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Meister Nishijima praktiziert Buddhismus seit über 60 Jahren. Er war Schüler von Meister Kodo Sawaki, einem japanischen umherziehenden Priester, der berühmt dafür war unermüdlich zu betonen, dass die Praxis des Zazen ihren richtigen zentralen Platz im Buddhismus erhält und der selbst intensiv praktizierte. Meister Nishijima wurde von Meister Renpo Niwa als Priester ordiniert, der später als Abt den Zentraltempel des Soto-Buddhismus leitete. Nishijima Roshi hat viele Bücher über Buddhismus u.a. von Dogen sowohl in Japanisch als auch in Englisch geschrieben. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hat er in Japanisch und Englisch viele Vorträge gehalten, Seminare und Sesshins geleitet sowie genaue Anweisungen zum Buddhismus und vor allem zum Zazen gegeben. Deutsche Fassung: Yudo J. Seggelke

Sonntag, 23. September 2007

Wichtige Grundprinzipien des Shobogenzo (1): Ein Gespräch über die Praxis des Zazen (Bendowa)

Die Grundprinzipien des jeweiligen Kapitels des Shobogenzo werden zunächst im Wortlaut zitiert, dann auf einen Kernsatz gebracht und anschließend kommentiert.
Die Nummern in eckigen Klammern bedeuten die Seitennummer meiner japanischen Fassung des Shobogenzo. Diese sind auch in der englischen Ausgabe des Shobogenzo enthalten und können bei Rückfragen verwendet werden.
Die Grundprinzipien des jeweiligen Kapitels des Shobogenzo werden zunächst im Wortlaut zitiert, dann auf einen Kernsatz gebracht und anschließend kommentiert.
Die Nummern in eckigen Klammern bedeuten die Seitennummer meiner japanischen Fassung des Shobogenzo. Diese sind auch in der englischen Ausgabe des Shobogenzo enthalten und können bei Rückfragen verwendet werden.

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1.) Wenn die Buddha Tathagatas die hervorragende Eins zu Eins-Übertragung (Transmission) des wunderbaren Dharma erhalten haben, erfahren sie das höchste bodhi. Sie besitzen die tiefgründige Methode, welche die Höchste ist und keine (vordergründige) Absicht enthält. Der Grund, warum diese (Methode) ohne jede Abweichung nur von Buddha zu Buddha übertragen wird, liegt darin, dass der Samadhi sein (großer) Maßstab ist, um das Selbst zu empfangen und zu benutzen.

Grundprinzip: Der Samadhi, das Selbst zu empfangen und zu benutzen.

Das Samadhi ist ein Sanskritwort, das den Zustand des Gleichgewichts bedeutet. Glücklicherweise haben wir Menschen im Zwanzigsten Jahrhundert die wahre Bedeutung dieses Samadhi gefunden. Das Samadhi bedeutet den Gleichgewichtszustand des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das in zwei Teilsysteme gegliedert ist, nämlich das parasympathische und das sympathische Nervensystem. Das parasympathische Nervensystem ist mit der menschlichen Sinneswahrnehmung verbunden und wird daher so beschrieben, dass es „das Selbst empfängt“. Das sympathische Nervensystem hängt mit dem menschlichen Denken zusammen und wird daher so ausgedrückt, dass es „das Selbst benutzt“.
Wir können daher annehmen, dass das Samadhi der Zustand des Gleichgewichts zwischen dem parasympathischen und sympathischen Nervensystem ist. Dies ist der grundlegende (wahre) Zustand des menschlichen Körpers und Geistes. Meister Dogen beschreibt diesen Zustand als tiefgründige Methode, welche das Höchste ist ohne (vordergründige) Absicht.
Gautama Buddha hat also gefunden, dass das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems die grundlegende Basis des menschlichen Körpers und Geistes ist, und er empfiehlt uns daher, Zazen als die fundierte Basis der menschlichen Kultur zu praktizieren.

2.) Für die Freude an diesem Samadhi wurde die Praxis des( Za)zen in der aufrechten Sitzhaltung als authentisches Tor (zum Buddha-Dharma) entwickelt.
Grundprinzip: Die Praxis des Zazen
Um Freude an diesem (großartigen) Gleichgewichtszustand zu haben, wurde die Praxis des Zazen als die grundlegende Übung des Buddhismus sei über 2.500 Jahre erhalten und gepflegt.

3.) Dieser Dharma ist in jedem Menschen in Überfluss gegenwärtig, aber wenn wir ihn nicht praktizieren, offenbart er sich nicht, und wenn wir ihn nicht erfahren, kann er nicht verwirklicht werden.

Grundprinzip: Die Praxis des Zazen ist Handeln.

Die Praxis des Zazen kann weder Denken noch Sinneswahrnehmung sein, denn Zazen ist genau das Handeln selbst. Ich denke, es ist in der westlichen Kultur sehr selten, dass eine Philosophie des Handelns besteht, aber im Falle des Buddhismus ist dessen Hauptbereich genau eine solche Lebensphilosophie des Handelns. Wenn wir daher Buddhismus studieren wollen, müssen wir ihn auf der Grundlage dieser Philosophie des Handelns verstehen lernen.
In der westlichen Gesellschaft gibt es eine Übungs-Praxis, die Meditation genannt wird, und viele Menschen verstehen auch Zazen als eine Art von Meditation. Aber eine solche Interpretation erscheint ein grundsätzlich falscher Ansatz zu sein. Wenn unter Meditation eine bestimmte Art von konzentriertem Denken verstanden wird, dann unterscheidet sich dies vollständig von der Zazen-Praxis.
Zazen ist nämlich genau unsere Anstrengung, nicht zu denken und nicht zu fühlen. Ich nehme an, dass diese Idee in der westlichen Kultur sehr seltsam erscheinen mag, aber Meister Dogen beschreibt im Shobogenzo, z. B. im Kap. 27, „Die Bambusnadel des Zazen“, Zazenshin, diese Lehre außerordentlich genau.
Im Zazen konzentrieren wir unsere Anstrengung darauf, genau eine kontrollierte Sitzhaltung einzunehmen und so zu handeln und zu sitzen. Diese Lebensphilosophie ist ganz genau die wesentliche Grundlage des Buddhismus und überaus viele Buddhisten praktizieren ganz sorgfältig Zazen.

4.) Die Anstrengung bei der Suche nach der Wahrheit, die ich jetzt lehre, lässt die unzählbaren Dharma in der Erfahrung wirklich werden und umfasst die Einheit der Wirklichkeit auf dem Weg der Befreiung.

Grundprinzip: Realisierung der Wirklichkeit.

Das Ziel des buddhistischen Studiums ist es, genau zu erkennen, dass das ganze Universum nur die Wirklichkeit ist, also mit anderen Worten zu begreifen, dass wir genau in der Wirklichkeit leben. Die Lehre Gautama Buddhas besagt, dass wir als Menschen ganz genau in der wirklichen Welt oder in der Wirklichkeit selbst leben. Im Allgemeinen wurde uns Menschen gelehrt, dass wir in der Welt der Ideen (Idealismus) oder in der Welt der Materie (Materialismus) leben und dies seit vielen Tausenden von Jahren.
Unglücklicherweise haben wir Menschen seit dieser langen Zeit nur den Idealismus und Materialismus geschätzt und daher denken fast alle Menschen, dass der Realismus (des Buddhismus) weniger wert ist, und wir sind beim Glauben an den Realismus und die Wirklichkeit mindestens seit Tausenden von Jahren verwirrt worden.
Wir Menschen sind jedoch heute im Begriff, nunmehr endlich dem Zeitalter des Realismus zu begegnen. Wir sollten daher mit ganzem Herzen eine tiefe Dankbarkeit gegenüber Gautama Buddha, Meister Nagarjuna, Meister Bodhidharma und Meister Dogen usw. haben und sorgsam darauf achten, dass Realismus niemals Materialismus bedeuten kann, weil sich beide grundsätzlich unterscheiden.

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5.) Schließlich besuchte ich Zenmeister Nyojo auf dem Berg Dai-byaku-ho und dort war ich in der Lage, die große Aufgabe für die Lebenszeit-Praxis zu vollenden.

Grundprinzip: Begegnung mit einem wahren Meister.

