst gibt. Der augenblickliche Verlauf des Frühlings geht zum Beispiel unausweichlich durch den Frühling selbst. Obgleich der augenblickliche Verlauf nicht immer dieser Frühling ist (, denn er kann auch etwas anderes sein), ist es (genau) jetzt real der Verlauf des Frühlings je im Augenblick. Daher wird der Verlauf im Augenblick genau zur Zeit des Frühlings verwirklicht. (Der Augenblick der Sein-Zeit und der Frühling sind identisch). Auf diese Weise sollten wir die Situationen im Einzelnen immer wieder wirklich erfahren.
Kommentar:
Der Verlauf je im Augenblick ist nicht nur auf den Frühling beschränkt, sondern er durchdringt alles (im Universum). Wir sollten daher denken, dass der augenblickliche Verlauf sich in jedem Augenblick überall (in der Welt) ereignet.
[40]
13.“ So gefragt, sagte Zenmeister Daijaku (Meister Baso Do-itsu):
´Manchmal bringe ich ihn dazu, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern und manchmal bringe ich ihn nicht dazu, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern. Manchmal ist es richtig, ihn dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern und manchmal ist es nicht richtig, ihn dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern´“.

Grundprinzip:
Meister Daijaku sagte, als er gefragt wurde:
„Zu einer Sein-Zeit bringe ich ihn (mich selbst) dazu, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern. Zu einer Sein-Zeit bringe ich ihn (mich selbst) nicht dazu, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern.
Zu einer Sein-Zeit ist es richtig, ihn (mich selbst) dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern.
Zu einer Sein-Zeit ist es nicht richtig, ihn (mich selbst) dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen und mit einem Auge zu zwinkern.“

Kommentar:
Unser Handeln wird immer zu der Sein-Zeit durchgeführt und daher ist unser Verhalten zur Sein-Zeit (je nach Situation) nicht immer dasselbe. In einer solchen Situation vollzieht sich genau das Handeln zur Sein-Zeit. Wir können daher sagen, dass dies genau die Lebensphilosophie des Handelns ist.
[42]
14. „Was Meister Baso Do-itsu sagt, ist nicht dasselbe (was) andere (sagen können). (Seine) Augenbrauen und Augen mögen Berge und Meere sein, weil die Berge und Meere (seine) Augenbrauen und Augen sind. Wenn er sich selbst dazu bringt, (eine Augenbraue) hochzuziehen, mag er die Berge ansehen. Und indem er sich dazu bringt, (mit den Augen) zu zwinkern, mag er über den Meeren stehen. Er lernte und wurde damit vertraut, recht zu sein und er wurde durch die Lehre geleitet. Wenn man sich selbst davon abhält (zu handeln, indem man etwas geschehen lässt), ist das nicht identisch damit, Unrecht zu haben. Wenn man sich selbst dazu zu bringt, (aktiv zu handeln), ist das aber auch nicht identisch damit, Recht zu haben. Alle diese (Situationen) sind Sein-Zeit.“

Grundprinzip:
Was Meister Baso Do-itsu sagt, ist nicht dasselbe, was andere sagen (, weil es ganz ausgezeichnet ist). Das subjektive Gleichnis der Augenbrauen und der Augen mag dasselbe sein wie das objektive Gleichnis von Bergen und Meeren, weil das objektive Gleichnis der Berge und Meere dasselbe sein mag wie das subjektive Gleichnis von Augenbrauen und Augen. (Das Subjektive ist dem Objektiven gleich). Wenn er daher sagt, dass er die Augenbrauen hochzieht, mag dies bedeuten, Berge zu sehen und wenn er mit den Augen zwinkert, mag dies bedeuten, das Meer zu bewundern. Das Wort "recht" ist ihm selbst sehr vertraut. Und er wird auch sehr viel durch Bitten, die von außen an ihn herangetragen werden, aufgefordert (z. B. zu handeln). Nicht richtig zu sein ist nicht identisch damit, keine Anweisung von außen zu erhalten. Keine Anweisung von außen zu erhalten, ist aber nicht immer falsch. Als Schlussfolgerung kann man sagen, dass alle diese Situationen unausweichlich Sein-Zeit sind.

Kommentar:
Das Universum kann nur augenblicklich erscheinen, wenn wir auf unseren augenblicklichen Anstrengungen aufbauen, die in der Sein-Zeit unternommen werden. Daher ist es notwendig für uns zu denken, dass auch das ganze Universum und auch ein einziges Ding durch unser Handeln im gegenwärtigen Augenblick verwirklicht werden muss. Ohne eine solche Anstrengung gibt es keine Chance für uns, überhaupt etwas wirklich im gegenwärtigen Augenblick zu erzeugen, das auf der Sein-Zeit beruht.
[44]
15. „Zu einer Gelegenheit lehrte (Zenmeister Kisho) die Versammlung:
Manchmal ist der Wille anwesend, aber die Worte sind nicht anwesend.
Manchmal sind die Worte anwesend, aber der Wille ist nicht anwesend.
Manchmal sind sowohl der Wille als auch die Worte anwesend.
Manchmal sind sowohl der Wille als auch die Worte nicht anwesend.„


Grundprinzip:
Bei einer Gelegenheit lehrte (Meister Kisho) für die Zuhörer:
Zu einer Sein-Zeit ist eine Absicht angekommen (also anwesend), aber die Formulierung ist noch nicht angekommen (also nicht anwesend).
Zu einer Sein-Zeit ist die Formulierung angekommen (anwesend), aber die Absicht ist noch nicht angekommen (nicht anwesend).
Zu einer Sein-Zeit sind sowohl die Absicht als auch die Formulierungen schon angekommen.
Zu einer Sein-Zeit sind sowohl die Absicht als auch die Formulierungen noch nicht angekommen.
Kommentar:
Jede Sein-Zeit erscheint plötzlich je im Augenblick. Daher ist es für uns normalerweise sehr schwierig, sich die realen Situationen der Sein-Zeit vorzustellen, bevor sie sich ereignen. Und es ist es daher fast unmöglich für uns, dass wir vorher Klarheit über die Situationen gewinnen.

16. „Der Wille und die Worte sind beide Sein-Zeit. Anwesenheit und Abwesenheit sind beide Sein-Zeit. Der Augenblick der Anwesenheit ist noch nicht beendet, aber der Augenblick der Abwesenheit ist gekommen. (Das ist das Kommen und Gehen des Alltags). Der Wille ist der Esel und die Worte sind das Pferd. Die Pferde sind zu Worten gemacht und die Esel sind zum Willen gemacht. Die Anwesenheit ist nicht damit verbunden, dass etwas gekommen ist (also als Prozess gedacht wäre) und die Abwesenheit ist nicht damit verbunden, dass etwas nicht gekommen ist (, also kein Prozess,). Sein-Zeit ist wie dies.“

Grundprinzip:
Die Absicht und die Formulierung sind beide Sein-Zeit. Schon angekommen zu sein oder noch nicht angekommen zu sein sind beide Sein-Zeit. Die Situationen werden normalerweise so beschrieben, dass der Zeitpunkt der Ankunft noch nicht gekommen ist, aber dass die Zeit des Nicht-Ankommens schon da ist.
Die Absicht kann durch einen Esel und die Formulierung kann durch ein Pferd symbolisiert werden. Ein Pferd wird daher als Symbol für die Worte und ein Esel als Symbol für die Absicht verwendet. Angekommen zu sein ist etwas anderes als gerade zu kommen. Noch nicht angekommen zu sein ist etwas anderes, als nicht zu kommen. So beschaffen sind die wirklichen Situationen der Sein-Zeiten.

Kommentar:
Die Absicht ist eine Art von Erwartung und die Formulierungen sind konkrete Beschreibungen mit Worten. Aber ist es möglich für uns, sowohl die Absicht als auch die Formulierungen als Sein-Zeit zu bezeichnen. Wir können die Absicht als Esel und die Formulierung als Pferd symbolisieren, weil Absicht und Formulierung immer (in der Zeit) kommen und gehen (wie Esel und Pferd). Daher können wir denken, dass sowohl die Absicht als auch die Formulierung die Sein-Zeit im gegenwärtigen Augenblick sind.

17. „Die Anwesenheit ist (nur) durch die Anwesenheit selbst bestimmt und begrenzt und ist nicht durch die Abwesenheit bestimmt. Die Abwesenheit ist nur durch die Abwesenheit selbst bestimmt und begrenzt und ist nicht durch die Anwesenheit bestimmt.“

Grundprinzip:
Schon angekommen zu sein wird auf natürliche Weise dadurch bestimmt und gesteuert, dass man schon angekommen ist. Aber es ist nicht dadurch gesteuert, dass man noch nicht angekommen ist. Nicht angekommen zu sein ist auf natürliche Weise dadurch bestimmt und gesteuert, dass man noch nicht angekommen ist. Aber es ist nicht dadurch gesteuert, dass man schon angekommen ist.

Kommentar:
In der wirklichen Welt wird alles durch sich selbst bestimmt und gesteuert. Daher können wir denken, dass alles durch sich selbst zur Sein-Zeit begrenzt ist.

18. „Der Wille behindert den Willen und trifft den Willen. Die Worte hindern die Worte und treffen die Worte. Die Begrenzung hindert die Begrenzung und trifft die Begrenzung. Die Begrenzung begrenzt die Begrenzung. Dies ist Zeit.“

Grundprinzip:
Die Absicht steuert die Absicht selbst und die Absicht beobachtet die Absicht von außen. Die Worte steuern die Worte selbst und sie beobachten die Worte selbst von außen. Die Begrenzung steuert die Begrenzung selbst und die Begrenzung beobachtet die Begrenzung selbst von außen. Wir können daher sagen, dass die Begrenzung sich selbst steuert und dass die Begrenzung sich selbst im gegenwärtigen Augenblick bestimmt und steuert. Und wir können solche Situationen als Zeit bezeichnen.

Kommentar:
Wir können daher sagen, dass alles (wirklich) sich selbst steuert und dass solche Situationen Zeit genannt werden.

