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Meister Nishijima praktiziert Buddhismus seit über 60 Jahren. Er war Schüler von Meister Kodo Sawaki, einem japanischen umherziehenden Priester, der berühmt dafür war unermüdlich zu betonen, dass die Praxis des Zazen ihren richtigen zentralen Platz im Buddhismus erhält und der selbst intensiv praktizierte. Meister Nishijima wurde von Meister Renpo Niwa als Priester ordiniert, der später als Abt den Zentraltempel des Soto-Buddhismus leitete. Nishijima Roshi hat viele Bücher über Buddhismus u.a. von Dogen sowohl in Japanisch als auch in Englisch geschrieben. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hat er in Japanisch und Englisch viele Vorträge gehalten, Seminare und Sesshins geleitet sowie genaue Anweisungen zum Buddhismus und vor allem zum Zazen gegeben. Deutsche Fassung: Yudo J. Seggelke

Donnerstag, 28. Januar 2010

Übersetzung von Dôgens authentischem Text des Fukan zazengi ,Teil 6

Außerdem kann der aufrichtige, (auf das) Wesentliche (fokussierte) und sich verändernde Augenblick überhaupt niemals durch gedankliches Überlegen oder intellektuelles Unterscheiden verstanden werden. (Dieser Augenblick) gleicht dem Fingerzeig von Meister Gutei, dem Niederholen des Flaggenmastes von Meister Ananda, der Benutzung einer Nadel durch Meister Nâgârjuna, um Kanadewa zu lehren, dem Schlagen des Blockes, der von Meister Manjusri benutzt wurde, oder den Zuständen tiefer Erfahrung, die durch einen Wedel, eine Faust, durch einen Stab oder einen Schrei gekennzeichnet sind. Wie wäre es möglich, dass sie durch magische Fähigkeiten oder durch die Trennung von Praxis und Erfahrung (der Verwirklichung) verstanden werden? Diese Meister sind wohl die würdevolle Form aus Stimmen und Farben.

Wäre es denn möglich, dass sie sich von den Merkmalen, die jenseits des Wissens und Sehens sind, unterscheiden? Wir sollten daher niemals darüber diskutieren, ob wir von höherer Klugheit oder geringerer Dummheit sind. Wir sollten niemals einen klugen Menschen gegenüber einem einfältigen Menschen vorziehen. Wenn wir unsere Anstrengungen mit ganzem Herzen unternehmen, sollte dies nur dem Streben nach der Wahrheit dienen. Praxis und Erfahrung beschmutzen sich beim Zazen niemals gegenseitig und das Verhalten, um voranzukommen, ist dann im Gleichgewicht und ist beständig. Innen bei uns selbst und außen in der äußeren Welt oder im westlichen (Indien) und in östlichen Ländern haben wir die Merkmale des Buddhismus in gleicher Weise bewahrt.

Wir manifestieren nur das Verhalten nach der tiefgründigen überlieferten Tradition, nämlich genau im Zazen zu sitzen, und sind durch den bewegungslosen Zustand gesammelt. Praktiziert nur dieses (gleiche) Zazen, obgleich es tausende oder zehntausende Unterschiede (bei den Menschen) geben mag, und strengt euch an, nach der Wahrheit zu streben. Wie wäre es möglich, dass wir unseren eigenen Platz zum Sitzen dadurch vergessen, dass wir in andere staubige Länder gehen und von dort zurückkehren?

Wenn wir einen Fehler bei dem kleinsten Schritt gemacht haben, müssen wir stolpern oder müssen genau im Augenblick (nicht korrigierbare) Fehler begehen. Wir sind zum Glück schon in der hervorragenden Situation, einen menschlichen Körper zu haben. Wie wäre es daher möglich, dass wir die Zeit nutzen, ohne überhaupt etwas Nützliches zu tun?

Glücklicherweise haben wir den menschlichen Körper und Geist bewahrt, welche die sehr wichtige Basis für das Streben nach der buddhistischen Wahrheit sind. Wie wäre es daher für irgendjemanden überhaupt möglich, die seichteste flüchtige Freude zu genießen, die dem plötzlichen Aufleuchten (und Verlöschen) des Feuersteins gleicht?
Außerdem ist die körperliche Substanz genauso vergänglich wie ein Tautropfen auf dem Blatt einer Pflanze. Die Umstände des menschlichen Lebens scheinen dem Aufblitzen eines Lichtstrahls zu ähneln. Er verliert sich plötzlich und ist sofort verschwunden.