Als Meister Dogen 23 Jahre alt war, konnte er keinen verlässlichen buddhistischen Meister in Japan finden und daher musste er nach China reisen, um den wahren Buddhismus zu studieren und zu erlernen. In jener Zeit war es sehr gefährlich, mit den aus Holz gebauten Schiffen das östliche chinesische Meer zu befahren. Aber es gab für Meister Dogen keinen anderen Weg, als nach China zu gehen, um dort den (wahren) Buddhismus zu studieren. Als er dann in China angekommen war, war er in den ersten beiden Jahren bei seiner Suche überhaupt nicht zufrieden und konnte dies auch nicht sein, obgleich er viele buddhistische Tempel besuchte, die fast alle zur Rinzai-Linie gehörten. Am 1. Mai 1225 ergab sich jedoch die einzigartige Möglichkeit, dem großen Meister Tendo Nyojo im Tempel Tendo-zan Keitoku-ji zu begegnen. Dann studierte er den (wahren) Buddhismus unter dem Meister Tendo Nyojo und er erlangte die vollständige buddhistische Lehre direkt von seinem Meister.
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6.) Nachdem der Vorfahre und Meister aus dem Westen kam, zerschnitt er direkt die Wurzel der Verwirrung und verbreitete den unverfälschten Buddha-Dharma.

Grundprinzip: Der Wert von Meister Bodhidharmas Anstrengung.

In dem obigen Satz ist mit "der Vorfahre und Meister" Meister Bodhidharma gemeint, der zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum ersten Mal die Praxis des Zazen nach China brachte. Vor dieser Zeit war die Praxis des Zazen dort noch nicht eingeführt, obgleich schon viele buddhistische Sutra seit dem ersten Jahrhundert (von Indien) nach China gebracht (und übersetzt) worden waren. In diesem Zusammenhang gilt, dass die Praxis des Zazen niemals eine Unterweisung mit Worten ist, sondern es ist genau die tatsächliche Praxis. Daher war den Chinesen die wirkliche Praxis des Zazen zwischen dem ersten und sechsten Jahrhundert überhaupt nicht bekannt. In einer solchen Situation waren die verschiedenen Arten buddhistischer Studien dort nur auf der Grundlage von Theorien ohne die Praxis des Zazen aufgebaut und es gab in der Tat sehr vielfältige buddhistische intellektuelle Lehren. Diese vielfältigen buddhistischen Theorien haben die Menschen zu jener Zeit außerordentlich verwirrt und es war für sie damals unmöglich, dem wirklichen Buddhismus zu begegnen. Daher hatte Meister Bodhidharmas Reise nach China für den dortigen Buddhismus einen außerordentlich großen Wert und eine hohe Bedeutung, und später wurde dies ein außerordentlich wertvoller Beitrag für die Weltkultur.

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7. Wenn ein Mensch auch nur für einen einzigen Augenblick Buddhas Haltung in den drei Formen des Verhaltens offenbart, und er ganz aufrecht im Samadhi sitzt, nimmt die ganze Welt des Dharma Buddhas Haltung an und der ganze Raum wird zum Zustand der Verwirklichung.

Grundprinzip: Ein menschliches Verhalten kann das Universum sofort verändern.

In der idealistischen Philosophie sind Subjekt und Objekt getrennt und auch in der materialistischen Philosophie gibt es diese Trennung von Subjekt und Objekt. In beiden Philosophien sind also Subjekt und Objekt normalerweise voneinander unabhängig. Zur Erläuterung: "die drei Formen des Verhaltens“ bedeuten in der traditionellen buddhistischen Lehre: Körper, Mund (Reden) und Geist.
Aber im Falle der Philosophie des Handelns kann das Subjekt und das Objekt niemals getrennt werden und Meister Dogen sagt daher:
"Wenn ein Mensch auch nur einen einzigen Augenblick die Haltung Buddhas in den drei Formen des Verhaltens offenbart, nimmt die ganze Welt der Dharma Buddhas Haltung an und der ganze Raum wird zum Zustand der Verwirklichung, während (jener Mensch) ganz aufrecht im Samadhi sitzt".
Wenn wir den Buddhismus verstehen wollen, ist es für uns sehr wichtig, dass wir diese Großartigkeit (und Besonderheit) des Buddhismus erkennen. Wenn wir also die beiden intellektuellen Philosophien des Idealismus und Materialismus über Bord werfen wollen, ist es für uns unvermeidlich, das anzunehmen, was Meister Dogen hier (zum Zazen) unmissverständlich äußert.

8. Der Zustand wird nicht durch die Sichtweise dieser individuellen Menschen verdunkelt, sondern ist direkte Erfahrung, weil der Zustand der Ruhe nämlich ohne absichtliche Aktivität ist.

Grundprinzip: Der absolute Unterschied zwischen Handeln und Denken bzw. Wahrnehmung.

Der obige Teil des Satzes bedeutet: Der Grund, warum der Zustand nicht durch die Sichtweise der Überlegung und Wahrnehmung getrübt werden sollte, kommt daher, dass der Zustand des Zazen keine absichtsvolle Aktivität in der Ruhe, sondern dies genau die unmittelbare Erfahrung ist.
Daher sollten wir denken, dass der Zustand des Zazen niemals Denken bzw. Überlegung oder Wahrnehmung sein kann, sondern es ist genau die richtige Haltung in der Ruhe ohne absichtsvolle Aktivität, und daher ist es genau die unmittelbare Erfahrung.

9. Der richtige Zustand der wirklichen (und wahren) Erfahrung erlaubt es nicht, dass auch nur ein einziger Augenblick verschwendet wird, wenn er (tatsächlich) lebendig geworden ist. Zazen führt zu einem wunderbaren und mystischen Zusammenwirken mit allen Dharma (der Welt). Auch wenn ein Mensch nur einen einzigen Augenblick (im Zazen) sitzt, durchstößt dies alle Zeiten und vollzieht damit im grenzenlosen Universum die ewige Arbeit der Buddhas und deren prägenden Einfluss in der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für alle Menschen sind diese Praxis und Erfahrung vollständig gleich.

Grundprinzip: Die Einheit des praktizierenden Menschen mit dem Universum.

Wenn wir Zazen praktizieren, kommen wir in einen Zustand, der eine vollständige Einheit mit dem Universum ist. Die Praxis auch nur eines einzigen Menschen bildet mit dem Gesetz des Universums dann in jedem Augenblick eine großartige Einheit, und in einer solchen Situation können alle Menschen in der ganzen Welt, die im selben Augenblick Zazen praktizieren, diese Einheit gemeinsam und in der vollständig gleichen Art und Weise erfahren.

10. Die Praxis ist nicht durch das Sitzen selbst begrenzt, sondern sie schlägt im (großen) Raum an und klingt wie das Anschlagen der Glocken, das sich vor und nach dem Glockenschlag fortsetzt.

Grundprinzip: Dauernder Einflusses des Zazen.

Der Einfluss der Zazen-Praxis ist niemals auf die Zeit begrenzt, in der man tatsächlich Zazen praktiziert, sondern dauert wie der Klang einer Glocke vor und nach der Zazen-Praxis an, und dies ist ganz ähnlich wie beim Anschlagen einer Glocke.
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11. Der große Meister Shakyamuni übermittelte diese tiefgründige Methode ganz genau als authentische Tradition, nämlich diese (einzigartige) Methode, um den Zustand der Wahrheit zu erlangen. Die Tathagatas der drei Zeiten erlangten alle durch Zazen die Wahrheit. So wurde die Tatsache übertragen und empfangen, dass (Zazen) das authentische Tor (zum Erwachen) ist.

Grundprinzip: Die verlässliche Prüfung ergibt sich einfach aus der geschichtlichen Tatsache der Überlieferung.

Ohne dass es zunächst eine Antwort gab, wurde dauernd gefragt: "Warum siehst du die (Zazen-Praxis) als das einzige authentische Tor an"? Meister Dogen möchte jedoch den Grund dafür nicht theoretisch aufzeigen. Daher weist er einfach auf die geschichtlichen Tatsachen in der Vergangenheit hin. Als Realist möchte Meister Dogen die Eindeutigkeit also nicht theoretisch beweisen, sondern belegt sie einfach durch die historische Tatsache auf unserer Erde.