19. „Die Begrenzung wird von den objektiven Dharmas benutzt. Aber eine Begrenzung, welche die objektiven Dharmas eingrenzt, ist niemals aufgetreten.“

Grundprinzip:
Eine Begrenzung wird häufig von vielen Arten von Dingen und Phänomenen benutzt. Eine solche Begrenzung wird normalerweise in ihren eigenen Grenzen benutzt. Es gibt keine Begrenzung, die überhaupt andere Dinge und Phänomene eingrenzt.
Kommentar:
Alle Dinge und Phänomene haben ihre eigene Selbststeuerung. Und es gibt nichts und auch keine Phänomene, die überhaupt die Funktion ausüben, dass sie andere Dinge und Phänomene begrenzen.

20. „Ich begegne einem Menschen und ein Mensch begegnet einem Menschen. Ich begegne mir selbst und die Offenbarung begegnet der Offenbarung. Ohne Zeit könnten diese (Tatsachen) nicht so sein (wie sie sind).“

Grundprinzip:
Wenn ich einem anderen begegne, kann ich sagen, dass ich einem Menschen begegne. Menschen begegnen also Menschen. Ich begegne (mir) als einem Menschen und eine Offenbarung begegnet einer Offenbarung. Aber alle diese Begegnungen können überhaupt nicht wirklich existieren, wenn es keine Zeit gäbe.
Kommentar:
Wenn es keine Zeit gäbe, ist es für irgendeine nur mögliche Sache vollständig unmöglich, überhaupt zum gegenwärtigen Augenblick zu existieren.

21. „Weiterhin ist der Wille die Zeit des verwirklichten Universums. Die Worte sind die Zeit des aller Wichtigsten, das ist der höchste Zustand. Anwesenheit ist Zeit, welche die wesentliche Substanz offen legt und Abwesenheit ist die Zeit, an diesem zu haften und es (wieder) zu verlassen. Wir sollten (klare) Unterscheidungen treffen und die Sein-Zeit wie dies in die Tat umsetzen.“

Grundprinzip:
Gleichzeitig ist die Absicht Zeit, wenn das Universum verwirklicht wird. Das Wort ist die Zeit, und dies ist das höchste Wirken der Absicht. Ankunft ist Zeit, wenn die Dinge ihren (materiellen) Körper überschritten haben. Nicht-Ankunft ist Zeit, wenn das Verhalten an diesem haftet und (dann nicht mehr haftet und es wieder) verlässt. Wir sollten dies so erkennen und bestätigen. Und wir sollten zur Sein-Zeit handeln.
Kommentar:
Absicht, Worte, Ankunft und Nicht-Ankunft sollten so verstanden und bestätigt werden. Und wir sollten wie jene im gegenwärtigen Augenblick handeln.

22. „Ich (Dogen) würde es wie folgt sagen:
Die halbe Anwesenheit von Willen und Worten ist Sein-Zeit.
Die halbe Abwesenheit von Willen und Worten ist Sein-Zeit.
Es sollte Untersuchung in der Erfahrung wie dieses geben.“


Grundprinzip:
Wir können sagen, dass es Sein-Zeit ist, wenn Absicht und Worte halb angekommen sind (mit „halb“ bezeichnet Dogen etwas Wirkliches im Gegensatz zur Vorstellung). Es ist auch Sein-Zeit, wenn Absicht und Worte noch nicht angekommen sind. Wir sollten dies auf diese Weise erfahren und erforschen.

Kommentar:
Es mag die Situation geben, dass sowohl die Absicht als auch die Worte halb und halb angekommen sind. Und es mag so sein, dass weder die Absicht noch die Worte halb angekommen sind. Aber diese verschiedenen Arten von Situationen sind auch Sein-Zeit.

23. „Es ist halbe (wirkliche) Sein-Zeit, wenn man sich dazu bringt, die Augenbraue hochzuziehen oder mit dem Auge zu zwinkern.
Es ist verwirrte Sein-Zeit, wenn man sich selbst dazu bringt, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit dem Auge zu zwinkern.
Es ist halbe (wirkliche) Sein-Zeit, wenn man sich nicht dazu bringt, eine Augenbraue hochzuziehen und mit dem Auge zu zwinkern.
Es ist verwirrte Sein-Zeit, wenn man sich nicht dazu bringt, eine Augenbraue hochzuziehen und mit dem Auge zu zwinkern.
Wenn wir wie dies das Kommen erfahren und das Gehen erfahren, und wenn wir auf diese Weise die Anwesenheit erfahren und die Abwesenheit erfahren, dann ist diese Zeit die Sein-Zeit.“


Grundprinzip:
Es ist halbe (also im Sinne von Dogen wirkliche) Sein-Zeit, wenn man sich dazu bringt, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern.
Es ist falsche (nicht gedachte) Sein-Zeit, wenn man sich dazu bringt, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern.
Es ist (auch) halbe (wirkliche) Sein-Zeit sich nicht dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern.
Es ist falsche (nicht gedachte) Sein-Zeit sich nicht dazu zu bringen, eine Augenbraue hochzuziehen oder mit einem Auge zu zwinkern.
Wenn wir das Kommen und Gehen erfahren und wenn wir die Anwesenheit und Abwesenheit wie dies erfahren, dann ist diese Zeit auch genau Sein-Zeit.

Kommentar:
In wirklichen Situationen gibt es nicht Alles oder Nichts, und Richtig oder Falsch (also keine Extreme). In tatsächlichen Situationen gibt es auch Fälle mit verschiedenen Anteilen oder Prozentsätzen des Volumens (Inhalt) oder der Zahlen (Mengen).

Dienstag, 8. April 2008

11. Sein-Zeit (Uji), Teil 1
[29]
1. „Ein ewiger Buddha sagt: Manchmal auf dem höchsten Gipfel (des Berges) stehen. Manchmal auf dem Grund des tiefsten Ozeans gehen. Manchmal drei Köpfe und acht Arme. Manchmal der sechzehn Fuß oder acht Fuß (große goldene Körper).Manchmal ein Stab oder ein Fliegenwedel. Manchmal ein Außenpfeiler oder eine Steinlaterne. Manchmal der dritte Sohn des Chang oder der vierte Sohn des Lee. Manchmal die Erde und der Raum.“

Grundprinzip:
Ein ewiger Buddha sagt:
Zur Sein-Zeit, auf dem Gipfel eines sehr hohen Berges stehen. Zur Sein-Zeit, auf dem sehr tiefen Grund des Ozeans gehen. Zur Sein-Zeit, sehr böse wie Ragaraja sein.Zur Sein-Zeit, sechzehn Fuß oder sechs Fuß sein wie Gautama Buddha. Zur Sein-Zeit, einen Stab oder einen Fliegenwedel für eine buddhistische Zeremonie haben. Zur Sein-Zeit, wie ein Außenpfeiler oder eine Steinlaterne im Tempel sein. Zur Sein-Zeit, der dritte Sohn des Chang oder der vierte Sohn des Lee sein. Zur Sein-Zeit, die ganze Erde oder der Raum sein.

Kommentar:
Nach der buddhistischen Lehre existiert alles wirklich genau im gegenwärtigen Augenblick, daher beschreibt das obige buddhistische Gedicht genau die wirklichen Situationen unseres menschlichen Lebens.

2. „In diesem Wort "manchmal" ist Zeit genau das Sein und das Sein ist Zeit. Der sechzehn Fuß goldene Körper ist selbst Zeit. Weil er Zeit ist, hat er den strahlenden Glanz der Zeit. Wir sollten sie als die zwölf Stunden des Tages lernen. Die drei Köpfe und acht Arme sind selbst Zeit. Weil sie Zeit sind, sind sie genau dasselbe wie die zwölf Stunden des Tages. Wir können niemals messen, wie lang und weit entfernt oder wie kurz und eilig zwölf Stunden sind, gleichzeitig nennen wir sie "zwölf Stunden". Das Verlassen und Kommen der Richtungen und Spuren (der Zeit) sind klar und daher zweifeln die Menschen nicht daran. Sie zweifeln nicht daran, aber das bedeutet nicht, dass sie die Zeit (wirklich) kennen. Die Zweifel, welche die Lebewesen von Natur aus an jeder Sache und jeder Tatsache haben, die wir nicht kennen, sind nicht in sich stimmig. Daher ist unsere vergangene Geschichte des Zweifels nicht immer genau dasselbe wie unser jetziger Zweifel. Wir können jedoch für die Gegenwart sagen, dass Zweifel nichts anderes als Zeit ist.“

Grundprinzip:
Die Bedeutung von "Sein-Zeit" beinhaltet, dass Zeit genau dasselbe ist wie das Sein. Und das Sein ist in jedem Fall genau dasselbe wie die Zeit. Der goldene Körper von Gautama Buddha, der sechzehn Fuß hoch ist, ist genau der gegenwärtige Augenblick. Weil er der gegenwärtige Augenblick ist, hat er das großartige Leuchten wie die Zeit. Wir sollten untersuchen, dass die Zeit genau als Zeit verstanden werden sollte, und dies ist dasselbe wie die vierundzwanzig Stunden des Tages. Der Zustand, wütend wie Ragaraja zu werden, ist genau Zeit und weil er Zeit ist, mag er genau dasselbe sein wie die vierundzwanzig Stunden, die wir jetzt benutzen. Insoweit ist es für uns unmöglich, die Länge, den Abstand, die Kürze und die Dringlichkeit zu berechnen, aber aus Bequemlichkeit nennen wir sie die vierundzwanzig Stunden. Weil die Richtung oder die Spuren der Zeit tatsächlich sehr klar zu sein scheinen, haben die Menschen normalerweise keine Zweifel an der Zeit. Aber obgleich sie daran keinen Zweifel haben, ist es nicht wahr, dass sie wirklich eine solche Sache klar erkennen. Selbstverständlich ist es nicht so eindeutig klar, wenn die Menschen an verschiedenen Dingen und Phänomenen unmissverständlich zweifeln, ob sie wirklich entschiedene Zweifel haben oder nicht. Daher ist es nicht immer offensichtlich, ob der heutige Zweifel der selbe ist wie der frühere Zweifel. Es kann jedoch auf jeden Fall gesagt werden, dass der Zweifel unausweichlich genau die Zeit ist.

Kommentar:
Kurz gesagt ist es nicht immer klar, ob wir die selben Zweifel haben oder nicht. Aber es ist vollständig klar, dass eine einfache Tatsache, die Zweifel genannt wird, auf jeden Fall selbst Zeit ist.

