Über mich

Mein Bild
Meister Nishijima praktiziert Buddhismus seit über 60 Jahren. Er war Schüler von Meister Kodo Sawaki, einem japanischen umherziehenden Priester, der berühmt dafür war unermüdlich zu betonen, dass die Praxis des Zazen ihren richtigen zentralen Platz im Buddhismus erhält und der selbst intensiv praktizierte. Meister Nishijima wurde von Meister Renpo Niwa als Priester ordiniert, der später als Abt den Zentraltempel des Soto-Buddhismus leitete. Nishijima Roshi hat viele Bücher über Buddhismus u.a. von Dogen sowohl in Japanisch als auch in Englisch geschrieben. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hat er in Japanisch und Englisch viele Vorträge gehalten, Seminare und Sesshins geleitet sowie genaue Anweisungen zum Buddhismus und vor allem zum Zazen gegeben. Deutsche Fassung: Yudo J. Seggelke

Dienstag, 26. Februar 2008

Frage:

Sehr geehrter Nishijima Roshi,

vielen Dank für die wunderbare Gelegenheit zur Kommunikation in diesem Blog.
Ich lese gerade das zweite Kapitel im Shobogenzo (Makahannya haramitsu) und möchte Sie um Erläuterungen zum Gedicht der Windglocke von Tendo Nyojo bitten.
Verstehe ich es richtig, dass der Wind der vier verschiedenen Himmels-Richtungen nicht direkt mit dem Läuten der Glocke zu tun hat? Bedeutet die Kommunikation, dass die Glocke sowieso läuten würde oder dass die Glocke von einem Wind, woher er auch immer weht, nicht beeinflusst wird?
Nach Erwähnung der vier Arten der Versenkung werden vier verschiedene Zustände des Gleichgewichtes (shi mushiki jo) aufgeführt. Würden Sie diese bitte erklären?

Vielen Dank im Voraus und mit herzlichen Grüßen

Regina


Antwort

Liebe Zushi San,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Ich meine, dass es für uns besser sein mag, über die Bedeutung von Meister Tendo Nyojos Gedicht nachzudenken, wenn wir es vom nächsten Paragraphen trennen. Dort erklärt uns Gautama Buddha, dass Buddha die intuitive Fähigkeit darstellt und diese intuitive Fähigkeit genau Buddha ist.

Meister Tendo Nyojo beschreibt, dass die Situation der Windglocke auf die Wirklichkeit selbst hindeutet.

Und Gautama Buddha sagt ganz klar, dass die Intuition Buddha ist und Buddha wiederum genau diese Intuition.

Mit den besten Wünschen
Gudo Wafu Nishijima

Samstag, 9. Februar 2008

10. Erzeugt kein Unrecht! (Shoaku makusa)
Teil 2

10.“ Wir lassen das Recht und Unrecht, und Ursachen und Wirkungen sich selbst praktizieren. Dies bedeutet aber nicht, dass wir die Ursachen und Wirkungen stören oder sie absichtlich erzeugen. Manchmal sind es die Ursachen und Wirkungen selbst, die uns praktizieren.“

Grundprinzip:
Manchmal können wir das Richtige und Falsche praktizieren lassen und manchmal können wir Ursache und Wirkung praktizieren lassen. Dies bedeutet nicht, dass wir Ursache und Wirkung bewegen oder sie erzeugen. Die Situation ist umgekehrt, dass nämlich Ursache und Wirkung uns manchmal dazu bringen zu praktizieren.