12. (Jemand fragt:) „Das Lesen der Sutra und Rezitieren der Namen der Buddhas mag dem gegenüber auf natürliche Weise die Ursachen und Bedingungen der Erleuchtung ergeben. Aber wenn man nur untätig herumsitzt und nichts tut: Wie kann das ein (wirksames) Mittel dafür sein, Erleuchtung zu erlangen"?
Ich sage: "Wenn du jetzt denkst, dass der Samadhi der Buddhas als höchster und größter Dharma nur untätiges Sitzen sei, ohne dass man dabei irgendetwas tut, bist du ein Mensch, der das große Fahrzeug beleidigt. (Eine solcher) Irrtum ist so grundlegend, dass es dem gleichkommt, sich im Ozean aufzuhalten und zu sagen, dass es kein Wasser gibt. (Im Zazen) sind wir schon ausgeglichen, dankbar und geordnet im Samadhi der Buddhas. Wir empfangen und nutzen so unser Selbst. Ist dies nicht das Erreichen der weiten und großen Tugend?
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Grundprinzip: Denken und Wahrnehmung sind nicht so wichtig wie Handeln (im Zazen).

Wir schätzen im Allgemeinen unsere mentalen Gedanken und Sinneswahrnehmungen viel höher ein als das Handeln, weil wir Menschen dies seit vielen Tausenden von Jahren gewohnt sind und so erzogen wurden, nicht zuletzt wegen der hervorragenden intellektuellen Kultur im Zeitalter des alten Griechenlands.
Aber ein Realist wie Meister Dogen kann und will nicht auf dem Zeitalter des antiken Griechenlands aufbauen, obgleich es bekanntlich den großartigen Idealismus und Materialismus hervorgebracht hat. Für ihn ist es daher eine einfache Tatsache, genau im Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems zu sitzen und dies ist in der Tat sehr viel verlässlicher, als viele Sutra zu lesen oder die Namen Buddhas zu rezitieren.

13. Als allgemeine Regel sollten wir dann üben und die Praxis erlernen, wenn das richtige Vertrauen in unserem Geist gewachsen ist; sonst sollten wir uns für eine Weile ausruhen. Wenn du möchtest, kannst du die Tatsache natürlich bedauern, dass der Dharma seit alten Zeiten trocken (und nüchtern) war, aber so ist es.


Grundprinzip: Ohne dem Zazen zu vertrauen, sollten wir niemals Zazen praktizieren.

Meister Dogen hat ein überaus starkes und klares Vertrauen in Zazen oder den Buddhismus, daher rät er jedem dringend davon ab, Zazen zu praktizieren, ohne wirklich fest daran zu glauben. Außerdem sollten wir auch grundsätzlich niemals Zazen praktizieren, um Ruhm oder Profit zu erlangen.
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14. Denkt daran, dass wir als Buddhisten nicht die Überlegenheit oder Unterlegenheit bestimmter Philosophien diskutieren sollten und nicht zwischen Oberflächlichkeit und Tiefe im Dharma auswählen sollten. Wir müssen nur wissen, ob die Praxis echt oder unecht ist.

Grundprinzip: Es ist von größter Bedeutung, ob die Art der Praxis authentisch ist oder nicht.

Im Buddhismus ist es nicht sinnvoll oder erforderlich, theoretisch nur nach einer einzigen philosophischen Sichtweise vorzugehen. Es ist das wichtigste Problem im Buddhismus, ob wir an den (zu engen) Idealismus glauben oder nicht, und ob wir an den (ebenfalls zu engen) Materialismus glauben oder nicht. Wenn wir an den Idealismus glauben, können wir kurz gesagt niemals Buddhist sein, und wenn wir an den Materialismus glauben, können wir genau so wenig Buddhist sein. Diese wichtige Erkenntnis ist heutzutage nicht einmal in unseren eigenen buddhistischen Gruppen und Linien immer ganz klar im Bewusstsein. Aber im „Gesang des Mittleren Weges“ (MMK) besteht Meister Nagarjuna im ersten Vers des ersten Kapitels z. B. auf diesem Punkt mit großem Nachdruck. Er sagt ganz klar, dass die subjektive Philosophie, also der Idealismus, niemals Buddhismus sein kann, und gleichzeitig besteht er in aller Deutlichkeit darauf, dass auch die objektive Philosophie, also der Materialismus, niemals Buddhismus sein kann.
Dies bedeutet, dass der zentrale Punkt des Buddhismus im vollen Vertrauen auf Meister Nagarjunas buddhistisches Denken die Lebensphilosophie des Handelns ist. Dies ist überaus wichtig. Wir können die Lebensphilosophie des Handelns grundsätzlich nur entwickeln, wenn wir sowohl den Idealismus als auch den Materialismus ablehnen. Ohne den Idealismus und auch den Materialismus zu verneinen, kann also die tiefgründige buddhistische Lebens-Philosophie des Handelns niemals aufgebaut werden. Wenn es für uns also unmöglich ist, die Lebensphilosophie des Handelns zu verwirklichen, können wir auch niemals die buddhistische Philosophie ergründen.

15.Wenn wir genau im Zazen sitzen und jetzt vollständig die authentische Haltung des Buddha einnehmen und so die Tausende von Dingen loslassen, dann können wir die vorgestellten Bereiche von Illusion und Verwirklichung sowie von Gefühlen und Denken überschreiten. Wir werden dann auch nicht von den (Fragen und) Wegen des Gewöhnlichen und des Heiligen beunruhigt. Wir halten uns sofort außerhalb der (engen intellektuellen) Grenzen auf und empfangen und nutzen den großartigen Zustand des Bodhi.

Grundprinzip: Die wirkliche Situation in Zazen.

Zazen ist genau das Handeln und daher nehmen wir dafür dieselbe Haltung wie Gautama Buddha ein. Dies ist nicht Denken oder Wahrnehmung. Es ist vielmehr genau unser Handeln des Zazen selbst, und dabei vergessen wir alles andere. Dann können wir die Unterscheidung von Illusion und Erleuchtung überschreiten und machen keine Trennung mehr zwischen dem Gewöhnlichen und dem Heiligen. Wir können anfangen, uns in vollständiger Freiheit zu bewegen und wir empfangen und benutzen die Große Wahrheit.

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16. (Jemand fragt:) "Bei den drei (buddhistischen) Arten der Übung gibt es die eine Übungspraxis des ausgeglichenen Zustandes und bei den sechs Paramita gibt es die eine der Dhyana-Paramita. Alle Bodhisattvas erlernen beide von Anfang an und diese Bodhisattvas praktizieren sie unabhängig davon, ob sie selbst klug oder töricht sind. Das Zazen (, das du ansprichst) ist nun sicher (aber nur) eines von diesen. Warum sagst du, dass der richtige Dharma des Tathagata sich nur auf diese (Praxis) konzentriert ?“

Ich sage: "Die Frage zum (wirklichen) Schatz des wahren Dharma-Auges, welcher die höchste und großartige Methode des großen Anliegens des Tathagata ist, hat sich nur entwickelt, weil dies "Zen" genannt wurde. Denkt daran, dass die Bezeichnung "Zen" allein im Osten in China entstanden ist, sie wurde in Indien nicht gehört. Als der große Meister Bodhidharma zuerst im Shaolin-Tempel in den Sung-shan-Bergen weilte und neun Jahre vor der Wand saß, hatten die Mönche und Laien noch keine Kenntnis von dem wahren Dharma des Buddha. Sie nannten (Meister Bodhidharma) einen Brahmanen, der die Religion des Zazen ausübte. Danach haben sich alle Vorfahren des Dharma in den aufeinander folgenden Generationen fortwährend dem Zazen gewidmet. Törichte weltliche Menschen, die dies sahen und die Wirklichkeit nicht kannten, sprachen willkürlich von einer Zazen-Religion. Heute reden sie nur von Zen und lassen das Wort "Za" weg.

Grundprinzip: Zen ist nur eine Abkürzung von Zazen.