3.“Wir bringen uns selbst in Ordnung und sehen (den sich ergebenden Zustand) als das ganze Universum. Jeder Einzelne und jedes Objekt in diesem ganzen Universum sollte als einzelner Augenblick der Zeit angesehen werden. Objekte hindern nicht Objekte, und in derselben Weise behindern die Augenblicke der Zeit nicht die Augenblicke der Zeit. Aus diesem Grund gibt es Entschlüsse, die im selben Augenblick der Zeit gefasst werden und es gibt Augenblicke der Zeit, in denen dieselben Entschlüsse gefasst werden. Praxis und Verwirklichung der Wahrheit sind genauso wie dies.„

Grundprinzip:
Wir bringen uns selbst in Ordnung und wir sehen (das Ergebnis) als das ganze Universum. Jeder Mensch und jedes Ding in diesem ganzen Universum sollte als einzelner Augenblick der Zeit angesehen werden. Ein Ding behindert nicht ein Ding und in der selben Weise behindert ein Augenblick der Zeit nicht einen (anderen) Augenblick der Zeit. Aus diesem Grund gibt es zur selben Zeit die Erweckung des Geistes zur Wahrheit, und es ereignet sich der selbe Geist zur gleichen Zeit. Die Praxis und Verwirklichung der Wahrheit sind auch genau so wie dies.

Kommentar:
Ich ordne mich als das Universum, und jeder Mensch und jedes Ding sind genau dasselbe wie jede einzelne Zeit. Jedes Ding behindert nicht jedes andere Ding und jede Zeit behindert nicht jede andere Zeit. Daher kann sich zum selben Augenblick das Erwecken des Willens zur Wahrheit ereignen und derselbe Wille zur Wahrheit kann sich zum selben Augenblick ereignen. Die Praxis und die Verwirklichung der Wahrheit sind auch (genau so und) in derselben Situation.

4. „Indem wir das Selbst in Ordnung bringen, sehen wir, was es ist. Die Wahrheit, dass das Selbst Zeit ist, ist wie dies.“

Grundprinzip:
Indem wir uns ordnen wie wir sind, schauen wir auf uns, wie wir sind. Daher ist es ganz klar, dass wir wie dieses (auch) Zeit sind.

Kommentar:
Daher ist es sehr klar, dass wir selbst genau Zeit sind.

5. „Wir sollten in der Praxis lernen, dass die Erde wegen dieser Wahrheit unzählige Phänomene und Hunderte von Dingen umfasst und jedes Phänomen und jedes Ding existiert auf der ganzen Erde.„

Grundprinzip:
Wegen dieses Prinzips existieren verschiedenartige Phänomene und viele Dinge auf der Erde wie sie sind, und wir sollten durch Erfahrung lernen, dass jedes Ding und jedes Phänomen auf der Erde unabhängig von einander existiert.

Kommentar:
Weil alle Dinge und Phänomene so wie dies existieren, so wie sie sind, sollten wir durch Erfahrung studieren, dass verschiedenartige Phänomene und viele Dinge auf der Erde existieren. Die Existenz von uns selbst bedeutet die Existenz unseres Handelns, und daher ist es ein ganz klares Prinzip, dass wir Zeit selbst genau sind.

6. „Solches Hin und Her ist ein erster Schritt (auf dem Weg) der Praxis. Wenn wir auf demFeldt des Unfassbaren ankommen, gibt es genau ein (konkretes) Ding und ein (konkretes) Phänomen, hier und jetzt.(Dies ist jenseits) des Verstehens oder Nicht-Verstehens der Phänomene und (jenseits) des Verstehens oder des Nicht-Verstehens der Dinge. Weil (wirkliche Existenz) nur dieser genaue Augenblick ist, sind alle Augenblicke der Sein-Zeit das Ganze der Zeit. Alle Existierenden Dinge und alle Existierenden Phänomene sind Zeit. Das Ganze der Existenz, das ganze Universum, existiert in einzelnen Augenblicken der Zeit.„

Grundprinzip:
Ein solches Kommen und Gehen ist der Anfangspunkt der Praxis. Jedoch im Falle des Ankommens beim höchsten Unfassbaren sind die Situationen genau eine Sache oder ein Phänomen. Dies ist das Verstehen oder jenseits des Verstehens. Oder es ist das Verstehen eines Dinges oder jenseits eines Dinges. Weil jede Zeit immer genau der gegenwärtige Augenblick ist, ist die Sein-Zeit vollkommen die ganze Zeit. Ein existierendes Ding und ein existierendes Phänomen sind beide Zeit. Mit anderen Worten existieren das Sein und das ganze Universum in der gegenwärtigen Zeit jedes einzelnen Augenblicks.

Kommentar:
In der buddhistischen Lehre sind Existenz und Zeit immer zu einer Einheit verbunden. Wir können daher denken, dass die ganze Existenz und das ganze Universum genau zur Zeit jedes Augenblicks existieren.

7. „Dies besagt, dass ich dort in jener Zeit war, als ich einen Berg bestieg oder einen Fluss überquerte. Dort muss in mir Zeit gewesen sein. Und ich existiere tatsächlich jetzt, (daher) konnte die Zeit sich nicht entfernt haben. Wenn die Zeit nicht die Form des Verlassens und Kommens hat, ist die Zeit des Ersteigens eines Berges das Gegenwärtige als Sein-Zeit.“

Grundprinzip:
Das besagt, dass ich wirklich in jenem Augenblick existierte, als ich den Berg erstieg und den Fluss überquerte. Und genau in jener Zeit mag ich zweifellos Zeit haben. Daher existierte ich genau zu jener Zeit und es ist unmöglich für die Zeit, mich zu verlassen. Wenn es wahr ist, dass Zeit nicht irgendeine Form des Verlassens oder Kommens hat, ist die Zeit des Ersteigens eines Berges genau der gegenwärtige Augenblick der Sein-Zeit.

Kommentar:
Auch in der vergangenen Zeit, kann ich sagen, dass die Zeit des Ersteigens eines Berges genau ein gegenwärtiger Augenblick der Sein-Zeit gewesen ist, wenn ich zu einem wirklichen Augenblick einen Berg erstiegen habe.

8. „Um den wesentlichenKern zu erfassen und ihn auszudrücken: Alles, was im ganzen Universum existiert, ist als (fortlaufende) Folge an einander gereiht und gleichzeitig sind es einzelne Augenblicke der Zeit. Weil (Zeit) die Sein-Zeit ist, ist es meine Sein-Zeit.“

Grundprinzip:
Kurz gesagt, die ganze Existenz im ganzen Universum ist in einzelne Augenblicke unterteilt, auch wenn es erscheint, dass es zu einer Einheit verbunden ist. Und weil es Sein-Zeit ist, kann ich es meine Sein-Zeit nennen.

Kommentar:
Obgleich das ganze Universum zu einer Einheit verbunden zu sein scheint, kann man sagen, dass das Universum tatsächlich immer in einzelne Augenblicke geteilt ist. Daher können wir jeden einzelnen getrennten Augenblick als Sein-Zeit bezeichnen und wir können es als meine Sein-Zeit bezeichnen.

9. „Die Sichtweise des gewöhnlichen Menschen heute und die Ursachen und Bedingungen (dieser) Sichtweise sind etwas, das der gewöhnliche Mensch als seine Erfahrungen macht. Aber sie sind nicht die Wirklichkeit des gewöhnlichen Menschen. Es ist für die Gegenwart genau so, dass die Wirklichkeit einen gewöhnlichen Menschen nach ihren Ursachen und Bedingungen geformt und gemacht hat. Weil er diese Zeit und diese Existenz als etwas anderes als die Wirklichkeit selbst versteht, nimmt er an, dass "der sechzehn Fuß goldene Körper jenseits von mir (selbst) ist". Die Versuche (dem Problem) auszuweichen, indem (er denkt) "ich bin niemals der sechzehn Fuß goldene Körper" sind auch der Funke und das Aufblitzen der Sein-Zeit. Sie sind ihre flüchtigen Blicke und (Ahnung) durch einen Menschen, der (die Sein-Zeit) noch in der Erfahrung verwirklichen muss und ihr vertrauen muss.“

Grundprinzip:
Die Art und Weise, wie der gewöhnlich Mensch den gegenwärtigen Augenblick sieht und die Ursachen und Umstände dieser Sichtweise des gewöhnlichen Menschen sind genau seine (nur subjektiven) Erfahrungen. Aber sie sind nicht die Wirklichkeit des gewöhnlichen Menschen. In dieser Situation hat das Universum für eine Weile genau die Ursachen und Umstände (der subjektiven Erfahrungen) für den gewöhnlichen Menschen erzeugt. Der gewöhnliche Mensch versteht nämlich, dass diese wirkliche Zeit und diese wirkliche Existenz sich vom Universum unterscheiden und er denkt daher, dass Gautama Buddha, der einen goldenen Körper von sechzehn Fuß hat, sich von dem gewöhnlichen Menschen selbst unterscheidet. Aber der gewöhnliche Mensch, der denkt, dass er nicht Gautama Buddha selbst ist, und der davor fliehen möchte, Gautama Buddha zu sein, ist auch genau jeder gegenwärtige Augenblick der Sein-Zeit. Es ist genau die gegenwärtige Sichtweise durch den gewöhnlichen Menschen, der nicht die wirkliche Sichtweise in jedem einzelnen Augenblick realisiert hat.

Kommentar:
Obgleich das Universum jeden Menschen genau so wie Gautama Buddha geschaffen hat, lehnt der gewöhnliche Mensch diese wirklichen Tatsachen ab. Daher akzeptiert der gewöhnliche Mensch nicht, dass er genau so wie Gautama Buddha selbst ist.