Ich möchte daher jene edleren Menschen bitten, die praktizieren und nach der Wahrheit streben, sich nicht davor zu fürchten, dem wirklichen Drachen tatsächlich zu begegnen, obgleich sie sich an die verschiedensten Bilder und Nachahmungen vom Drachen gewöhnt haben! Strengt euch bitte in der Praxis des Zazen an, die unmittelbar die Wahrheit aufzeigt. Verehrt Menschen, die das (falsche) Lernen beim Zazen überschritten haben und nicht irgendeine (vordergründige) Absicht verfolgen.

Werdet vollkommen eins mit der Wahrheit der Buddhas und empfangt authentisch den Zustand des Gleichgewichts der Vorfahren im Dharma. Wenn ihr das Unfassbare (Zazen) praktiziert, ist es ausgeschlossen, dass ihr nicht selbst dieses Unfassbare werdet. Das großartige Schatzhaus der Juwelen wird auf natürliche Weise geöffnet werden und ihr habt die vollkommene Freiheit erreicht, die Juwelen zu erlangen und sie ohne irgendeine Behinderung zu verwenden.“

Ende des Originaltextes

Montag, 18. Januar 2010

Übersetzung von Dôgens authentischem Text des Fukan zazengi ,Teil 5

Im Allgemeinen ist ein ruhiger Raum vorzuziehen, wenn wir Zazen praktizieren. Wir sollten mäßig essen und trinken. Die vielfältigen Gegebenheiten (des Alltags) sollten wir vollständig weglassen, alle Arten von Aufgaben beenden, nicht an Gut oder Schlecht denken und uns keine Sorgen über Richtig und Falsch machen. Die Unruhe des Geistes, des Willens und des Bewusstseins hört (dann) auf. Die Überlegungen durch Bilder, Gedanken und Intuition sollten enden – und habt niemals das Ziel, ein Buddha zu werden! Ein solcher Zustand der Zazen-Praxis ist nicht dasselbe, als würden wir uns in unserem täglichen Leben hinsetzen und hinlegen.

An dem Ort, wo wir im Zazen sitzen, breiten wir normalerweise eine dicke Matte aus und benutzen ein rundes Kissen. Entweder verwenden wir die Haltung des vollen Lotossitzes oder des halben Lotossitzes. Beim vollen Lotossitz legen wir zuerst den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann legen wir den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Beim halben Lotossitz drücken wir mit dem linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Wir legen die Kleidung, die wir tragen, auf (die Füße und Oberschenkel) und achten darauf, dass sie geordnet und sauber ist. Dann legt die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand, sodass sich die Spitzen der Daumen gegenseitig berühren.
Dann bleibt in dieser Haltung und kontrolliert das Sitzen.

Neigt euch nicht nach links und beugt euch nicht nach rechts. Sitzt nicht gekrümmt nach vorn und lehnt euch nicht nach hinten. Es ist notwendig, dass die Ohren und Schultern parallel (zueinander) sind. Die Nase und der Bauchnabel sollten (in einer Linie) gehalten werden. Legt die Zunge an den oberen Gaumen und haltet die Lippen und Zähne geschlossen. Die Augen sollten immer offen gehalten werden. Atmet sanft durch die Nase und nachdem ihr die Sitzhaltung kontrolliert habt, atmet einmal tief ein und lasst den Oberkörper nach rechts und links pendeln. Dann sitzt still ohne Bewegung, ähnlich wie ein Berg, und ‚denkt’ den Zustand ohne Denken. Wie können wir den Zustand ohne Denken denken? Es unterscheidet sich vom (üblichen) Denken. Dies ist kurz gefasst genau die Methode des Zazen.

Was Zazen genannt wird, kann niemals das sogenannte Lernen (mit einem Ziel) während des Zazen sein, sondern es ist genau der Zugang des Friedens und der Freude zum Dharma. Es ist genau die Verschmelzung von Praxis und Erfahrung (des Erwachens), um die Wirklichkeit vollständig zu realisieren. Das Gesetz des Universums ist bereits verwirklicht worden und es gibt keine Möglichkeit, dass Netze und Käfige (der Verstrickung), die ihn einfangen können, Zugang zum Praktizierenden finden.