Das Wort „Zen“ ist nur eine Abkürzung von Zazen, aber in der neuen Zeit benutzen sehr viele Buddhisten dieses Wort, als ob es ein unabhängiges buddhistisches Konzept sei, das Zen genannt wird und als ob es wirklich eigenständig existierte. Sie diskutieren die Fragen des Zen sehr intensiv, als ob es solche Probleme wirklich gäbe. Aber weil das Wort „Zen“ nur eine Abkürzung von Zazen ist, können wir Zen überhaupt nicht unabhängig von Zazen untersuchen.

17. Denkt vor allem daran, dass diese (Weitergabe des Zazen bis an uns) die ganze Wahrheit des Buddha-Dharma ist; nichts kann damit verglichen werden.

Grundprinzip: Wir sollten niemals über Zen im Unklaren sein, und es auf keinen Fall mit Zazen verwechseln.

Zen ist (im Gegensatz zu Zazen) eine Art fantasievoller Begriff und ein vorgestelltes Konzept, das niemals als Wirklichkeit auf der Erde existierte. Wir sollten daher sehr vorsichtig dabei sein, wenn wir uns über Zen tiefsinnige Gedanken machen.

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18. (Jemand fragt: "Warum empfehlen Buddhisten bei den Gesprächen über das Eingehen in den Zustand der (großen) Erfahrung durch das Sitzen nur den ausgeglichenen Zustand von Dhyana zu praktizieren, das (aber lediglich) eine der vier Arten des Verhaltens ist"?

Ich sage: "Es ist schwer, alle Wege zu genau zu untersuchen, welche die Buddhas nacheinander seit den alten Zeiten praktiziert haben, um in den Zustand der wirklichen Erfahrung einzutreten. Wenn wir einen Grund finden wollen, sollten wir uns daran erinnern, dass das was Buddhisten praktizieren, den Grund in sich selbst hat (also kein getrenntes Ziel). Wir sollten nicht irgendwie Auschau nach (einem anderen Grund) abseits von diesem halten. Ein alter Meister hat (das Sitzen) gepriesen, indem er sagte: ´Im Zazen zu sitzen ist das Tor des Friedens und der Freude zum Dharma´. So mag der Grund dafür wohl letztlich der sein, dass von den vier Formen des Verhaltens (das Sitzen am) friedlichsten ist und am meisten Freude gibt.

Grundprinzip: Die Wahl der Form des Sitzens mag daher kommen, dass Sitzen friedlich und freudevoll ist.

Im Buddhismus haben wir die Vorstellung, dass es vier Arten des menschlichen Handelns gibt, und zwar: Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen. Meister Dogen sagte, dass es für ihn nicht möglich sei, den eindeutigen Grund dafür zu finden, warum Gautama Buddha die Form des Sitzens für die Praxis gewählt hat. Er vermutet wohl den wesentlichen Grund für die Form des Sitzens bei Gautama Buddha darin, dass Sitzen recht friedlich und freudevoll ist. Meister Dogen empfiehlt uns, dass wir nicht weiter nach einem anderen Grund suchen sollten.
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19. Der Gedanke, dass Praxis und Erfahrung nicht eine Einheit sind, ist nur die Vorstellung von Nicht-Buddhisten. Im Buddha-Dharma sind Praxis und Erfahrung vollständig dasselbe. Die (richtige Praxis) ist daher jetzt auch die Praxis im Zustand der Erfahrung. Das Streben eines Anfängers nach der Wahrheit ist genau der (wahre) ganze Körper des ursprünglichen Zustandes der Erfahrung. Dies ist der Grund, warum (die buddhistischen Vorfahren im Dharma) lehren, nicht eine gesonderte Erfahrung außerhalb der Praxis zu erwarten. Sie lehren uns dies mit der (klaren) praktischen Sorgfalt, die sie an uns weitergegeben haben. Der Grund dafür mag sein, dass (die Praxis selbst) einen direkten Zugang zum ursprünglichen Zustand der Erfahrung gibt. Weil die Praxis ganz genau Erfahrung ist (nicht mehr und nicht weniger) , hat die Erfahrung kein Ende, und weil die Erfahrung auch Praxis ist, hat die Praxis keinen Anfang. Auf diese Weise wurden sowohl der Tathagata Shakyamuni als auch der ehrwürdige Vorfahre im Dharma Mahakashyapa durch die Praxis empfangen und sie haben diese benutzt, und sie existiert (wirklich) im Zustand der Erfahrung.

Grundprinzip: Die Erfahrung und die Praxis (des Zazen) sind eine untrennbare Einheit und können niemals unterschieden werden.

In der intellektuellen Philosophie denken die Menschen normalerweise, dass das Konzept der Praxis und der Erfahrung von einander getrennt sind. Aber in der (buddhistischen) Lebensphilosophie des Handelns ist es für uns unmöglich, das Handeln in zwei getrennte Bereiche aufzuspalten, nämlich in die Praxis einerseits und die Erfahrung sowie das Erleben andererseits. Handeln kann und muss immer als unteilbare Einheit existieren, ohne jede Trennung.
Die Konzepte von Praxis und Erfahrung können nur beim Denken getrennt werden, aber beim wirklichen Handeln ist das unmöglich, denn das Handeln vollzieht sich immer genau als unteilbare Einheit.
Daher sollten wir im Buddhismus niemals die vollkommene Einheit von Handeln bei der Praxis und Erfahrung vergessen. Auch jetzt ist es genau die Praxis, die vollkommen mit der Erfahrung verschmolzen ist und dann ist es sogar für einen Anfänger unmöglich, (bei der Praxis) nicht in der ganzen Erleuchtung selbst zu sein. Praxis ist immer genau Erleuchtung und daher kann die Erleuchtung niemals ein Ende haben, und Praxis ist genau Erleuchtung, und daher hat die Praxis der Erleuchtung überhaupt keinen Anfang.
Zusammengefasst gilt, dass wir niemals überhaupt die Erleuchtung verlieren können, wenn wir jeden Tag die Praxis des Zazen fortsetzen.

20. Denkt daran, dass wir auch in diesem Zustand praktizieren sollten, wenn wir die Erleuchtung erlangt haben.

Grundprinzip: Unser Zazen existiert immer in der Erleuchtung.

Wir sollten daher denken, dass wir immer genau erleuchtet sind, wenn wir im Zazen sitzen.

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21. (Jemand sagt:) „Wir sollten uns daher beeilen, den Grundsatz zu verstehen, dass das Geistige ewig ist. Auch wenn wir unser ganzes Leben mit unnötigem Sitzen verbringen:
Was können wir erwarten, dabei zu erlangen? Die Lehre, die ich wie diese beschrieben habe, ist wahrhaftig im Einklang mit der Wahrheit der Buddhas und der Vorfahren im Dharma. Ist sie das nicht?“


Ich antworte: „Die Sichtweise, die jetzt ausgedrückt wird, ist nie und nimmer Buddhas Dharma, es ist die Sichtweise des Nicht-Buddhisten (und Brahmanen) Senika.

Grundprinzip: Die Erleuchtung kann niemals intellektuelles Verstehen sein.

In der intellektuellen Philosophie denken die Menschen normalerweise, dass die Erleuchtung im Buddhismus auf jeden Fall eine Art von intellektuellem Verstehen ist. Dieser Gedanke ist vollständig falsch. Der Buddhismus kann niemals zu irgendeiner Art von intellektueller Philosophie gehören, und daher kann die buddhistische Erleuchtung niemals Teil von intellektuellem Verstehen sein, sondern ist genau ein physischer und mentaler Zustand von Körper-und-Geist.
Wenn wir daher denken, dass buddhistische Erleuchtung nur eine Art von intellektuellem Verstehen ist, muss ein solcher Gedanke im Buddhismus als vollständig falsch abgelehnt werden. Daher besteht Meister Dogen darauf, dass ein Mensch mit einem solchen falschen Verständnis (des Buddha-Dharma) einer Gruppe von Denkern zuzurechnen ist, zu der der Nicht-Buddhist mit dem Namen Senika zu Lebzeiten des Gautama Buddha gehörte.

22. Sind wir dann nicht töricht, wenn wir die gegenwärtige falsche Sicht, dass der Geist ewig ist und die Form vergeht, mit dem großartigen Dharma der Buddhas gleichsetzen? Sind wir nicht auch dumm, wenn wir denken, dass wir dem Leben und Tod dadurch entronnen sind, dass wir den Ursprung von Leben und Tod intellektuell (begründen und) entwickeln? Das wäre am meisten zu bedauern. Da wir wissen, dass dieser (Standpunkt) genau die falsche Sichtweise der Nicht-Buddhisten ist, sollten wir dem überhaupt nicht unsere Ohren öffnen.