10. „Weil Überflüssiges genau etwas Überflüssiges ist, ist auch ein Augenblick die halb-vollkommen-verwirklichte Sein-Zeit die vollkommene Verwirklichung der halben-Sein-Zeit. Auch jene Phasen, in denen wir scheinbar leichtsinnig herumirren, sind auch das Sein und die Existenz. Wenn wir (das Herumirren) ganz diesem Sein überlassen, nehmen (die Augenblicke) ihren Platz im Dharma ein, auch wenn (die Augenblicke) sich vorher und nachher als leichtsinniges Herumirren offenbaren. Im Zustand des kraftvollen Handeln ist es genau die Sein-Zeit, wenn wir unseren Platz im Dharma einnehmen.“

Grundprinzip:
Weil etwas Überflüssiges für immer als etwas Überflüssiges genommen werden muss, muss auch eine Sein-Zeit, die nicht nur halb verwirklicht worden ist, als halbe Sein-Zeit genommen werden, die bereits verwirklicht worden ist. In diesem Fall sind auch Formen und Situationen, die bereits scheinbar durchlaufen wurden, ohne Zweifel genau das Sein und die Existenz. Wenn wir darüber hinaus der wirklichen Situation der Sein-Zeit folgen, sind auch die davor und danach verwirklichten Tatsachen, die durch Fehler realisiert worden sind, auch der lebende Ort der Sein-Zeit. Die außerordentlich kraftvolle Aktivität im System des Universums ist immer die Sein-Zeit.

Kommentar:
Die wirkliche Sein-Zeit sind immer Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick und daher ist auch eine halb-realisierte Sein-Zeit genau die halb-realisierte Sein-Zeit. Auch die wirklichen Situationen, die Fehler zu sein scheinen, sind auch die wirkliche Sein-Zeit der Fehler. Alle kraftvollen wirklichen Aktivitäten, die im Universum existieren, sind genau die wirklichen Sein-Zeiten.

Dienstag, 26. Februar 2008

Frage:

Sehr geehrter Nishijima Roshi,

vielen Dank für die wunderbare Gelegenheit zur Kommunikation in diesem Blog.
Ich lese gerade das zweite Kapitel im Shobogenzo (Makahannya haramitsu) und möchte Sie um Erläuterungen zum Gedicht der Windglocke von Tendo Nyojo bitten.
Verstehe ich es richtig, dass der Wind der vier verschiedenen Himmels-Richtungen nicht direkt mit dem Läuten der Glocke zu tun hat? Bedeutet die Kommunikation, dass die Glocke sowieso läuten würde oder dass die Glocke von einem Wind, woher er auch immer weht, nicht beeinflusst wird?
Nach Erwähnung der vier Arten der Versenkung werden vier verschiedene Zustände des Gleichgewichtes (shi mushiki jo) aufgeführt. Würden Sie diese bitte erklären?

Vielen Dank im Voraus und mit herzlichen Grüßen

Regina


Antwort

Liebe Zushi San,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Ich meine, dass es für uns besser sein mag, über die Bedeutung von Meister Tendo Nyojos Gedicht nachzudenken, wenn wir es vom nächsten Paragraphen trennen. Dort erklärt uns Gautama Buddha, dass Buddha die intuitive Fähigkeit darstellt und diese intuitive Fähigkeit genau Buddha ist.

Meister Tendo Nyojo beschreibt, dass die Situation der Windglocke auf die Wirklichkeit selbst hindeutet.

Und Gautama Buddha sagt ganz klar, dass die Intuition Buddha ist und Buddha wiederum genau diese Intuition.

Mit den besten Wünschen
Gudo Wafu Nishijima

Samstag, 9. Februar 2008

10. Erzeugt kein Unrecht! (Shoaku makusa)
Teil 2

10.“ Wir lassen das Recht und Unrecht, und Ursachen und Wirkungen sich selbst praktizieren. Dies bedeutet aber nicht, dass wir die Ursachen und Wirkungen stören oder sie absichtlich erzeugen. Manchmal sind es die Ursachen und Wirkungen selbst, die uns praktizieren.“

Grundprinzip:
Manchmal können wir das Richtige und Falsche praktizieren lassen und manchmal können wir Ursache und Wirkung praktizieren lassen. Dies bedeutet nicht, dass wir Ursache und Wirkung bewegen oder sie erzeugen. Die Situation ist umgekehrt, dass nämlich Ursache und Wirkung uns manchmal dazu bringen zu praktizieren.

Kommentar:
Sowohl Richtig und Falsch als auch Ursache und Wirkung sind die Zustände des Vegetativen Nervensystems (VNS) und beide sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick. Daher können beide niemals unterteilt werden in Richtig und Falsch oder Ursache und Wirkung einerseits und die Praxis andererseits. Alles ist immer wirkliches menschliches Handeln im gegenwärtigen Augenblick. Daher sollten wir denken, dass sich in der wirklichen Welt viele Arten von wirklichem Handeln ereignen, und es ist für uns notwendig zu denken, dass dies immer wirkliches Handeln ist. Dieses kann niemals mit Worten erklärt werden, und es in der Tat sehr vielfältige Handlungen in dieser Welt gibt.
[11]
11. „Wenn ihr dies so (gründlich) erfahrt und erforscht, verwirklicht sich das Unrecht als etwas (das gar nicht entstehen kann, weil ihr) es nämlich nicht erzeugt. Dank dieser Verwirklichung könnt ihr bis zum Grund vordringen, was es bedeutet, kein Unrecht zu tun und ihr könnt es entschlossen im Sitzen (der Zazenpraxis) verwirklichen. Denn genau in dem Augenblick, in dem es sich am Anfang, in der Mitte und am Ende verwirklicht, dass kein Unrecht erzeugt wird, gibt es (auch) kein Unrecht, das durch Ursachen und Umstände entstehen kann, (weil) es nämlich nicht erzeugt worden ist. Es gibt (dann auch) kein Unrecht, das durch Ursachen oder Umstände verschwinden könnte, (weil) es gar nicht erzeugt worden ist.“

Grundprinzip:
Wie wir im vorherigen Absatz erkannt haben, sind Ursache und Wirkung so beschaffen, dass sie nicht begangen werden, dass sie nicht erscheinen, nicht ewig, nicht verborgen und nicht verneint sind, aber vor allem dass sie vollständig frei sind. Wenn wir das Falsche untersuchen, offenbart es sich einfach als etwas, das nicht erzeugt wurde. Indem uns eine solche Wirklichkeit maßgeblich unterstützt, reift bei uns der klare Entschluss und wir können vollständig erkennen, dass Unrecht genau das ist, was wir nicht erzeugen. In dem Augenblick wird die Tatsache in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkannt, dass Unrechtes bedeutet, es nicht zu erzeugen. Wir erkennen, dass das Unrechte nicht durch Ursache und Wirkung entsteht, sondern einfach, dass es überhaupt nicht begangen wird. Das Unrecht verschwindet nicht durch Ursache und Wirkung, sondern dadurch, dass es nicht erzeugt wird.

Kommentar:
Falsches und Unrechtes sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick und sie sind genau das, was man lassen kann. Der Zustand, dass das Unrecht nicht erzeugt wird, wird nur durch unsere klare Sichtweise und unser entschiedenes Sitzen (im Zazen) erkannt. Genau zu der Zeit wird die Tatsache erkannt, dass Unrecht nicht erzeugt wird und zwar in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Unrecht erscheint nämlich nicht durch Ursache und Wirkung, sondern im Gegenteil genau dadurch, dass es nicht (von jemandem) begangen wird. Das Unrecht verschwindet auch nicht durch Ursache und Wirkung, sondern im Gegenteil, weil es nicht begangen wird.

12. „Wenn das Unrecht im Gleichgewicht ist, sind alle Dharmas im Gleichgewicht. Jene Menschen die (scheinbar) erkennen, dass das Unrecht durch Ursache und Wirkung entsteht, aber nicht klar sehen, dass sie selbst und diese Ursachen und Wirkungen der (Wirklichkeit von) dem Nicht-Erzeugen sind, sind bedauernswerte Menschen.“

Grundprinzip:
Wenn das Unrecht im Gleichgewicht ist, sind alle Dinge und Phänomene im Gleichgewicht. Aber jene Menschen die (scheinbar) erkennen, dass das Unrecht durch Ursache und Wirkung erzeugt wird, sind in der Tat bedauernswert. Sie sollten daher genau auf die wirklichen Ursachen und Umstände sehen und erkennen, dass die Menschen selbst das Unrecht erzeugen.

Kommentar:
Falsches und Unrechtes sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick und sie sind daher immer im Gleichgewicht. In ähnlicher Weise sind auch alle Dinge und Phänomene im gegenwärtigen Augenblick im Gleichgewicht. Wenn die Menschen also meinen, dass das Unrecht durch Ursache und Umstände erzeugt wird, sind sie sehr bedauernswert. Sie erkennen dann nicht, dass die Ursachen und Umstände nur etwas sind, welches das Unrecht nicht erzeugt, sondern dass solche Menschen selbst das Unrecht erzeugen.

13.“ Der Samen der Buddhaschaft entsteht aus Bedingungen, und da dies so ist, entstehen die Bedingungen aus den Samen der Buddhaschaft.“

Grundprinzip:
Die Samen der Buddhaschaft entstehen aus den Umständen und gleichzeitig entstehen die Umstände aus den Samen der Buddhaschaft.

Kommentar:
Die Samen der Buddhaschaft und die verschiedenen Umstände sind einfache Tatsachen direkt vor uns. Daher können wir sagen, dass die Samen der Buddhaschaft aus den Umständen entstehen und dass gleichzeitig die Umstände aus den Samen der Buddhaschaft entstehen.

14. „Das Unrecht ist weder existent noch nicht existent, sondern es wird erzeugt. Das Unrecht ist weder materiell noch immateriell, sondern es wird erzeugt. Es geht nicht um (um die Worte), das Unrecht nicht zu erzeugen, sondern um die konkrete Wirklichkeit, das Unrecht nicht zu erzeugen.“

Grundprinzip:
Es ist nicht wahr, dass das Unrecht nicht existiert, sondern es ist nichts anderes, als es nicht zu erzeugen. Es ist auch nicht wahr, dass das Unrecht existiert, denn es ist nichts anderes, als es nicht zu erzeugen. Das Unrecht ist weder immateriell noch materiell, sondern es bedeutet, es nicht zu erzeugen. Das Unrecht ist nicht ein abstraktes Wort: "Nicht-Erzeugen", sondern es ist genau die wirkliche Tatsache von "Nicht-Erzeugen".