Wenn wir diese Bedeutung bereits erfasst haben, sind wir wohl in derselben Lage wie ein Drache, der Wasser bekommen hat, oder ein Tiger, der aufrecht vor einem Berg steht und sich selbst mit dem Berg schützt. Wir sollten die Tatsachen kennen, dass die wahren Gesetze des Universums sich sofort offenbaren und sowohl der Zustand des Trübsinns als auch der Lustbarkeit sofort zu Boden fällt.

Wenn wir uns vom Sitzen erheben, bewegen wir den Körper langsam und allmählich, dann sollten wir friedlich und glücklich aufstehen. Niemals sollte es hastig oder gewaltsam sein, wenn wir aufstehen. Wir haben seit den alten Zeiten gelernt, dass wir auf der Kraft des Gleichgewichts aufbauen, die durch Zazen erlangt wurde. (Dies) überschreitet gewöhnliche Menschen und übersteigt Heilige; (wie berichtet wird) kommt aus dieser Kraft das (friedliche) Sterben während des Zazen oder dass man sein Leben im Stehen verliert (wie auch berichtet wird).

Mittwoch, 13. Januar 2010

Fukan zazengi, Teil 4,
Übersetzung von Dôgens authentischem Text

Im Folgenden wird die neue, wörtliche Übersetzung in der Fassung des Rufu-Bon wiedergegeben:
„Allgemein gilt, wenn wir nach der Wahrheit streben, dass die grundlegende Wahrheit das (ganze) Universum durchdringt, und daher scheint es (fälschlich) ganz unnötig zu sein, dass wir auf der Praxis und der Erfahrung (des Zazen) aufbauen. Weiterhin sind die Methoden, um die grundlegenden Wesensmerkmale (der Wahrheit) zu erreichen, (doch) auf natürliche Weise vorhanden. Warum ist es daher notwendig, dass wir uns bis zur Erschöpfung anstrengen (um die Wahrheit zu erlangen)?

In unserem Fall haben wir als Buddhisten bereits die gewöhnlichen (Schein-)Werte der menschlichen Gesellschaften vollständig wie Abfall und Staub verlassen. Warum ist es denn für irgendjemanden (überhaupt) erforderlich, an die Notwendigkeit der Methoden zu glauben, um jene (gewöhnlichen) weltlichen Werte wegzubürsten und wegzuwischen?
Allgemein gesagt haben wir die richtigen Umstände (als Buddhisten) gar nicht verlassen. Warum ist es (dann) notwendig, dass wir überhaupt auch nur ein wenig der äußersten Fußspitzen (des Zazen) benutzen?

Wenn es jedoch nur die kleinste Lücke (bei der Praxis und Wahrheit) gibt, dann wird diese Lücke größer und größer, so als ob sie der ungeheure Abstand zwischen Himmel und Erde wäre. Wenn sich nur der kleinste Unterschied zwischen richtig und falsch einschleicht, müssten wir unseren Geist vollständig in auswegloser Verwirrung verlieren.
Auch wenn wir außerordentlich stolz auf unser scharfsinniges intellektuelles Verständnis sind und (mental) zu umfassenden intuitiven Entscheidungen fähig wären, scheint es ganz unmöglich zu sein, dass wir unsere Fähigkeit des Denkens durch den (dualistischen) Verstandes (einfach) weglassen (können), damit wir so den kraftvollen Zustand des realen Handelns im Bereich der Wirklichkeit erlangen.

Dies gilt auch (im mentalen Bereich), wenn wir eine scharfsinnige, intuitive Erleuchtung in einem vollständig unabhängigen Bereich erlangen, wenn wir die höchste Wahrheit erlangen, wenn wir den menschlichen Verstand klären und wir elegant durch alle Lebenssituationen wandern. Es gilt auch, wenn wir ein starkes Vertrauen haben, dass unser intellektuelles Vermögen Zugang zur wirklichen Welt gefunden hat und wenn wir einen starken und scharfsinnigen Geist haben, der den Himmel durchsticht.