Grundprinzip: Die Idee, dass der Geist ewig, aber die Form vergänglich ist, kann niemals Buddhismus sein.

In der idealistischen Philosophie denken die Menschen meistens, dass die Form vergehen muss, aber der Geist ewig ist. Eine solche Idee ist jedoch nach dem Buddhismus vollständig falsch. Wenn wir denken, dass eine derartig falsche Idee dasselbe wie Gautama Buddhas Lehre ist, werden wir nur auf törichte Weise (vordergründig) befriedigt, weil wir durch diese falsche Idee in Illusionen verfangen sind, die nicht buddhistisch sind, auch wenn wir in richtiger Weise dabei sind, uns über Leben und Tod zu sorgen. Wir sollten daher klar erkennen, dass dies eine törichte und falsche Idee der Nicht-Buddhisten ist. Wir sollten niemals überhaupt einen solchen falschen Gedanken an uns heranlassen.

23. Daher kann ich nicht anders, als dich vor dieser falschen Sichtweise zu bewahren und es ist (für mich) nur mitfühlend, dies jetzt (zu versuchen). Denkt daran, dass im Buddha-Dharma die Aussage unbedingten Bestand hat, dass die Essenz und die Form nicht zwei verschiedene Bereiche sind, weil Körper und Geist ganz ursprünglich eine einzige Wirklichkeit sind. Dies wurde in ganz gleicher Weise im westlichen Himmel (Indien) und im östlichen Land (China) verstanden. Wir sollten es niemals wagen, dagegen anzugehen. In den buddhistischen Linien, die eine ewige Existenz diskutieren, haben weiterhin die unendlich vielen Dharmas alle eine ewige Existenz: Körper und Geist sind (auch dann) nicht geteilt. In den Linien, die diskutieren, dass alles vergänglich ist, vergehen auch die Dharma: dort sind Essenz und Form ebenfalls nicht geteilt.

Grundprinzip: Im Buddhismus können Essenz und Form überhaupt nicht in zwei Teile getrennt werden.

Im Buddhismus sind Körper und Geist authentisch eine einzige Wirklichkeit, und Essenz und Form werden ohne Zweifel in Indien und in China genau so verstanden. Daher sollten wir niemals dieses Grundprinzip abstreiten.
Wenn wir weiterhin die Ewigkeit betrachten, gehört alles zu dieser Ewigkeit und daher ist es unmöglich, irgend etwas einmal als ewig und ein anderes Mal als vergänglich einzustufen. Wenn wir die Vergänglichkeit betrachten, sollten wir auch dieses Problem durchgängig auf der Grundlage der Vergänglichkeit bedenken. Es ist für uns dann nicht zulässig, irgend etwas teilweise als ewig und teilweise als vergänglich aufzuspalten.

24. Der Grundsatz, dass Körper und Geist eine einzige Wirklichkeit sind, wird dauernd im Buddha-Dharma betont. Wie kann es also im Gegensatz dazu wirklich zutreffen, dass der Körper erscheint und vergeht, während der Geist den Körper verlässt (und bestehen bleibt) und nicht auch erscheint und vergeht? Wenn es eine Zeit gibt, in der (Körper und Geist) eine einzige Wirklichkeit sind, aber eine andere Zeit, in der dies nicht zutrifft, dann muss man daraus den selbstverständlichen Schluss ziehen, dass Buddhas Lehre falsch war.

Grundprinzip: Die Einheit von Körper und Geist ist ganz genau ein ewiger Grundsatz im Buddhismus.

Der Buddhismus glaubt immer an die Einheit von Körper und Geist. Daher ist es für uns vollständig unmöglich darauf zu bestehen, dass nur der Geist allein überlebt, wenn der Körper vergeht.

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25. Das Einhalten der Gelöbnisse und ein reines (moralisches) Verhalten sind der richtige Maßstab in den Zen-Linien und das übliche Handeln der buddhistischen Vorfahren.

Grundprinzip: Die Gelöbnisse einzuhalten und sich rein zu verhalten sind zweifellos die Kennzeichen des Buddhismus.

Der Grund, warum wir Buddhisten an jedem Tag Zazen praktizieren, liegt darin, dass wir an jedem Tag das vegetative Nervensystem im Gleichgewicht halten und wir selbst damit im Zustand der Selbststeuerung bleiben, damit wir in unserem täglichen Leben der Moral folgen können. Wir können daher sagen, dass wir täglichen Zazen praktizieren, um die (besondere) Fähigkeit zur Steuerung von uns selbst aufrechtzuerhalten, damit wir in unserem täglichen Leben (tatsächlich) moralisch handeln. Dann können wir in jedem Augenblick das vegetative Nervensystem im Gleichgewicht halten. In den spirituellen Religionen gibt es normalerweise die allgemeine Tendenz, dass es das Wichtigste für die Menschen ist, Gott zu vertrauen und es nicht so wichtig für die Menschen ist, der Moral zu folgen. Im Buddhismus glauben wir, dass Gott das Universum selbst ist und dass damit das Universum Gott ist. Daher verehren wir Buddhisten es außerordentlich, dass wir in unserem täglichen Leben der Moral folgen, weil die Moral das Gesetz des Universums ist, und daher ist die Moral gleichzeitig die Ordnung Gottes.
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26. Jemand fragt: "Sollte diese Praxis auch von Laien, seien es Männer oder Frauen, durchgeführt werden oder soll sie nur von Menschen vollzogen werden, die ihr Zuhause verlassen habe?“
Ich sage: "Ein alter Meister wurde gehört, der sagte, dass wir beim Verständnis des Buddha-Dharma nicht zwischen Männern und Frauen und nicht zwischen hohem oder niedrigem Stand unterscheiden sollen".


Grundprinzip: Nicht nur Priester und Nonnen, sondern auch Laien wie Männer und Frauen sollten jeden Tag Zazen praktizieren.

Buddhismus oder Zazen gibt es niemals nur für buddhistische Priester, Mönche und Nonnen, sondern für alle Menschen. Es ist für jeden sehr wichtig, das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems zu halten, weil wir wahre Menschen sein können, wenn wir in diesem Gleichgewicht sind. Wenn nämlich unser sympathisches Nervensystem ein wenig stärker ist, neigen wir dazu, zu spirituell zu sein und wenn unser parasympathisches Nervensystem ein wenig stärker ist, neigen wir dazu, zu materialistisch zu sein.

27. (Jemand fragt): "Menschen, die ihr Zuhause verlassen haben, werden sofort von allen (bisherigen) Bindungen frei, sodass sie keine Hindernisse mehr bei der Praxis des Zazen haben und nach der Wahrheit streben. Wie kann ein viel beschäftigter Laie mit ganzer Hingabe die Übungen praktizieren und eins mit dem Zustand der buddhistischen Wahrheit, die ohne (Berechnung) und Absicht ist, sein?“

Ich sage:“ Der buddhistische Vorfahre im Dharma (Gautama Buddha) war ganz umfassend voller Mitleid (für uns) und hinterließ ein weites und großartiges Tor des Mitgefühls, sodass alle Lebewesen (den Zustand der Wahrheit) erfahren und in ihn eingehen konnten. Welcher Mensch oder Gott wollte nicht (in das Tor) eintreten?“

Grundprinzip: Auch Laien, Männer und Frauen sollten jeden Tag Zazen praktizieren.

Auch Laien, Männer wie Frauen, haben manchmal (gute) ausgeglichene Tage, wenn sie im Gleichgewicht sind, obgleich sie nicht an jedem Tag Zazen praktizieren. Aber es gibt vor allem auch Tage der Instabilität, wenn sie nicht tatsächlich Zazen praktizieren können. Unter solchen Bedingungen ist es unausweichlich, dass ihr Leben manchmal im Gleichgewicht ist und manchmal gar nicht. Daher kann ihr tägliches Leben so überhaupt niemals dauerhaft im Gleichgewicht sein. Wenn wir daher durch Zazen glücklich werden wollen, ist es für uns notwendig, jeden Tag Zazen zu praktizieren. Selbstverständlich sind die Laien, Männer wie Frauen, sehr stark eingespannt, um in ihrem sozialen Beruf zu arbeiten. Wir sollten es in unserem täglichen Leben aber so einrichten, dass wir jeden Tag Zazen praktizieren können, und sollten die tägliche Zazen-Praxis auf keinen Fall aufgeben (oder vernachlässigen).