Kommentar:
Wir können das wirkliche Vorhanden-Sein des Unrechts im gegenwärtigen Augenblick nicht leugnen. Aber wenn wir nicht irgendwelche Art von Unrecht im gegenwärtigen Augenblick erzeugen, ist es vollständig unmöglich, dass das Unrecht wirklich existiert. Wir können daher sagen, dass das Unrecht keine dauerhafte Entität ist, sondern nur eine Tatsache im gegenwärtigen Augenblick ist. Wenn wir es tatsächlich tun, existiert es wirklich im gegenwärtigen Augenblick, aber wenn wir nicht irgendeine Art von Unrecht begehen, kann es überhaupt nicht realisiert werden. Falsches und Unrechtes sind also keine abstrakten Vorstellungen und auch keine materiellen Substanzen, denn sie erscheinen nicht wirklich dauerhaft und für immer, wenn wir sie nicht erzeugen.

15. „Das Selbst ist weder existent noch nicht existent, sondern es ist (die Wirklichkeit), kein Unrecht zu erzeugen. Wenn wir auf diese Weise erfahren und erforschen, (was es bedeutet) kein Unrecht zu erzeugen, ist dies das verwirklichte Universum und es ist die allumfassende Verwirklichung. Wir betrachten es unter dem Blickwinkel des Subjekts und unter dem Blickwinkel des Objekts. Wenn ihr den obigen Bereich (der Wirklichkeit) schon auf diese Weise erreicht habt, ist sogar das Bedauern (etwas) erzeugt zu haben, das wir besser nicht erzeugt hätten, nichts anderes als die Kraft, die uns aus dem Streben erwächst kein Unrecht zu erzeugen.“

Grundprinzip:
Das Selbst ist keine (dauerhafte) Existenz und es ist keine (dauerhafte) Nicht-Existenz, sondern es ist nur (das Unrecht) nicht zu begehen. Das wirkliche Erfahren und Erforschen wie dies, ist genau das Universum, das bereits verwirklicht und auch die Verwirklichung des Universums ist. Dieses sollte subjektiv bedacht werden und es sollte objektiv bedacht werden. Selbst wenn die Situation in Wirklichkeit vermeidbar ist, etwas Unrechtes zu begehen, habe ich vielleicht doch den Fehler begangen, das Unrechte zu tun. Aber ein solches Verhalten des Bedauerns kann eine beachtliche Kraft werden, (das Unrecht) nicht zu erzeugen.

Kommentar:
Das Selbst übersteigt Vorstellungen von Existenz und Nichtexistenz und es ist genau das Nicht Erzeugen des Unrechts im gegenwärtigen Augenblick. Wenn wir eine solche Situation erkennen, ist es genau das verwirklichte Universum und es ist das Universum, das verwirklicht worden ist. Wir sollten dieses Problem vom subjektiven und vom objektiven Standpunkt aus bedenken. Auch die Situation, dass wir es bedauern, tatsächlich das Unrecht begangen zu haben und selbst wenn es für uns möglich gewesen wäre, es zu stoppen, das Unrecht zu begehen, kann eine solche Art von Bedauern eine Kraft werden, um das Unrecht zu tatsächlich stoppen.

16. „(Die Beziehung von) dem Unrechten und dem Nicht-Begehen ist sowohl dasselbe, als wenn ein Brunnen den Esel anschaut als auch, wenn ein Brunnen den Brunnen anschaut. Dasselbe gilt wenn ein Esel den Esel anschaut, ein Mensch einen Menschen anschaut und ein Berg einen Berg anschaut. Weil es die Lehre dieses Prinzips wechselseitiger Beziehungen gibt, sind das Falsche und das Unrechte, dasselbe wie das Nicht-Erzeugen und das Nicht-Begehen.“

Grundprinzip:
Unrecht und das Nicht-Begehen sind nicht zwei getrennte Faktoren und deren Beziehung zu einander, sondern es ist dasselbe, als ob ein Esel einen Brunnen anschaut und gleichzeitig der Brunnen den Esel anschaut (, denn beide sind nicht als Subjekt und Objekt getrennt). Es ist vielmehr genau eine ähnliche Situation, als wenn der Brunnen den Brunnen selbst anschaut, ein Esel einen Esel anschaut, ein Mensch einen Menschen anschaut und ein Berg einen Berg anschaut. Diese ist wie die Wirklichkeit selbst. Weil der Buddhismus auf einer ganz konkreten und spezifischen Grundlage lehrt gilt, dass das Unrechte genau dasselbe ist wie das Nicht-Begehen.

Kommentar:
Buddhismus ist nicht nur eine theoretische Lehre, sondern ist genau die Verwirklichung der einfachen Tatsache im gegenwärtigen Augenblick. Daher ist er immer die einfache Situation, dass das Unrechte oder Falsche nicht begangen wird.

Dienstag, 29. Januar 2008

10. Erzeugt kein Unrecht! (Shoaku makusa)
Teil 1
[3]
1.“ Ein ewiger Buddha lehrt:vielfältiges Unrecht nicht zu erzeugen,die vielen Arten des Rechten achtungsvoll zu tun,macht das Herz (und den Geist) auf natürliche Weise rein,dies lehren alle Buddhas.“
Grundprinzip:
Ein alter (großer Meister) und Buddha, der ewige Tugenden hat, sagt, dass wir nichts Unrechtes tun sollten, sondern das Richtige praktizieren. Wir können unsere Absichten auf ganz natürliche Weise reinigen. Solche Anweisungen sind die Lehre der alten Buddhas.
Kommentar:
Idealisten kennen diese Lehren (der praktischen Moral) nicht und schätzen vor allem spirituelle Ideen. Auch Materialisten kennen sie nicht und leugnen die Existenz der Moral. Aber buddhistische Realisten schätzen das moralische Handeln im gegenwärtigen Augenblick sehr.

[5]
2. "Wir behandeln jetzt das vielfältige Unrecht. Es gibt Recht, Unrecht und Neutrales (weder Recht noch Unrecht). Das Wesen des Unrechts ist es, nur ein Augenblick zu sein. Das Wesen des Rechten und des Neutralen usw. ist ebenfalls nur ein Augenblick. Recht, Unrecht und Neutrales sind so, wie sie sind, ohne dass etwas hinzugefügt oder weggenommen wird. Sie haben auch eine reale Form und offenbaren ihr Wesen an diesem Ort hier in vielen konkreten Einzelerscheinungen (Dharmas)."
Grundprinzip:
Das Falsche oder Unrechte, das wir jetzt untersuchen, gehört in den Zusammenhang von Richtigem, Falschem und Neutralem. Die besondere Eigenschaft des Falschen ist genau das Nicht-Erscheinen (, wenn es nämlich nicht vorhanden ist). Dies bedeutet, dass es genau die wirkliche Existenz im gegenwärtigen Augenblick ist, und daher hat es nicht das Kennzeichen von Erscheinen und Vergehen (als Prozess). Die Merkmale des Richtigen und Neutralen usw. haben auch keine Verbindung zu dem Erscheinen oder Vergehen, weil das Richtige und Neutrale usw. die wirkliche Situation im gegenwärtigen Augenblick ist. Daher gibt es ebenfalls keine Verbindung zum Erscheinen oder Vergehen. Sie sind ohne Verschmutzung und daher sind sie die Wirklichkeit selbst. In diesen drei Situationen gibt es außerordentlich viele Arten von Dingen und Phänomenen.
Kommentar:
Richtiges, Falsches und Neutrales sind einfache Eigenschaften im gegenwärtigen Augenblick und insofern haben sie keine Verbindung zum Prozess des Erscheinens und Vergehens (, die Veränderungen im Ablauf einer gedachten linearen Zeit voraussetzen). Sie haben keine Beziehung zur Verschmutzung, und sie sind selbst genau die Wirklichkeit. Und bei diesen drei Situationen, also Richtigem, Falschem und Neutralem, gibt es überaus viele Dinge und Phänomene, die als Universum existieren.

3. „Recht und Unrecht sind Zeit; Zeit ist nicht Recht oder Unrecht. Richtig und falsch ist der Dharma; der Dharma ist nicht richtig oder falsch. (Wenn) der Dharma im Gleichgewicht ist, ist das Falsche im Gleichgewicht. (Wenn) der Dharma im Gleichgewicht ist, ist das Richtige im Gleichgewicht.“
Grundprinzip:
Richtig und Falsch sind genau die Zeit im gegenwärtigen Augenblick, aber die Zeit selbst ist niemals richtig oder falsch. Richtig und Falsch sind Situationen im Universum, aber das Universum selbst hat nicht die Eigenschaft von Richtig und Falsch. Wenn das Universum im Gleichgewicht ist, ist das Falsche auch als Teil des Universums im Gleichgewicht und wenn das Universum im Gleichgewicht ist, ist auch das Richtige als Teil des Universums im Gleichgewicht.
Kommentar:
Richtig und Falsch sind Beschreibungen von Teilbereichen im Universum, aber das Universum selbst ist niemals eine Art von Richtig oder Falsch. Wenn das Universum im Gleichgewicht existiert, existiert auch das Falsche im Gleichgewicht und wenn das Universum im Gleichgewicht existiert, existiert auch das Richtige im Gleichgewicht.
[6]
4. „Wir hören von diesem höchsten Zustand des Bodhi manchmal, indem wir (guten) Lehrern folgen und manchmal den Sutras folgen. Zuerst hört man die Worte: "Erzeugt kein Unrecht." Wenn ihr nicht diese Worte hört, ist es nicht Buddhas wahrer Dharma, sondern es mag eher die Lehre von Dämonen sein. Denkt daran, dass es Buddhas wahrer Dharma ist, wenn die Lehre sich so anhört wie "erzeugt kein Unrecht."“
Grundprinzip:
Wir können die Chance haben, die höchste Wahrheit zu hören, indem wir manchmal guten Lehrern und manchmal den Sutra vertrauen. Zu Anfang heißt es: "Erzeugt kein Unrecht." Wenn es nicht wie "erzeugt kein Unrecht" lautet, kann dies niemals die wahre buddhistische Lehre sein, sondern es ist wohl eher die Lehre der Dämonen. Wir sollten daran denken, dass die Lehre, die lautet "erzeugt kein Unrecht" genau die wahre umfassende Lehre (des Buddha) ist.
Kommentar:
Die buddhistische Lehre sollte immer zuerst heißen: "Erzeugt kein Unrecht" und wenn sich daher einige Worte nicht so anhören, können diese niemals die wahre buddhistische Lehre sein, sondern sie sind die Worte von Dämonen. Wir sollten uns ganz klar daran erinnern, dass die Worte, die lauten "begeht nichts Unrechtes" genau die wahren Worte von Gautama Buddha sind.