Weiterhin gilt, dass wir den klaren Fußspuren des Genies (Gautama Buddha) von Jetavana Anathapindikarama folgen können, der große Anstrengungen unternahm und sechs Jahre lang Zazen praktizierte. Wir können auch heute die Lehre des berühmten Meisters (Bodhidharma) im Shorin-Tempel hören, der neun Jahre lang mit dem Gesicht zur Wand Zazen praktizierte. Auch die großen alten Meister haben ähnliche hervorragende Beispiele gegeben. Wie kann es dann angehen, dass wir während des Tages Zeit verstreichen lassen, ohne Zazen zu praktizieren?

Daher sollten wir sofort die (nutzlosen) intellektuellen Anstrengungen beenden, indem wir Worte analysieren und Reden verfolgen. Wir sollten anfangen zu lernen, einen Schritt zurückzutreten und uns selbst zu beleuchten. (Dann wird das eingeengte Bewusstsein von) Körper und Geist auf natürliche Weise sofort von uns abfallen und unser ursprüngliches Gesicht und unsere ursprünglichen Augen werden sich sofort offenbaren. Wenn wir eine solche Situation sofort erlangen wollen, sollten wir dies unmittelbar tun, ohne im Geringsten zu zögern.

Samstag, 2. Januar 2010

Fukan zazengi, Teil 3

Wir müssen in aller Klarheit sagen, dass beim Zazen das Ziel, die praktische Methode und das eigentliche Handeln beim Sitzen vollkommen zu einer Einheit verschmolzen und damit identisch sind. Es ist sehr wichtig, dass wir Zazen einfach und ohne Verspannung als die erste Erleuchtung praktizieren, und wir müssen uns überhaupt nicht darum sorgen, wann die zweite Erleuchtung kommen wird.

Die erste Erleuchtung ist, Zazen im gegenwärtigen Augenblick zu praktizieren, indem wir Körper und Geist fallen lassen. Die zweite Erleuchtung ist das vollständige Verständnis der buddhistischen Lehre auf der Grundlage des ehrlichen täglichen Lebens als Mensch, der den Buddhismus praktiziert. Dabei ist der wesentliche Kern die Zazen-Praxis selbst, wie sie hier beschrieben wird und die wir in dieser Klarheit Meister Dôgen verdanken.

Meister Dôgens Heimkehr
Dôgen kehrte im Jahr 1227, mit 27 Jahren, nach Japan zurück. Nach seiner Rückkehr fragte ihn jemand: „Was hast du aus China mitgebracht?“ Er antwortete darauf: „Nichts“, und fügte dann hinzu: „Wenn ich dazu irgendetwas sagen muss, mag es der bewegliche und sanfte Geist sein (den ich mitgebracht habe).“ Wir können seine Worte heute so verstehen, dass sich unser Körper und Geist, so wie sie sind, beim Zazen im Zustand des Gleichgewichts befinden und es uns so erscheint, als ob wir sie fallen gelassen haben.

Freitag, 25. Dezember 2009

Fukan zazengi, Teil 2
Meister Myozen und Meister Dôgen in China,

Leider erkrankte Meister Myozen schon nach etwa zwei Jahren des gemeinsamen Aufenthaltes in China schwer und starb im Kloster Tendozan Keitoku-ji am 27. März 1225.

Meister Dôgen setzte seine Reise zu verschiedenen chinesischen buddhistischen Tempeln danach allein fort. Er hoffte, einen wahren buddhistischen Meister zu finden, um das zu erlangen, was er so sehr anstrebte. Am 1. Mai 1225 begegnete Meister Dôgen dann Meister Tendô Nyojô, der inzwischen der Meister des Klosters Tendozan Keitoku-ji geworden war. Er erkannte in ihm schlagartig seinen wahren Meister und studierte und praktizierte Buddhismus unter Tendô Nyojôs Leitung bis zu seiner Rückkehr nach Japan im Jahr 1227.

Die Tatsache, dass Meister Dôgen mit Meister Tendô Nyojô zusammentraf, ist von größtem Wert für den Buddhismus. Bevor Dôgen nämlich Tendô Nyojô begegnet war, praktizierte er Zazen mit der Vorstellung, dass man zielgerichtet und mit großer Anstrengung die Erleuchtung erringen müsste. Dies unterscheidet sich jedoch grundsätzlich von der wahren Praxis des Zazen. Dass Meister Dôgen überhaupt nach China ging, ist seiner großen Aufrichtigkeit und Sorgfalt sich selbst gegenüber zu verdanken, und dass er bis dahin die sogenannte Erleuchtung tatsächlich nicht erlangen konnte.
Die buddhistischen Lehren Tendô Nyojôs unterschieden sich vollständig von dem, was Dôgen bis dahin kennengelernt, aber auch, was er in China erwartet hatte. Wie er in Kapitel 30, „Das Bewahren der reinen Praxis“ (Gyôji), im Shôbôgenzô beschreibt, sagte Meister Tendô Nyojô mit großer Bestimmtheit:

„Zazen zu praktizieren bedeutet nur, Körper und Geist fallen zu lassen. Es ist nicht notwendig, dass wir Räucherwerk anzünden, Buddhas Namen rezitieren, unsere Sünden bekennen oder überhaupt Sûtras lesen. Aber wenn wir nur sitzen, ist alles schon von Anfang an erreicht worden.“

Diese Worte bedeuten, dass die Zazen-Praxis das vegetative Nervensystem ins Gleichgewicht bringt und dass wir das einengende Bewusstsein von Körper und Geist verlieren. Wenn wir nur Zazen praktizieren, verwirklicht sich schon von Anfang an einfach und direkt die Freiheit vom eingeengten Bewusstsein des Körpers und Geistes. Diese Erkenntnis ist einer der wichtigsten Kernpunkte der buddhistischen Lehre überhaupt.

Das wahre Zazen dient also niemals nur als Werkzeug und Methode, um das große Ziel der Erleuchtung zu erlangen. Die Zazen-Praxis ist gerade nicht nur ein Instrument oder Hilfsmittel, das sich von dem angestrebten Ergebnis der Praxis, nämlich der Erleuchtung, trennen lässt, sondern Zazen ist die erste Erleuchtung selbst. Die willensmäßige Konzentration auf das Ziel der Erleuchtung ist also völlig sinnlos und zerstört gerade die wahre Zazen-Praxis. Zazen ist nur das Handeln des Sitzens im gegenwärtigen Augenblick selbst.

Samstag, 19. Dezember 2009

Allgemeine Richtlinien zur Zazen-Praxis von Meister Dôgen (Fukan zazengi), Teil 1

Meister Dôgen wurde im Jahr 1212 buddhistischer Mönch und trat in das Kloster Enryaku-ji in Kyoto ein, wo er etwa drei Jahre lang lebte. Ihm wurde jedoch mit der Zeit klar, dass die buddhistische Lehre in Enryaku-ji damals zu sehr auf intellektuelle Überlegungen konzentriert war, weshalb er zu Meister Eisai ins Kloster Kennin-ji ging.

Meister Dôgen im japanischen Kloster Kennin-ji
Weil dieses Kloster zur Übertragungslinie des Rinzai gehört, können wir annehmen, dass Meister Dôgen von seinem Meister ein Kôan erhielt, dessen Bedeutung er während der Zazen-Praxis immer wieder durchdachte, um auf diese Weise zur Erleuchtung zu gelangen. Dieses Vorgehen unterscheidet sich jedoch von der Praxis des wahren Zazen, die er später sehr genau kennenlernte und herausarbeitete.

Meister Dôgen besaß einen scharfen Verstand und ein genaues Beobachtungsvermögen, sodass es bei ihm zu keinen Täuschungen und Illusionen darüber kam, ob er die sogenannte Erleuchtung wirklich erlangt hatte oder nicht. Daher erkannte er zu seinem Bedauern ganz klar, dass er trotz größter Anstrengung nicht so etwas Ähnliches wie die Erleuchtung erfahren hatte. Wir können sicher vermuten, dass ihn diese Erkenntnis stark beunruhigte.

Wahrscheinlich hatte Meister Dôgen daraufhin erhebliche Zweifel, ob die Form des Zazen, die damals in Japan praktiziert wurde, überhaupt geeignet für die Erleuchtung sei. Infolgedessen ist bei ihm wohl der Wunsch aufgetaucht, nach China zu gehen, um dort die wahre buddhistische Übungspraxis des Zazen zu erlernen. Butsuju Myozen, der Nachfolger von Eisai als Meister des Klosters Kennin-ji, hatte offensichtlich genau dieselben Gedanken wie Meister Dôgen. Butsuju Myozen hegte ebenfalls die große Hoffnung, durch eine Reise nach China das Wesen des wahren chinesischen Buddhismus und vor allem des Zazen direkt zu erfahren.