28. Diese (Praxis-und-Erfahrung) beruht nur darauf, ob der Wille dazu vorhanden ist oder nicht. Es ist nicht von Bedeutung, ob wir uns körperlich zu Hause aufhalten oder nicht. Darüber hinaus wird jeder Mensch, der die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von Zusammenhängen und Dingen wirklich erkennt, ein natürliches Vertrauen (in die Praxis) haben. Weiterhin wissen diejenigen Menschen, die denken, dass die weltlichen Tätigkeiten den Buddha-Dharma hindern, eigentlich nur, dass es gar keinen Buddha-Dharma in der Welt gibt. Sie wissen nicht, dass es keinen (getrennten) weltlichen Dharma im Zustand des Buddhas gibt.
Grundprinzip: Die Wahrheit zu erlangen hängt überhaupt nicht davon ab, ob man bei der Praxis Mönch, Nonne oder Laie ist.

Meister Dogen sagt mutig, dass es allein davon abhängt, ob ein Mann oder eine Frau den Willen zur Wahrheit hat oder nicht, wenn er oder sie die Wahrheit erlangen wird. Es gibt beim Erlangen der Wahrheit überhaupt keine Abhängigkeit davon, ob man Mönch oder Nonne ist. Er sagt darüber hinaus, dass ein Mensch, der wirklich zwischen dem Höheren oder Niedrigeren im Leben unterscheidet, ein natürliches Vertrauen (in die Praxis) hat. Meister Dogen sagt in aller Deutlichkeit, dass es gesonderte weltliche Gesellschaften überhaupt nicht wirklich gibt, weil diese sog. weltlichen Gesellschaften nur Vorstellungen und Begriffe sind, die durch die menschlichen gedanklichen Fähigkeiten erzeugt worden sind (und als solche nicht wirklich existieren). Gleichzeitig werden die weltlichen Gesellschaften nur durch Sinnesreizungen wahrgenommen, die sich eher zufällig in den menschlichen Sinnesorganen ereignen (und ebenfalls nicht die Wirklichkeit sind). Mit anderen Worten glauben wir Buddhisten nicht an die wirkliche Existenz von unveränderlichen Ideen und daher ist es für uns schwierig, der wirklichen Existenz von derartigen (angeblich) unveränderlichen Gedanken zu vertrauen. Gleichzeitig ist es für uns unmöglich, an die unveränderliche Existenz der Sinnesreizungen in unseren Sinnesorganen zu glauben, und daher ist es für uns nicht möglich, überhaupt die wirkliche Existenz der Sinneswahrnehmung zu bestätigen. Wir müssen dagegen annehmen, dass die wirkliche Welt nur im gegenwärtigen Augenblick existieren kann.

In diesem Sinne ist es für uns ausgeschlossen, an die Dauerhaftigkeit der Ideen überhaupt zu glauben und es ist genau so unmöglich für uns, die dauerhafte Existenz dieser Welt zu behaupten. Kurz gesagt können wir es so ausdrücken, dass wir genau im jetzigen Augenblick leben, und daher gibt es die Welt auch nur im gegenwärtigen Augenblick. Wir müssen daher annehmen, dass die weltlichen Gesellschaften, die wir uns vorstellen und denken, nicht dauerhaft existieren und dass die weltlichen Gesellschaften, die wir wahrnehmen, ebenfalls nicht dauerhaft existieren.

29. Im großen Königreich des Sung strengen sich in der gegenwärtigen Generation sogar Könige und Minister, sowie öffentliche und private Männer und Frauen für die Wahrheit der Vorfahren im Dharma an, und dies ohne jede Ausnahme. Sowohl die Berufsgruppen des Militärs als auch der Verwaltung sind fest entschlossen, Zazen zu praktizieren und die Wahrheit zu erlernen. Diejenigen, die so entschlossen sind, werden in vielen Fällen ohne Zweifel den geistigen Zustand (der Wahrheit) klären. So kann ganz natürlich gefolgert werden, dass weltliche Angelegenheiten den Buddha-Dharma nicht hindern.

Grundprinzip: Weltliche Angelegenheiten haben überhaupt keine Kraft, die buddhistischen Regeln im Universum zu hindern.

Die Menschen glauben normalerweise, dass weltliche Angelegenheiten tatsächlich die Kraft besitzen, die buddhistischen Regeln im Universum zu ändern. Aber eine solche Erkenntnis ist wohl vollständig falsch; denn nur die wirklichen Tatsachen werden auf der Erde genau im gegenwärtigen Augenblick verwirklicht und solche Tatsachen können überhaupt keine (vorgestellten) weltlichen Angelegenheiten sein.
[56]
30. (Jemand) fragt: "Ist es auch in der gegenwärtigen korrupten Welt in diesem späten Zeitalter noch möglich, den Zustand der wirklichen Erfahrung zu erkennen, wenn wir die Praxis vollziehen?“
Ich sage: "Die Philosophen haben sich selbst mit solchen Begriffen und formalen Festlegungen gefangen, aber in der wirklichen Lehre des großen Fahrzeugs sagen wir, dass alle diejenigen, die praktizieren, den Zustand der Wahrheit erlangen, und zwar ohne Unterscheidung zwischen dem richtigen, nachahmenden und späten Dharma".


Grundprinzip: Die (fragwürdige) Theorie der drei Arten des degenerierten Zeitalters mag eher eine Ausrede für bequeme und schwache Buddhisten sein.

In dem nur theoretischen Buddhismus behaupten die Menschen, dass es drei verschiedene Zeitalter gibt, nämlich das wahre, das nachahmende und das späte (degenerierte). Sie behaupten weiterhin, dass es für die Menschen im späten Zeitalter völlig unmöglich ist, die Wahrheit durch Zazen zu verwirklichen. Aber Meister Dogen sagt mit Nachdruck, dass eine solche oberflächliche Theorie von bestimmten Menschen stammt, die tatsächlich nur die billige Theorie wollen und außerordentlich träge Buddhisten sind.
[57]
31. Zen-Meister (Hogen) sagte (zu dem Mönch Soku): "Auf Grund welcher Worte konntest du (in den Dharma) eintreten?"
(Der Mönch) Soku sagte: "Ich fragte einst (Meister) Seiho: ´Was ist genau der Schüler, der das Ich ist´?“

(Meister) Seiho sagte: "Die Kinder des Feuers kommen, um nach dem Feuer zu sehen".

(Meister) Hogen sagte: "Schöne Worte, aber ich fürchte, dass du (sie) wohl nicht verstanden hast."

(Der Mönch) Soku sagte: "Die Kinder des Feuers gehören zum Feuer. (Daher) habe ich verstanden, dass sie (selbst) das Feuer sind, aber (eigenartiger Weise trotzdem) nach dem Feuer schauen. Dies ist ein Beispiel für mich ist, dass ich selbst bereits das Ich bin, aber (unsinniger Weise) nach meinem Ich (suche und) nach ihm schaue".

Der Zen-Meister (Hogen) sagte dazu: "Nun bin ich sicher, dass du (dies) nicht verstanden hast. Wenn der Buddha-Dharma so wie (dein Verständnis) wäre, könnte er niemals bis zum heutigen Tag übertragen worden sein".

Dadurch wurde (der Mönch) Soku sehr verwirrt, geriet in Zweifel und stand auf (um von dem Meister wegzugehen). (Aber) auf der Straße dachte er:

"Der Zen-Meister (Hogen) wird im ganzen Land (als) ein guter Führer (geachtet) und ist ein großer Meister, der fünfhundert Menschen anleitet. Es muss sicher etwas Richtiges und Gutes an seiner Kritik wegen meiner Fehler sein".

Er ging zurück zu dem Zen-Meister, gestand seinen Fehler ein und machte eine Niederwerfung als Entschuldigung. Dann sagte er:

"Was ist genau der Schüler, der das Ich ist?"
Der Zen-Meister sagte: "Die Kinder des Feuers kommen, um nach dem Feuer zu sehen".