5. „Wenn ihr die Lehre hört, welche die höchste Wahrheit verkündet, dann lautet sie: "Erzeugt kein Unrecht" und diese Lehre wurde von den Menschen nicht absichtlich erschaffen und dann beibehalten. Was so lautet sind Worte, welche die höchste Wahrheit ausdrücken und da dies schon die Sprache der Wahrheit ist, spricht sie die Wahrheit.“
Grundprinzip:
Die Worte "erzeugt kein Unrecht" können in dieser Form niemals durch die Anstrengungen gewöhnlicher Menschen erzeugt werden. Aber wenn man die Wahrheit als Ausdruck der großen Wahrheit hört, dann lauten die Worte so wie diese. Die Worte, denen wir wie diese zuhören, sind genau Ausdruck der höchsten Wahrheit. Sie sind genau die Worte der Wahrheit und daher lehren sie schon die Wahrheit.
Kommentar:
Die Lehren "erzeugt kein Unrecht" und "praktiziert die vielen Arten des Guten" sind niemals gewöhnliche menschliche Lehren, sondern sie sind insgesamt das Gesetz des Universums. Die Moral ist nicht menschliche Moral, sondern sie ist genau das Gesetz des Universums.

6. „Wenn es die Lehre des höchsten Zustandes des Bodhi wird und wenn wir dadurch verändert werden, dass wir es hören, dann hoffen wir, kein Unrecht zu erzeugen. Wir fahren fort, kein Unrecht zu erzeugen und das Unrecht wird dann weiterhin nicht begangen. In dieser Situation ist die Kraft der Praxis sofort verwirklicht. Diese Verwirklichung vollzieht sich im Bereich der ganzen Erde, der ganzen Welt, der ganzen Zeit und aller Dharmas und ihr Maßstab ist es, kein Unrecht zu erzeugen.“
Grundprinzip:
Wenn die höchste Wahrheit gelehrt und wenn den Lehren aufmerksam zugehört wird, hoffen wir, selbst kein Unrecht zu begehen und wir erzeugen tatsächlich nichts Unrechtes. Wenn die verschiedenen Arten des Unrechtes nicht begangen wurden, dann ist die Kraft das Handeln beim Praktizieren sofort verwirklicht. Diese Verwirklichung vollzieht sich tatsächlich durch die Erde, die Welt, durch die Zeit, durch das Universum. Der Umfang der Verwirklichung (der Wahrheit) ist genau der Umfang, nichts Unrechtes zu erzeugen.
Kommentar:
Weil sich die buddhistischen Lehren offenbaren, können wir sie hören. Dann bitten wir, kein Unrecht zu erzeugen und wir fahren fort das Unrechte zu vermeiden. Wenn wir selbst die Situation erkennen, dass wir ganz stark hoffen, überhaupt keine Möglichkeit zu haben etwas Unrechtes zu erzeugen, dann wird die Kraft verwirklicht, das Falsche zu vermeiden. Die Kraft der Praxis wird dann sofort verwirklicht. Der Reichweite dieses Phänomens umfasst die ganze Erde, die ganze Welt, die ganze Zeit und das ganze Universum. Wir können sagen, dass der Umfang einer solchen Verwirklichung genauso groß ist, wie der Umfang, das Unrechte nicht zu tun.

7. „Für Menschen, die in dieser Wahrheit leben, kann genau in diesem Augenblick überhaupt kein Unrecht erzeugt werden, selbst wenn sie an einem Ort leben und dort kommen und gehen, wo sie Unrecht erzeugen könnten. Dies gilt auch, wenn sie in Situationen sind, in denen sie eventuell Unrecht erzeugen könnten und auch, wenn sie mit Freunden verkehren, die offensichtlich Unrecht tun. Da die Kraft, das Unrecht zu vermeiden derart wirksam ist, kann sich das Unrecht nicht als Unrecht offenbaren und kann keine Eigenständigkeit entwickeln.“
Grundprinzip:
Von einem Menschen, der in der wirklichen Situation und in der wirklichen Zeit ist, können von ihm selbst keine unrechten Handlungen begangen werden. Dies gilt auch, wenn er an einem Ort oder beim Kommen und Gehen zu leben scheint, wo es für ihn scheinbar natürlich wäre, verschiedenartige Fehler zu machen. Dies gilt auch, wenn er mit Umständen konfrontiert ist, wo es ebenfalls für ihn eigentlich nahe liegend wäre, etwas Unrechtes zu begehen und wenn er mit Freunden zusammen ist, die Falsches tun. Dies ist so, weil die Fähigkeit, das Unrecht zu unterlassen, bereits verwirklicht wurde. Die verschiedenen Arten des Unrechtes können sich nämlich nicht selbst verwirklichen und sie haben auch nicht irgendwelche festen und dauerhaften Strukturen.
Kommentar:
Gute buddhistische Praktizierende haben niemals die leichtfertige Tendenz, Falsches zu tun. Daher können sie in jedem Fall aufhören, etwas Unrechtes zu tun, auch wenn es sehr gefährlich erscheint, dies zu erreichen.

8. „Es gibt die buddhistische Wahrheit des aktiven Tuns und des Geschehenlassens. Genau in diesem Augenblick wird die Wahrheit erkannt, dass das Falsche einen Menschen nicht verletzt und die Wahrheit wird geklärt, dass ein Mensch das Unrecht gar nicht beseitigen kann.“
Grundprinzip:
Es gibt die buddhistische Wahrheit, dass eine positive Handlung genau im jetzigen Augenblick getan wird und dass eine Handlung ebenfalls genau im gegenwärtigen Augenblick beendet wird. Und genau im gegenwärtigen Augenblick ist bekannt, dass das Falsche (als abstrakte Vorstellung) niemals einen Menschen (wirklich) verletzt und das Prinzip wird geklärt, dass ein Mensch nicht das Unrechte (als abstrakte Vorstellung) vernichtet.
Kommentar:
Im Buddhismus ist die einzige wirklich existierende Zeit genau der gegenwärtige Augenblick. Daher wird sowohl das aktive Handeln als auch das passive Geschehenlassen genau im gegenwärtigen Augenblick vollzogen. Eine solche Art des wirklichen Handelns im gegenwärtigen Augenblick, ob positiv oder negativ, ist die Einheit von Handeln und Mensch, der handelt, und es ist die Einheit des Geschehenlassens und eines Menschen, der nicht handelt. Daher verletzt das Unrecht niemals einen Menschen, der handelt und ein Mensch der handelt, bricht niemals zusammen.
[10]
9. „Im täglichen Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen müsst ihr gründlich diese Wahrheit bedenken: Wenn menschliche Wesen Buddhas und Vorfahren im Dharma werden, dann werden sie (erst) im Augenblick (ihrer Praxis) zu Buddhas und Vorfahren im Dharma, obgleich sie (die Fähigkeit) Buddha und Vorfahre im Dharma zu sein, schon immer uneingeschränkt hatten. Wenn ihr Buddha oder ein großer Meister werdet, bedeutet dies nicht, den Menschen in euch zu beseitigen, ihn zu beeinträchtigen oder ihn zu verlieren und dennoch habt ihr euch von eurem Ego befreit.“
Grundprinzip:
Wenn gewöhnliche Menschen Buddha oder Meister im Dharma werden, werden sie nicht durch die Tatsache beunruhigt, dass auch gewöhnliche Menschen normalerweise das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems schon in ihrem täglichen Leben aufrechterhalten. Aber gleichzeitig ist es notwendig für uns, dass wir das Prinzip bedenken, dass gewöhnliche Menschen durch ihr tägliches Leben, beim Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen Buddhas und große Meister werden können. Wenn gewöhnliche Menschen Buddhas und große Meister werden, zerstören, stehlen oder verlieren sie nicht ihre eigene Form als Menschen, sondern sie werden vollständig befreit vom Zustand als gewöhnlicher Mensch.
Kommentar:
Ein buddhistischer Meister zu werden bedeutet, ein dauerhaftes Gleichgewicht des Vegetativen Nervensystems (VNS) zu erlangen. Daher ist es kein Problem, dass auch gewöhnliche Menschen in ihrem Leben hin und wieder ein solches Gleichgewicht erlangen. Aber wir sollten gleichzeitig die Lehre bedenken, dass wir dauerhaft die Möglichkeit des Gleichgewichtes des VNS haben, wenn wir den ganzen Tag achtsam sind, also gehen, stehen, sitzen oder liegen.

Dienstag, 15. Januar 2008

9. Die Stimme des Tales und die Form der Berge (Keisei-sanshiki)

[209]