Daher entschieden sich Meister Myozen und Meister Dôgen, gemeinsam nach China zu reisen, um dort die Erleuchtung zu erlangen, die in Japan offensichtlich nicht möglich war.

Montag, 19. Oktober 2009

Der Mensch Gautama Buddha , Teil 4
Gautama Buddhas Erleuchtung


Gautama Buddha hatte am eigenen Leibe erfahren, dass ein asketisches Leben völlig sinnlos ist, um Erleuchtung zu erlangen, und darüber hinaus sogar schwere körperliche und geistige Zerstörungen anrichtet. Daher verließ er den Wald des asketischen Lebens in aller Entschiedenheit. Die dort übenden Asketen waren sicher, dass Gautama Buddha den Wald des asketischen Lebens verließ, weil es ihm letztlich an Ausdauer, Disziplin und Willen mangelte und daher verlachten sie ihn und überhäuften ihn mit Verachtung und Vorwürfen.

Wir können jedoch davon ausgehen, dass Gautama Buddha die starke und reine Absicht im Sinn hatte, die Wahrheit zu suchen und es gab sicher bei ihm nur den festen Willen, diese Wahrheit zu erlangen. Daher hatte Gautama Buddha die Askese abgebrochen, ohne überhaupt weiter von der Kritik der anderen Asketen Notiz zu nehmen. Das Asketentum hatte sich als Sackgasse erwiesen.

Als Gautama Buddha sich dann völlig entkräftet am Ufer des kleinen Flusses Nairanjana vorwärts schleppte, bemerkte ein kleines Mädchen mit Namen Sujata den siechen und bemitleidenswerten Zustand von Gautama Buddha und bot ihm Haferschleim zum Essen an, den sie bei sich trug.

Als Buddha den Haferschleim gegessen hatte, fühlte er sich schon etwas kräftiger, und sein Körper und Geist erholten sich langsam. Er begann nun auf einem anderen Weg nach der Wahrheit zu streben, indem er bei der alten in Indien weit verbreiteten Yoga-Praxis anknüpfte. Gautama Buddha benutzte dabei eine Yogahaltung, die als die beste und wirkungsvollste angesehen wird. Diese Sitzpraxis ist dieselbe, die bis in die heutige Zeit beim Zazen verwendet wird.

Nachdem er eine solche Praxis mehrere Jahre fortgesetzt hatte, saß er an einem Wintermorgen im Zazen und bemerkte mit einem Mal, dass er nicht mehr im Bereich der Gedanken und Wahrnehmung weilte, sondern dass er nur im Bereich der Wirklichkeit lebte. Diese Wirklichkeit war die Wahrheit, die er so lange gesucht hatte!

In einem wichtigen Sutra heißt es, dass "Berge, Flüsse, Gras und Bäume vollkommen die Wahrheit geworden sind" und im Shobogenzo von Meister Dogen heißt es in derselben Weise:

"Berge, Flüsse und die Erde sind zur Wahrheit geworden".

Daher können wir verstehen, dass Gautama Buddha plötzlich die vollkommen eindeutige und klare Erfahrung machte, dass diese Welt genau die Wirklichkeit ist und dass diese Welt genau die Wahrheit selbst ist. Was wir in unserem Gehirn erzeugen, wird niemals die volle Wahrheit werden und was wir durch unsere Sinneswahrnehmungen aufnehmen, kann ebenfalls niemals die ganze, umfassende Wahrheit oder Wirklichkeit sein.

Was wir genau im gegenwärtigen Augenblick tun, ist die Wahrheit und ist genau die Wirklichkeit. Daraus wird schlagartig klar, dass die beiden großartigen westlichen Philosophien des Idealismus und Materialismus niemals die volle Wahrheit sein können. Sie sind nur eine Art von Vorstellung oder Illusionen im Vergleich zum Handeln im gegenwärtigen Augenblick, durch das wir direkt in die Wirklichkeit und die Wahrheit kommen.

Das Handeln, das wir im gegenwärtigen Augenblick vollziehen, ist die wirkliche Existenz des Universums und daraus ergibt sich zwingend die Einheit des menschlichen Handelns mit dem realen Universum als die Wirklichkeit selbst. Dies ist eine einfache Tatsache im gegenwärtigen Augenblick und dies ist genau die Erleuchtung.