Durch die Kraft dieser Worte verwirklichte Soku den Buddha-Dharma auf großartige Weise. Der Buddha-Dharma wird selbstverständlich nicht mit dem intellektuellen Verständnis begriffen, dass wir selbst genau Buddha seien. Wenn allein das intellektuelle Verstehen, dass wir selbst genau Buddha sind, der Buddha-Dharma wäre, hätte der Zen-Meister (den Mönch Soku) nicht führen können, indem er genau dessen eigene Worte benutzte, und er hätte ihn nicht so ermahnen können, wie er es tat.

Grundprinzip: Wir sollten klar den Unterschied zwischen der intellektuellen und der wirklichen Welt erkennen.

Die obige Geschichte zeigt den vollständigen Unterschied zwischen dem Bereich des Denkens und der tatsächlichen Ebene der Wirklichkeit. Der Mönch Soku hatte verstanden, dass es für einen Menschen genau die Erleuchtung bedeutet, wenn er den Inhalt der Worte "die Kinder des Feuers kommen, um nach dem Feuer zu sehen" versteht. Dies hatte er leider nur intellektuell verstanden, aber er dachte, dass er die Erleuchtung schon vor vielen Jahren erlangt hätte.

Meister Hogen hatte das ungute Gefühl, dass es wirklich ein solches Missverständnis im Geist Sokus gibt, und er war daher war im Zweifel, ob Soku wirklich die Erleuchtung erlangt hatte oder nicht. Nachdem er dann die Erklärung Sokus gehört hatte, erkannte Meister Hogen ganz klar, dass Soku die Bedeutung der Worte nur mit dem Verstand, also intellektuell, begriffen hatte. Daher kritisierte Meister Hogen, dass (der Mönch) Soku die wahre Bedeutung der Worte nicht verwirklicht hatte. Aber Soku hatte zunächst ein starkes Selbstvertrauen in sein eigenes Verständnis dieser Worte. Weil er sich sehr (über den Meister) ärgerte, wollte er den Tempel sofort verlassen. Als er jedoch auf dem Weg war, bedachte er, dass Meister Hogen zu jener Zeit ein berühmter und anerkannter buddhistischer Meister in China war. Daher wollte Soku diese Frage noch einmal an den Meister richten. Der äußerst wichtige Unterschied bei Soku zwischen dem ersten und dem zweiten Gspräch mit dem Meister bestand darin, dass sich seine frühere nur intellektuelle Einstellung vollständig von der späteren aufrichtigen Haltung unterschied. Als Soku daher den wahren Worten von Meister Hogen wirklich zuhörte: "Die Kinder des Feuers kommen, um nach dem Feuer zu sehen", verstand er tatsächlich (und plötzlich) die wahre Bedeutung der Worte: "Die Kinder des Feuers kommen, um nach dem Feuer zu sehen".

Allgemein ausgedrückt unterscheidet der Buddhismus grundsätzlich zwischen einer nur intellektuellen Grundlage der Philosophie und einer and der Wirklichkeit orientierten Lebensphilosophie. Ich denke, dass fast alle anderen Philosophien in dieser Welt außer dem Buddhismus eine solche ganz wesentliche und wertvolle grundsätzliche Unterscheidung zwischen Denken und Wirklichkeit überhaupt nicht treffen.
[61]
32. Ich sage: „Wir sollten wissen, dass alle jene Menschen der Vergangenheit und Gegenwart, die den Geist geklärt haben, die Formen (wirklich) sehen und die Wirklichkeit realisiert haben, und welche die Laute hören, (überhaupt) keine intellektuellen Zweifel hatten. Sie streben nach der Wahrheit und genau im Augenblick der Gegenwart gibt es nicht einen zweiten (getrennten und nur gedachten) Menschen.“

Grundprinzip: Es ist wichtig, keinen Zweifel an der Wahrheit zu haben und keine Spaltung in unserer eigenen Persönlichkeit (also in uns selbst) zu haben.

Kurz vor diesem Zitat sagt Meister Dogen in diesem Kapitel ganz klar, dass es auch einige Beispiele gibt, in denen ein Praktizierender nicht auf der Grundlage von Zazen die Wahrheit erlangt hat. Er erklärt aber, dass es auch dann zwei wichtige Bedingungen für uns gibt, um die Wahrheit zu erlangen. Die eine besagt, dass wir nicht den geringsten Zweifel an der wirklichen Existenz der Wahrheit selbst haben dürfen, und die andere bedeutet, dass wir keine Trennung oder Spaltung in uns selbst haben sollten. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir niemals die Verwirklichung erreichen können, wenn wir Zweifel an der wirklichen Existenz der Wahrheit haben. Wenn wir andererseits kein Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems haben, ergibt sich daraus zwangsläufig, dass unser Bewusstsein zwischen dem physischen Ego und dem spirituellen Ego unterscheidet und damit in sich gespalten ist. In einem solchen Fall können wir überhaupt niemals die Wirklichkeit erfahren.
[62]
33. Weil unser Land keine Nation der Güte und Weisheit ist und die Menschen geistig dumpf sind, sollt ihr nicht denken, dass es für uns unmöglich ist, den Buddha-Dharma zu erfassen. Darüber hinaus haben alle Menschen den richtigen Samen von Prajnya im Überfluss. Es mag allerdings wohl so sein, dass wenige von uns den wirklichen Zustand (des Dharma) unmittelbar erfahren haben und wir sind daher nicht reif, ihn zu empfangen und zu nutzen.

Grundprinzip: Es ist für die Japaner nicht sinnvoll, bei dem Streben nach der Wahrheit (entmutigt) aufzugeben.

Meister Dogen dachte, dass für uns nicht zwingend ist anzunehmen, dass Japaner nicht in der Lage seien, die Wahrheit zu erfassen, da sie zu jener Zeit nicht sehr gütig oder klug und geistig auch ziemlich dumpf waren. Weil er aber wusste, dass alle Menschen in vollem Umfang die großen intuitiven Fähigkeiten (von Natur aus bereits) überaus reichlich besitzen, sah er bei den Japanern die Ursache (für deren Unverständnis allein) darin, dass sie der Wirklichkeit (der wahren Buddha-Lehre) recht selten unmittelbar begegnen konnten. Sie hatten den Zustand des Gleichgewichts des vegetativen Nervensystems noch nicht erfahren.
[68]
34. Welcher Ort könnte nicht ein Buddhaland (innerhalb) der Grenzen sein, wo diese Lehre bekannt ist? Wenn wir daher die Lehre der buddhistischen Vorfahren im Dharma verbreiten wollen, ist es nicht immer notwendig, einen (bestimmten) Ort auszuwählen oder auf (günstige) Umstände zu warten. Sollen wir gerade heute zögern, den Startpunkt (für diese Verbreitung) zu setzen?

Grundprinzip: Ist ein Ort nicht immer (innerhalb) der Grenzen, wo diese Lehre verbreitet ist, ein Buddhaland?

Meister Dogen sagt in aller Deutlichkeit, dass jeder Ort das Buddhaland sein muss, wo die Welt von der Lehre des Buddhismus durchdrungen ist. Daher ist es nicht notwendig für uns, einen bestimmten Ort auszuwählen oder auf eine gute Möglichkeit zu warten, den Buddhismus zu lehren, damit er sich überhaupt verbreitet. Und wir sollten annehmen, dass "der jetzige Augenblick genau die richtige Zeit für uns ist, damit zu beginnen".
Ich finde diese letzten Worte besonders spannend, denn im Buddhismus gibt es keine andere wirkliche Zeit als den gegenwärtigen Augenblick, die real existiert. Daher müssen wir unbedingt annehmen, dass wir alles genau im gegenwärtigen Augenblick beginnen können. Wir können in der Tat niemals irgendetwas zu einer anderen Zeit beginnen als im gegenwärtigen Augenblick!