Kommentar:
Sowohl Richtig und Falsch als auch Ursache und Wirkung sind die Zustände des Vegetativen Nervensystems (VNS) und beide sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick. Daher können beide niemals unterteilt werden in Richtig und Falsch oder Ursache und Wirkung einerseits und die Praxis andererseits. Alles ist immer wirkliches menschliches Handeln im gegenwärtigen Augenblick. Daher sollten wir denken, dass sich in der wirklichen Welt viele Arten von wirklichem Handeln ereignen, und es ist für uns notwendig zu denken, dass dies immer wirkliches Handeln ist. Dieses kann niemals mit Worten erklärt werden, und es in der Tat sehr vielfältige Handlungen in dieser Welt gibt.
[11]
11. „Wenn ihr dies so (gründlich) erfahrt und erforscht, verwirklicht sich das Unrecht als etwas (das gar nicht entstehen kann, weil ihr) es nämlich nicht erzeugt. Dank dieser Verwirklichung könnt ihr bis zum Grund vordringen, was es bedeutet, kein Unrecht zu tun und ihr könnt es entschlossen im Sitzen (der Zazenpraxis) verwirklichen. Denn genau in dem Augenblick, in dem es sich am Anfang, in der Mitte und am Ende verwirklicht, dass kein Unrecht erzeugt wird, gibt es (auch) kein Unrecht, das durch Ursachen und Umstände entstehen kann, (weil) es nämlich nicht erzeugt worden ist. Es gibt (dann auch) kein Unrecht, das durch Ursachen oder Umstände verschwinden könnte, (weil) es gar nicht erzeugt worden ist.“

Grundprinzip:
Wie wir im vorherigen Absatz erkannt haben, sind Ursache und Wirkung so beschaffen, dass sie nicht begangen werden, dass sie nicht erscheinen, nicht ewig, nicht verborgen und nicht verneint sind, aber vor allem dass sie vollständig frei sind. Wenn wir das Falsche untersuchen, offenbart es sich einfach als etwas, das nicht erzeugt wurde. Indem uns eine solche Wirklichkeit maßgeblich unterstützt, reift bei uns der klare Entschluss und wir können vollständig erkennen, dass Unrecht genau das ist, was wir nicht erzeugen. In dem Augenblick wird die Tatsache in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkannt, dass Unrechtes bedeutet, es nicht zu erzeugen. Wir erkennen, dass das Unrechte nicht durch Ursache und Wirkung entsteht, sondern einfach, dass es überhaupt nicht begangen wird. Das Unrecht verschwindet nicht durch Ursache und Wirkung, sondern dadurch, dass es nicht erzeugt wird.

Kommentar:
Falsches und Unrechtes sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick und sie sind genau das, was man lassen kann. Der Zustand, dass das Unrecht nicht erzeugt wird, wird nur durch unsere klare Sichtweise und unser entschiedenes Sitzen (im Zazen) erkannt. Genau zu der Zeit wird die Tatsache erkannt, dass Unrecht nicht erzeugt wird und zwar in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Unrecht erscheint nämlich nicht durch Ursache und Wirkung, sondern im Gegenteil genau dadurch, dass es nicht (von jemandem) begangen wird. Das Unrecht verschwindet auch nicht durch Ursache und Wirkung, sondern im Gegenteil, weil es nicht begangen wird.

12. „Wenn das Unrecht im Gleichgewicht ist, sind alle Dharmas im Gleichgewicht. Jene Menschen die (scheinbar) erkennen, dass das Unrecht durch Ursache und Wirkung entsteht, aber nicht klar sehen, dass sie selbst und diese Ursachen und Wirkungen der (Wirklichkeit von) dem Nicht-Erzeugen sind, sind bedauernswerte Menschen.“

Grundprinzip:
Wenn das Unrecht im Gleichgewicht ist, sind alle Dinge und Phänomene im Gleichgewicht. Aber jene Menschen die (scheinbar) erkennen, dass das Unrecht durch Ursache und Wirkung erzeugt wird, sind in der Tat bedauernswert. Sie sollten daher genau auf die wirklichen Ursachen und Umstände sehen und erkennen, dass die Menschen selbst das Unrecht erzeugen.

Kommentar:
Falsches und Unrechtes sind einfache Tatsachen im gegenwärtigen Augenblick und sie sind daher immer im Gleichgewicht. In ähnlicher Weise sind auch alle Dinge und Phänomene im gegenwärtigen Augenblick im Gleichgewicht. Wenn die Menschen also meinen, dass das Unrecht durch Ursache und Umstände erzeugt wird, sind sie sehr bedauernswert. Sie erkennen dann nicht, dass die Ursachen und Umstände nur etwas sind, welches das Unrecht nicht erzeugt, sondern dass solche Menschen selbst das Unrecht erzeugen.