1. Wenn jeder von euch seine (einengende) Hülse entfernt, seid ihr nicht mehr durch frühere Ansichten und früheres Verstehen beschränkt und die Dinge und Zusammenhänge, die seit langen Zeitaltern unklar waren, offenbaren sich plötzlich vor euch.
Grundprinzip:
Wenn wir die vollständige Freiheit durch das Gleichgewicht des Vegetativen Nervensystems (VNS) verwirklicht haben, können wir den Zustand der Wirklichkeit erfahren, der sich nicht seit vielen Jahren für uns verwirklicht hat, indem wir unsere früheren Sichtweisen und unser früheres Verständnis überschreiten.
Kommentar:
Wenn wir nicht das Gleichgewicht unseres vegetativen Nervensystems (VNS) verwirklichen, bei dem es eine Gleichheit zwischen dem sympathischen Nervensystem (SNS) und dem parasympathischen Nervensystem (PNS) gibt, ist es für uns vollständig unmöglich, einen Zustand zu erreichen, wo die Funktionen beider Systeme sich gegenseitig ausgleichen. Dann gibt es ein Gleichgewicht von Plus- und Minus-Aktivitäten,die zu Null werden. Wenn unser SNS stärker ist, müssen wir idealistisch sein und wenn umgekehrt unser PNS überwiegt, müssen wir materialistisch sein. Dann ist es für uns unmöglich, das vollständige Gleichgewicht zu erfahren, das der ursprüngliche und natürliche Zustand von Frieden und Freude ist.
[210]
2. Wie bedauerlich, dass die Form der Berge und Flüsse (dem Laien Toba bis dahin) verborgen geblieben waren. Wir können uns aber freuen, dass es Augenblicke gibt, in denen sich die Ursachen und Umstände der (wirklichen) Stimmen und Formen in den Bergen und Wassern zeigen. Diese sich offenbarenden Zungen (Buddhas) erlahmen niemals. Wie könnte die Form des Körpers (einmal) existieren und (dann) verschwinden?
Grundprinzip:
Es ist sehr bedauerlich, dass die Berge und Flüsse manchmal ihre Stimme und Formen verbergen, aber es erfüllt uns gleichzeitig mit großer Freude, dass es eine Zeit, sowie Ursachen und Bedingungen gibt, in denen die Berge und Flüsse ihre Stimme und Form offenbaren. Die physischen Zungen der Flüsse scheinen niemals träge oder erschöpft zu sein. Wie ist es daher möglich für die physikalische Form der Berge, dass sie existieren oder verschwinden?
Kommentar:
Es ist in der Tat traurig, dass die Berge und Flüsse ihre wirkliche Form und Stimme nicht offenbaren können, weil unser eigenes vegetatives Nervensystem (und damit wir selbst) nicht im Gleichgewicht sind. Aber in der Wirklichkeit eines solchen Gleichgewichts offenbaren die Berge und Flüsse ihre (wahre) Form und ihre Stimme überaus reich und befriedigend. Selbstverständlich gibt es keine Trägheit oder Ermüdung bei den Bergen und Flüssen, und es gibt in ihrer physikalischen Form und Materie weder Existenz noch Verschwinden.
[215]
3. (Der große Meister Kyogen Chikan) verfasste die folgenden Verse:
Mit einem einzigen Schlag verlor ich alles (alte) Wissen,
nicht länger muss ich (gewaltsam) Selbst-Disziplin üben.
(Ich) offenbare das Verhalten des Weges der Alten.
Niemals mehr in Trübsal verfallen.
Nirgendwo die geringste Spur:
(Der Zustand) ist (wahres) und würdevolles Handeln jenseits von Klang und Form.
Menschen überall, welche die Wahrheit verwirklicht haben,
preisen alle (diesen) höchsten Zustand.
Er legte die Verse dem Meister Dai-i vor und dieser sagte: "Dieser Schüler ist vollendet."
Grundprinzip:
Schließlich verfasste der obige Meister die folgenden Verse:
Als ich den Klang des Aufpralls (auf den Bambus) hörte, habe ich mein Wissen sofort weggeworfen.
Seitdem wurde es für mich nicht mehr erforderlich, mich selbst willensmäßig zu steuern.
Mein Verhalten kann das gleiche Tun und Handeln der alten Meister offenbaren
und fällt überhaupt nicht zurück in einen verzweifelten Zustand.
Ich lasse niemals überhaupt an irgendeinem Ort eine (negative) Spur zurück.
Mein (wahres) und würdevolles Verhalten mag von vielen Menschen,
die bei der Wahrheit angekommen sind, in vielen Gegenden
als das beste Tun und Handeln unter den Besten gelobt werden.
Kommentar:
Als Meister Kyogen Chikan die Verse dem großen Meister Isan Reiyu (der auch Dai-i genannt wurde) vorlegte, sagte dieser: "Dieser Schüler ist bei dem Höchsten angekommen."

4. Es war Frühling und die Pfirsichbäume standen in voller Blüte. Als (Meister Reiun Shigon) sie erblickte, verwirklichte er plötzlich die Wahrheit. Er verfasste dieses Gedicht und legte es Meister Dai-i vor: Dreißig Jahre lang ein Wanderer auf der Suche nach einem Schwert. Wie viele Jahre fielen die Blätter und sprossen die Knospen?Mit einem Mal, als ich die Pfirsichblüten sah,bin ich direkt im Jetzt angekommen und habe keine Zweifel mehr.Der Meister Dai-i sagte: "Jemand, der durch die externen (Dinge) und Phänomene (in die Wahrheit) eingetreten ist, wird niemals zurückfallen oder zaudern."
Grundprinzip:
Es war Frühling und die Pfirsichbäume standen in voller Blüte. Als Meister Reiun Shigon diese großartige Szene der Felder sah, wo die Pfirsichblüten voll erblüht waren, verwirklichte und erkannte er plötzlich die Wahrheit selbst. Daher machte er das folgende Gedicht und legte es dem großen Meister Isan Reiyu (genannt Dai-i) vor.Als Wanderer habe ich dreißig Jahre lang etwas Scharfes wie ein Schwert gesucht.Während dieser Zeit fielen viele Male die Blätter der Bäume herab, und die jungen Triebe wuchsen in vielen Jahren.Als ich genau die wunderbaren Pfirsichblüten tatsächlich gesehen habe,bin ich im gegenwärtigen Augenblick angekommen und habe alle Zweifel weggeworfen.Meister Isan Reiyu (genannt Dai-i) sagte darauf:

"Ein Mensch, der durch die externen (Dinge) und Phänomene in die Wahrheit eingetreten ist, wird niemals zurückfallen oder zaudern".

Kommentar:
Meister Reiun Shigon hatte mehr als dreißig Jahre Zazen praktiziert, und eines Tages machte er einen Spaziergang in den Bergen zur Erholung. Als er am Fuße eines Berges Rast machte, sah er auf eine großartige Szenerie von Pfirsichblüten, die in den Feldern voll erblüht waren. Und dann wurde ihm klar, dass diese Welt wirklich existiert. Wir können daher annehmen, dass die Wirklichkeit sich manchmal durch die externe Welt offenbart.
[220]
5. Ein Mönch fragte Zen-Meister Chosa (Kei)shin:
"Wie können wir die Berge, Flüsse und die Erde dazu bringen, dass sie zu uns gehören?"
Der Meister sagte:
"Wie können wir uns selbst dazu bringen, dass wir zu den Bergen, Flüssen und der Erde gehören?"
Grundprinzip:
Eines Tages fragte ein Mönch Meister Chosa Keishin wie es für den Mönch möglich sei, dass sich die Berge, Flüsse und die Erde mit ihm identifizieren. Aber Meister Chosa Keishin lehrte den Mönch, dass er selbst mit den Bergen, Flüssen und der Erde identifiziert werden solle.
Kommentar:
Meister Dogen fügte bei seinem Kommentar zu den Worten von Meister Chosa hinzu, dass wir niemals in einer Trennung von Subjekt und Objekt denken sollten und auch nicht, dass die Natur das Objekt von uns selbst (als Subjekt) sei. Die obigen Worte hatte Meister Chosa als Lehre und Antwort auf die Frage des Mönchs gegeben.

[221]
6. Eines Tages fragte Shisen, der ein Lehrer einer philosophischen Sekte war, den Meister: "Wie kommt es, dass die reine Essenz plötzlich die Berge, Flüsse und die Erde entstehen lässt?" Der Meister antwortete auf diese Frage: "Wie kommt es, dass die reine Essenz plötzlich die Berge, Flüsse und die Erde entstehen lässt?"
Grundprinzip:
Eines Tages befragte der Theorie-Lehrer Shisen den Meister Roya Ekaku nach der reinen Essenz. Shisen gehörte einer philosophischen Sekte an, die den Buddhismus nur auf der Grundlage theoretischer Philosophie verstand. Der Meister klärte den Lehrer jedoch darüber auf, dass die reine Essenz genau dasselbe wie die Berge, Flüsse und die Erde sind, sodass es für uns nicht sinnvoll ist, die reine Essenz und die Natur in zwei Teile zu trennen. (Dies lehrte er, indem er genau die selbe Formulierung der Frage von Shisen einfach wiederholte).
Kommentar:
Meister Dogen gibt uns den Rat, die Wirklichkeit nicht in die reine Essenz und die Natur zu unterteilen, weil wir genau in der goldenen Wirklichkeit leben, wenn unser vegetatives Nervensystem im gegenwärtigen Augenblick im Gleichgewicht ist. (Dann gibt es eine solche Trennung nicht).

[222]
7. Denkt daran: Wenn es die Form der Berge und die Stimme des Tales nicht gäbe, hätte (Buddha) beim Hochhalten der Blume gar nichts gelehrt und (Meister Eka), der das Mark (des Dharma) erlangte, wäre nicht an seinem Platz stehen geblieben. Weil die Stimme des Tales und die Form der Berge diese Tugend besitzen, verwirklichen die Erde und alle Lebewesen gleichzeitig die Wahrheit. Es gibt viele Buddhas, die erwachen, wenn sie den hellen Morgenstern erblicken.
Grundprinzip:
Wir sollten uns daran erinnern, dass sich das Wichtigste (im Buddha-Dharma) nicht ereignen könnte, wenn es keine Form der Berge und nicht die Stimme der Flusstäler und der Natur geben würde. Es gäbe z. B. nicht Gautama Buddhas Lehrrede, als er einen Blumenstrauß hochhielt und die Natur damit bezeichnete und nicht das Verhalten von Meister Taiso Eka (bei der Dharma-Übertragung), als er sich dreimal vor Meister Bodhidharma verbeugte und (ohne Worte) auf seinen vorherigen Platz zurückging. Wir sollten daher denken, dass wir niemals dasselbe wie Gautama Buddha erfahren könnten und auch nicht sofort die Wahrheit verwirklichen könnten, wenn es nicht die Grundlage der Natur gäbe. Es wäre auch völlig unmöglich, dass irgendjemand die Wahrheit verwirklichen könnte, wenn er nicht wie Gautama Buddha den hellen Stern erblicken würde.
Kommentar:
Kurz gesagt ist es völlig ausgeschlossen, dass sich irgendwelche religiösen Tatsachen überhaupt ereignen können, wenn es nicht die Natur (als Wirklichkeit) gibt.

8. Obgleich die Menschen ein Leben empfangen haben, haben sie kein Verlangen nach dem Dharma zu streben, allein um des Dharma willen. Wenn sie den wahren Dharma sehen, werden sie (leider) an dem echten Drachen zweifeln und wenn sie dem wahren Dharma begegnen, werden sie diesen ablehnen.
Grundprinzip:
Obgleich die Menschen ihr eigenes wertvolles menschliches Leben erhalten haben, haben sie oft nicht das Bestreben, das wahre Gesetz des Universums zu erlangen. Wenn sie daher dem Gesetz des Universums begegnet sind, haben sie Zweifel an der wirklichen Wahrheit. Auch wenn sie der Wahrheit selbst schon begegnet sind, sind sie manchmal wegen ihrer eigenen Ignoranz vor der Wahrheit geflohen.
Kommentar:
Obgleich wir als menschliche Wesen geboren wurden, haben wir manchmal überhaupt kein Bestreben, die große Wahrheit zu erlangen, sodass wir meist daran scheitern, bei der Wahrheit tatsächlich anzukommen. Ein anderes Mal verpassen wir zwangsläufig unsere große Chance, die Wahrheit tatsächlich zu erlangen, weil unser Verhalten schlecht ist, und wir kein wirkliches Leben als Mensch führen.