Kommentare:

Zushi hat gesagt…

Grundprinzig: Der Wert von Meister Bodhidharmas Anstrengung

Im Sommer hatte ich Gelegenheit eine Buchvorstellung des Lotussutra aus der Sicht des Übersetzers erfahren zu können. Genau um diese Zeit beschäftigte ich mich auch mit dem Koan "Bodhidharmas Kommen aus dem Westen".
Als der Übersetzer das neue Buch vorstellte und den historischen Hintergrund beleuchtete, schilderte er ganz lebendig die Zeit im 6. Jahrhundert. Die chinesischen Herrscher waren damals überaus interessiert an allen neuen geistigen Gedanken und neuen Einflüssen, die allesamt aus Indien auf den Handelswegen nach China herüberkamen.

In der Nähe von Luoyang, das als die Wiege der Kultur betrachtet wird, gab es unweit vom Shaolin Kloster den wohl ersten buddhistischen Tempel Baima Si (Tempel des weißen Pferdes), der schon im Jahr 68 gegründet wurde. Der Legende nach soll Kaiser Mingdi von den Östlichen Han von einer goldenen Figur mit Sonne und Mond hinter dem Kopf geträumt haben. So wurden zwei Mönche ausgesandt, um nach dem Ursprung dieses Traumes zu suchen. Sie kamen nach Indien und kehrten auf weißen Pferden mit zwei indischen Mönchen im Schlepptau und einem Packen Sutren zurück.

Der Übersetzer schilderte die damalige Tätigkeit, sich mit den neuen Einflüssen zu beschäftigen. So unterhielten die Herrscher ganze Übersetzungsteams, um das neue Gedankengut ins Chinesische zu übertragen. Man hatte Inder engagiert und eigene Gelehrte, die der indischen Sprache mächtig waren. Es wurde in Gruppen von ca. 10 - 15 Personen gearbeitet und diese Übersetzungsarbeit allein bestimmte das religiöse Leben in den Klöstern.

Jetzt muss man sich mal vorstellen, dass inmitten diesen ganzen intelektuellen Umfeldes plötzlich jemand (Bodhidharma) auftauchte, der rein gar nichts aus Indien mitbrachte, darüberhinaus schockierte er Emperor Bu mit der Aussage, es gäbe nichts von heilig und nur offene Weite.
Als Emperor Bu ihm gedanklich nicht folgen konnte, suchte er sich das Shaolin Kloster und praktizierte Zazen.

Natürlich hatte ich vorher schon mehrfach die Geschichte von Bodhidharma gelesen, aber in dieser Deutlichkeit ist es mir einfach nie bewußt geworden, dass Bodhidharma das fehlende Element, nämlich Zazen, in China eingeführt hat. Welche großartige Leistung und welcher Mut! Bodhidharma war von Geburt ein Königssohn und hätte bestimmt auf intelektueller Basis glänzen können. Dies alles vernachläßigte er zugunsten des Zazen!

Inzwischen habe ich das Shaolin Kloster schon zum zweiten Mal besucht und konnte feststellen, dass die Chinesen ein reisefreudiges Völkchen, das ihre Kultur gerade eben erst entdecken, geworden sind. Überwogen in 1998 noch fast die ausländischen Touristen, mussten wir uns 2006 durch Massen von Chinesen durch das Kloster schieben.

Regina

GUDO NISHIJIMA hat gesagt…

Liebe Regina,
herzlichen Dank für Deine fundierten Erläuterungen. Zur Ergänzung:Ich habe mich lange auch mit Nishijima Roshi über Bodhidharma unterhalten. Seine Sicht ist verkürzt wie folgt: Die Übersetungsteams wurden von Kumarajiva (etwa 100 Jahre vor Bodhidharma)geleitet, der wie ein Minister anzusehen ist.Er war zweisprachig, und hatte wohl nicht viel Zeit für sehr komplizierte Texte. Wie sich z. B. bei Nagarjunas MMK zeigt, hat er einige schwerwiegende theoretische Fehler bei schwierigen buddhistischen Kernpunkten wie z. B. Shunyata gemacht.
So gab es im damaligen China zwei Probleme: Mangel an fundierter Praxis (Zazen, mit Yoga-Einflüssen) und z. T. recht unklare Theorie. Hinzu kamen verfestigte Machtstrukturen des buddhistischen establishment. Dies war wohl in Indien bekannt, sodass der Meister von Bodhidharma ihn vermutlich gebeten hat, den wahren Buddhismus nach China zu bringen. Es war wohl auch bekannt, dass es die erforderliche Ernsthaftigkeit in China gab.
Nishijima kann neben Japanish und Englisch auch Chinesisch und Sanskrit, sodass er alle Quellen im Original geprüft hat. Er hat eine sensationelle neue noch nicht veröffentlichte Übersetzung von MMK erstellt, die ich übrigens ins Deutsche bringe.

Das obige Koan zielt nach meinem Verständnis vor allem darauf ab, jegliche Fantasien und Spekulationen zu entlarven: Nur Sein-Zeit im Hier und Jetzt
Herzlich
Yudo Jürgen

Yudo J. Seggelke hat gesagt…

Habe leider die falsche Kennung verwendet, bitte um Nachsicht.
Yudo Jürgen

Zushi hat gesagt…

Lieber Yudo Jürgen,

vielen Dank für die weitere Vertiefung.
Nishijima Roshi's Sprachkenntnisse sind ja interessant. Chinesisch ist für Japaner recht leicht, da sie alle die Kanji schon kennen. Wenn ich bedenke, dass ich vor Jahren beim 50. Kanji aufgehört habe...
Und jetzt könnte ich keinem plausibel erklären, wofür ich mich mit japanisch rumschlagen soll, wenn ich in Japan nur eine Woche im Schweigen verbringe.
Ich freue mich schon auf Deine Ausgabe des MMK.

Liebe Grüße
Regina

Zushi hat gesagt…

Lieber Yudo Jürgen,

vielen Dank für die Übersetzung von Nishijima Roshi's Ausführungen zu dem Kapitel Bendowa.
In dem Abschnitt [32] 14. "Wir können die Lebensphilosophie des Handelns grundsätzlich nur entwickeln, wenn wir sowohl den Idealismus als auch den Materialismus ablehnen." und "Ohne den Idealismus und auch den Materialismus zu verneinen, kann also die tiefgründige buddhistische Lebens-Philosophie des Handelns niemals aufgebaut werden." tue ich mich etwas schwer mit den Beschreibungen -ablehnen- und -verneinen-. Wie schon mal an anderer Stelle im Blog auftauchte, bedeutet die Ablehnung auch gleichzeitig eine Verdopplung der Krankheit. Und eine Verneinung kann sich in eine Bejahung umwandeln.

Wenn ich nun den dritten Satz des Genjokoan heranziehe "Die Buddha-Wahrheit ist von Anbeginn jenseits von Reich und Arm...", bedeutet dies für mich keine Ausklammerung einer dieser beiden Seiten, sondern in gewissem Sinne eine zur Kenntnisnahme, dass diese beiden Seiten existieren und sie im folgenden Schritt, der Lebens-Philosopie des Handelns, überschritten werden.
Kannst Du mir dies näher erläutern?
Liebe Grüße
Regina

Yudo J. Seggelke hat gesagt…

Liebe Regina,

vielen Dank für Deine sehr genaue Analyse.
Im MMK bei Nagarjuna steht die Ablehnung recht holzschnittartig. MMK ist immer sehr prägnant in Versform und sehr eindeutig. Wohl auch gegen die damaligen Verfallserscheinungen und Dogmatisierungen gerichtet.
Bei Dogen und Nishijima wird dies genau wie bei Dir verstanden, also wird die Einseitigkeit und Absolutheit abgelehnt. Daher müsste es dann vielleicht heißen:(einseitiger) Idealismus usw..
Die Verdoppelung der Krankheit verstehe ich besonders in Bezug auf die Gier und weniger auf die Lebensphilosophie.
Sehr gut kommt bei Dir die Gesamtintegration bei der vierten Lebensphilosophie des Buddhismus heraus.
Werde den Text jetzt noch einmal durchsehen und vielleicht durch Klammerzusatz in Deinem Sinne verbessern.
Herzlich

Yudo Jürgen

Zushi hat gesagt…

Danke

Zushi hat gesagt…

Lieber Yudo Jürgen,
vielen Dank für Deine Mühe, die wundervollen Lehren Dogen's auf so ansprechende Weise vermittelt zu bekommen.
Gruß Regina