13.“ Der Samen der Buddhaschaft entsteht aus Bedingungen, und da dies so ist, entstehen die Bedingungen aus den Samen der Buddhaschaft.“

Grundprinzip:
Die Samen der Buddhaschaft entstehen aus den Umständen und gleichzeitig entstehen die Umstände aus den Samen der Buddhaschaft.

Kommentar:
Die Samen der Buddhaschaft und die verschiedenen Umstände sind einfache Tatsachen direkt vor uns. Daher können wir sagen, dass die Samen der Buddhaschaft aus den Umständen entstehen und dass gleichzeitig die Umstände aus den Samen der Buddhaschaft entstehen.

14. „Das Unrecht ist weder existent noch nicht existent, sondern es wird erzeugt. Das Unrecht ist weder materiell noch immateriell, sondern es wird erzeugt. Es geht nicht um (um die Worte), das Unrecht nicht zu erzeugen, sondern um die konkrete Wirklichkeit, das Unrecht nicht zu erzeugen.“

Grundprinzip:
Es ist nicht wahr, dass das Unrecht nicht existiert, sondern es ist nichts anderes, als es nicht zu erzeugen. Es ist auch nicht wahr, dass das Unrecht existiert, denn es ist nichts anderes, als es nicht zu erzeugen. Das Unrecht ist weder immateriell noch materiell, sondern es bedeutet, es nicht zu erzeugen. Das Unrecht ist nicht ein abstraktes Wort: "Nicht-Erzeugen", sondern es ist genau die wirkliche Tatsache von "Nicht-Erzeugen".

Kommentar:
Wir können das wirkliche Vorhanden-Sein des Unrechts im gegenwärtigen Augenblick nicht leugnen. Aber wenn wir nicht irgendwelche Art von Unrecht im gegenwärtigen Augenblick erzeugen, ist es vollständig unmöglich, dass das Unrecht wirklich existiert. Wir können daher sagen, dass das Unrecht keine dauerhafte Entität ist, sondern nur eine Tatsache im gegenwärtigen Augenblick ist. Wenn wir es tatsächlich tun, existiert es wirklich im gegenwärtigen Augenblick, aber wenn wir nicht irgendeine Art von Unrecht begehen, kann es überhaupt nicht realisiert werden. Falsches und Unrechtes sind also keine abstrakten Vorstellungen und auch keine materiellen Substanzen, denn sie erscheinen nicht wirklich dauerhaft und für immer, wenn wir sie nicht erzeugen.

15. „Das Selbst ist weder existent noch nicht existent, sondern es ist (die Wirklichkeit), kein Unrecht zu erzeugen. Wenn wir auf diese Weise erfahren und erforschen, (was es bedeutet) kein Unrecht zu erzeugen, ist dies das verwirklichte Universum und es ist die allumfassende Verwirklichung. Wir betrachten es unter dem Blickwinkel des Subjekts und unter dem Blickwinkel des Objekts. Wenn ihr den obigen Bereich (der Wirklichkeit) schon auf diese Weise erreicht habt, ist sogar das Bedauern (etwas) erzeugt zu haben, das wir besser nicht erzeugt hätten, nichts anderes als die Kraft, die uns aus dem Streben erwächst kein Unrecht zu erzeugen.“

Grundprinzip:
Das Selbst ist keine (dauerhafte) Existenz und es ist keine (dauerhafte) Nicht-Existenz, sondern es ist nur (das Unrecht) nicht zu begehen. Das wirkliche Erfahren und Erforschen wie dies, ist genau das Universum, das bereits verwirklicht und auch die Verwirklichung des Universums ist. Dieses sollte subjektiv bedacht werden und es sollte objektiv bedacht werden. Selbst wenn die Situation in Wirklichkeit vermeidbar ist, etwas Unrechtes zu begehen, habe ich vielleicht doch den Fehler begangen, das Unrechte zu tun. Aber ein solches Verhalten des Bedauerns kann eine beachtliche Kraft werden, (das Unrecht) nicht zu erzeugen.