9. Wenn die Menschen aber einmal den Bodhi-Geist in sich erweckt haben, führen die Ursachen und Umstände ihres Lebens doch (automatisch) zu dem wahren Handeln und zu dem Bestreben nach der Wahrheit, auch wenn sie immer noch die sechs Zustände und die vier Arten der Geburten durchlaufen müssen. Diese werden insgesamt zu den Handlungen und Gelöbnissen des Bodhi-Zustandes.
Grundprinzip:
Auch nachdem wir den Willen zur Wahrheit erweckt haben, mag es häufig vorkommen, dass wir unrechte Handlungen nicht vermeiden können, und zwar die sechs Arten der Hölle, nämlich der hungrigen Geister, der Tiere, der zornigen Dämonen, der Menschen und der Götter oder die vier Arten der Geburt, nämlich aus dem Mutterleib, aus Eiern, aus der Feuchtigkeit und Metamorphose. Auch wenn es unmöglich ist, diese verschiedenen Ursachen und Umstände zu vermeiden, werden sich diese in den Lebenszyklen insgesamt in solche Handlungen und Gelöbnisse umwandeln, die zur Wahrheit führen.
Kommentar:
Auch wenn wir damit bereits begonnen haben, überaus sorgfältig nach der Wahrheit zu streben, ist es für uns vollständig unmöglich, ganz zu vermeiden, dass wir uns falsch oder schlecht verhalten. Meister Dogen gibt uns jedoch den freundlichen Trost, dass unsere Fehler, die wir begangen haben, sogar die Ursachen und Bedingungen dafür werden, dass wir in unserem Leben bei der Wahrheit ankommen. Dies gilt wie gesagt auch für die Fehler, die wir begangen haben, nachdem wir den Willen zur Wahrheit bereits erweckt haben.

10. Seit der Zeit des Tathagata bis zum heutigen Tag haben viele Menschen anscheinend geglaubt, dass es das Wesentlich für das Studium des Weges sei, nach Ruhm und Profit zu streben. Wenn solche Menschen jedoch der Lehre eines wahren Meisters begegnen, sich verändern und nach dem wahren Dharma streben, werden sie auf natürliche Weise die Wahrheit verwirklichen.
Grundprinzip:
Seit der Zeit, als Gautama Buddha in dieser Welt weilte und bis zum heutigen Tag, gab es sehr viele Menschen, die anscheinend dachten, dass es für sie beim Streben nach der Wahrheit die wichtigste Aufgabe sei, erfolgreich Ruhm und Profit zu erlangen. Wenn sie jedoch glücklicherweise einem wahren Meister begegnet sind, und sie nach dem wahren Dharma streben, indem sie ihre ursprünglichen Absichten ändern, mögen sie die Wahrheit in einem natürlichen Prozess erlangen.
Kommentar:
Es gibt sehr viele buddhistische Praktizierende, die ihr buddhistisches Studium begonnen haben, um weltlichen Ruhm und ökonomischen Profit zu erlangen. Wenn sie jedoch sogar in solchem Fall der wahren Lehre eines hervorragenden Meisters begegnen, und wenn sie nach dem großen Gesetz des Universums streben, können sie auf natürliche Weise die Wahrheit erlangen, indem sie ihre ursprünglichen niedrigen Absichten ändern.

11. Außerdem solltet ihr eure Entschlossenheit am Anfang eures freudigen Strebens nach der Wahrheit niemals vergessen. Dass heißt, wenn ihr am Anfang den Willen (zur Wahrheit) erweckt habt, sucht ihr nicht den Buddha-Dharma aus Angst vor den anderen. Ihr strebt dann nicht nach Ruhm und Profit, die ihr (schon) hinter euch gelassen habt und ihr wollt einzig die Wahrheit erlangen.
Grundprinzip:
Wir sollten niemals die Zeit vergessen, als wir uns entschieden hatten, zum ersten Mal aufrichtig nach der buddhistischen Wahrheit zu streben. Damals wollten wir überhaupt nicht nach der Wahrheit streben, um den Beifall anderer zu bekommen, sondern wir haben die ganze Gier nach Ruhm und Profit bereits vollständig weggeworfen. Unsere aufrichtige Hoffnung ist es, niemals (vordergründigen) Ruhm und Profit zu ergattern, sondern nur die große Wahrheit zu erlangen.
Kommentar:
Wenn wir uns an die Zeit erinnern, als wir Mönch oder Nonne wurden, so haben wir damals überhaupt nicht daran gedacht, irgendeine Art von Ruhm oder Vorteil für uns selbst zu erlangen. Wenn wir daher später in unserem buddhistischen Leben gierig wurden Ruhm und Profit zu ergattern, sollten wir uns wieder an jene Zeit erinnern, als wir einen so aufrichtigen und reinen Geist hatten, nach der Wahrheit zu streben. Dann ist es für uns möglich, unseren Geist zu erneuern, nur die Wahrheit anzustreben, und wir können zu dem freudigen Zustand zurückfinden, als wir unseren ursprünglichen Willen zur Wahrheit erweckt hatten.

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12. Ein alter Buddha sagte: "Habt keinen vertraulichen Umgang mit Königen, Prinzen, Ministern, Herrschern, Brahmanen und weltlichen (wichtigen) Menschen. Wenn ihr den Buddhaweg erlernen wollt, dürft ihr diese wahre Form des Verhaltens nicht vergessen. (Nachdem) die Bodhisattvas begonnen haben (den Buddha-Weg) zu erlernen, wird sich ihre Tugend im Einklang mit ihrem Fortschritt vermehren."
Grundprinzip:
Gautama Buddha, der Buddha der Vergangenheit, sagte
"Habt nicht einen zu engen Kontakt zu Königen, Prinzen, Ministern, hohen Offizieren, Brahmanen oder (bedeutenden) Laien."
Ein solches Verhalten sollte niemand vergessen, der ehrlich nach der buddhistischen Wahrheit strebt. Die Tugend der Bodhisattvas wird sich auch vermehren, wenn sie noch am Anfang ihres Weges sind, und diese Idee nicht vergessen. Die Tugend wird sich dann stärker als eigentlich möglich weiter vermehren, wenn sie der Lehre weiter folgen.
Kommentar:
Gautama Buddha lehrte uns, dass wir als buddhistische Mönche niemals zu sehr mit Königen, Prinzen, Ministern, hohen Offizieren, Brahmanen oder bedeutenden Laien vertraut sein sollten. Meister Dogen äußert ganz klar, dass diese Lehre für buddhistische Praktizierende am Anfang außerordentlich wichtig ist. Wenn sie dieser Lehre des Gautama Buddha aufrichtig folgen, wird der Fortschritt ihres buddhistischen Weges und Studiums viel schneller vor sich gehen als sonst üblich.

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13. Ferner gab es schon seit alten Zeiten den Gott Indra, der erschien, um die Entschlossenheit der Übenden auf die Probe zu stellen. Es gab aber auch die Todes-Dämonen, die umgekehrt ihre Praxis verhindern wollten. Dies geschah immer dann, wenn die Übenden sich nicht von dem Willen nach Ruhm und Gewinn befreit hatten. Wenn das große Mitgefühl und das große Erbarmen tief sind, und eure Gelübde, alle Lebewesen zu erlösen, gereift sind, treten solche Hindernisse nicht auf.
Grundprinzip:
Weiterhin prüfte der Gott Indra verschiedentlich die Entschlossenheit der Übenden, aber die Dämonen versuchten im Gegensatz dazu, die Praxis zu verhindern. Dieses ereignete sich immer dann, wenn die Übenden den Willen nach Ruhm und Profit noch nicht aufgegeben hatten. Wenn aber der Geist der Übenden weder an Ruhm noch an Gewinn haftet, gibt es solche Hindernisse überhaupt nicht, weil der Geist des großen Erbarmens und großen Mitgefühls von Gautama Buddha so fest und tief gegründet ist.
Kommentar:
Als ich in jungen Jahren der Lehre von Meister Dogen begegnete, war ich überaus beeindruckt von ihrer Großartigkeit. Aber es gab ein einziges Problem bei seiner Lehre für mich, dass er es nämlich streng ablehnt, dass wir Ruhm und Gewinn erlangen wollen. Als ich damals seine Einstellung studierte, war ich sehr beunruhigt, weil ich sehr ehrgeizig war, für mich Ruhm und Gewinn zu erlangen. Daher war es für mich recht schwierig zu verstehen, warum Meister Dogen uns so sehr mahnt, das Streben nach Ruhm und Gewinn aufzugeben. Später habe ich jedoch immer klarer erkannt, dass das Erreichen einer hohen sozialen Position oder das Ansammeln von Reichtum nur dann nützlich ist, wenn man diese als Hilfsmittel für etwas anderes Wichtigeres in seinem menschlichen Leben benutzt. Aber es muss ausgeschlossen werden, dass Ruhm und Reichtum selbst das Ziel des Lebens sind. Es mag daher durchaus für uns wichtig sein, eine soziale Position oder Geld als Hilfsmittel für etwas anderes zu erwerben. Wenn wir aber in unserem Leben nach Ruhm oder Gewinn als eigenständiges Ziel und als Selbstzweck streben, werden wir am Ende unseres Lebens zwangsläufig sehr deprimiert und enttäuscht sein. Auch wenn wir das Ziel von Ruhm und Gewinn erreicht haben, ist es sehr traurig, dass wir niemals das größere Ziel der Wahrheit in unserem Leben erreicht haben.

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14. Im Allgemeinen kann das idealistische und romantische Denken eines Anfängers die Buddha-Wahrheit nicht erfassen. Er stellt zwar Vermutungen über sie an, die aber ihr Ziel verfehlen. Selbst wenn ihr die Wahrheit zu Beginn nicht ergründen könnt, dürft ihr deshalb das vollkommene Erwachen nicht in Frage stellen.
Grundprinzip:
All