Kommentar:
Das Selbst übersteigt Vorstellungen von Existenz und Nichtexistenz und es ist genau das Nicht Erzeugen des Unrechts im gegenwärtigen Augenblick. Wenn wir eine solche Situation erkennen, ist es genau das verwirklichte Universum und es ist das Universum, das verwirklicht worden ist. Wir sollten dieses Problem vom subjektiven und vom objektiven Standpunkt aus bedenken. Auch die Situation, dass wir es bedauern, tatsächlich das Unrecht begangen zu haben und selbst wenn es für uns möglich gewesen wäre, es zu stoppen, das Unrecht zu begehen, kann eine solche Art von Bedauern eine Kraft werden, um das Unrecht zu tatsächlich stoppen.

16. „(Die Beziehung von) dem Unrechten und dem Nicht-Begehen ist sowohl dasselbe, als wenn ein Brunnen den Esel anschaut als auch, wenn ein Brunnen den Brunnen anschaut. Dasselbe gilt wenn ein Esel den Esel anschaut, ein Mensch einen Menschen anschaut und ein Berg einen Berg anschaut. Weil es die Lehre dieses Prinzips wechselseitiger Beziehungen gibt, sind das Falsche und das Unrechte, dasselbe wie das Nicht-Erzeugen und das Nicht-Begehen.“

Grundprinzip:
Unrecht und das Nicht-Begehen sind nicht zwei getrennte Faktoren und deren Beziehung zu einander, sondern es ist dasselbe, als ob ein Esel einen Brunnen anschaut und gleichzeitig der Brunnen den Esel anschaut (, denn beide sind nicht als Subjekt und Objekt getrennt). Es ist vielmehr genau eine ähnliche Situation, als wenn der Brunnen den Brunnen selbst anschaut, ein Esel einen Esel anschaut, ein Mensch einen Menschen anschaut und ein Berg einen Berg anschaut. Diese ist wie die Wirklichkeit selbst. Weil der Buddhismus auf einer ganz konkreten und spezifischen Grundlage lehrt gilt, dass das Unrechte genau dasselbe ist wie das Nicht-Begehen.

Kommentar:
Buddhismus ist nicht nur eine theoretische Lehre, sondern ist genau die Verwirklichung der einfachen Tatsache im gegenwärtigen Augenblick. Daher ist er immer die einfache Situation, dass das Unrechte oder Falsche nicht begangen wird.

Dienstag, 29. Januar 2008

10. Erzeugt kein Unrecht! (Shoaku makusa)
Teil 1
[3]
1.“ Ein ewiger Buddha lehrt:vielfältiges Unrecht nicht zu erzeugen,die vielen Arten des Rechten achtungsvoll zu tun,macht das Herz (und den Geist) auf natürliche Weise rein,dies lehren alle Buddhas.“
Grundprinzip:
Ein alter (großer Meister) und Buddha, der ewige Tugenden hat, sagt, dass wir nichts Unrechtes tun sollten, sondern das Richtige praktizieren. Wir können unsere Absichten auf ganz natürliche Weise reinigen. Solche Anweisungen sind die Lehre der alten Buddhas.
Kommentar:
Idealisten kennen diese Lehren (der praktischen Moral) nicht und schätzen vor allem spirituelle Ideen. Auch Materialisten kennen sie nicht und leugnen die Existenz der Moral. Aber buddhistische Realisten schätzen das moralische Handeln im gegenwärtigen Augenblick sehr.

[5]
2. "Wir behandeln jetzt das vielfältige Unrecht. Es gibt Recht, Unrecht und Neutrales (weder Recht noch Unrecht). Das Wesen des Unrechts ist es, nur ein Augenblick zu sein. Das Wesen des Rechten und des Neutralen usw. ist ebenfalls nur ein Augenblick. Recht, Unrecht und Neutrales sind so, wie sie sind, ohne dass etwas hinzugefügt oder weggenommen wird. Sie haben auch eine reale Form und offenbaren ihr Wesen an diesem Ort hier in vielen konkreten Einzelerscheinungen (Dharmas)."
Grundprinzip:
Das Falsche oder Unrechte, das wir jetzt untersuchen, gehört in den Zusammenhang von Richtigem, Falschem und Neutralem. Die besondere Eigenschaft des Falschen ist genau das Nicht-Erscheinen (, wenn es nämlich nicht vorhanden ist). Dies bedeutet, dass es genau die wirkliche Existenz im gegenwärtigen Augenblick ist, und daher hat es nicht das Kennzeichen von Erscheinen und Vergehen (als Prozess). Die Merkmale des Richtigen und Neutralen usw. haben auch keine Verbindung zu dem Erscheinen oder Vergehen, weil das Richtige und Neutrale usw. die wirkliche Situation im gegenwärtigen Augenblick ist. Daher gibt es ebenfalls keine Verbindung zum Erscheinen oder Vergehen. Sie sind ohne Verschmutzung und daher sind sie die Wirklichkeit selbst. In diesen drei Situationen gibt es außerordentlich viele Arten von Dingen und Phänomenen.
Kommentar:
Richtiges, Falsches und Neutrales sind einfache Eigenschaften im gegenwärtigen Augenblick und insofern haben sie keine Verbindung zum Prozess des Erscheinens und Vergehens (, die Veränderungen im Ablauf einer gedachten linearen Zeit voraussetzen). Sie haben keine Beziehung zur Verschmutzung, und sie sind selbst genau die Wirklichkeit. Und bei diesen drei Situationen, also Richtigem, Falschem und Neutralem, gibt es überaus viele Dinge und Phänomene, die als Universum existieren.

3. „Recht und Unrecht sind Zeit; Zeit ist nicht Recht oder Unrecht. Richtig und falsch ist der Dharma; der Dharma ist nicht richtig oder falsch. (Wenn) der Dharma im Gleichgewicht ist, ist das Falsche im Gleichgewicht. (Wenn) der Dharma im Gleichgewicht ist, ist das Richtige im Gleichgewicht.“
Grundprinzip:
Richtig und Falsch sind genau die Zeit im gegenwärtigen Augenblick, aber die Zeit selbst ist niemals richtig oder falsch. Richtig und Falsch sind Situationen im Universum, aber das Universum selbst hat nicht die Eigenschaft von Richtig und Falsch. Wenn das Universum im Gleichgewicht ist, ist das Falsche auch als Teil des Universums im Gleichgewicht und wenn das Universum im Gleichgewicht ist, ist auch das Richtige als Teil des Universums im Gleichgewicht.
Kommentar:
Richtig und Falsch sind Beschreibungen von Teilbereichen im Universum, aber das Universum selbst ist niemals eine Art von Richtig oder Falsch. Wenn das Universum im Gleichgewicht existiert, existiert auch das Falsche im Gleichgewicht und wenn das Universum im Gleichgewicht existiert, existiert auch das Richtige im Gleichgewicht.
[6]
4. „Wir hören von diesem höchsten Zustand des Bodhi manchmal, indem wir (guten) Lehrern folgen und manchmal den Sutras folgen. Zuerst hört man die Worte: "Erzeugt kein Unrecht." Wenn ihr nicht diese Worte hört, ist es nicht Buddhas wahrer Dharma, sondern es mag eher die Lehre von Dämonen sein. Denkt daran, dass es Buddhas wahrer Dharma ist, wenn die Lehre sich so anhört wie "erzeugt kein Unrecht."“
Grundprinzip:
Wir können die Chance haben, die höchste Wahrheit zu hören, indem wir manchmal guten Lehrern und manchmal den Sutra vertrauen. Zu Anfang heißt es: "Erzeugt kein Unrecht." Wenn es nicht wie "erzeugt kein Unrecht" lautet, kann dies niemals die wahre buddhistische Lehre sein, sondern es ist wohl eher die Lehre der Dämonen. Wir sollten daran denken, dass die Lehre, die lautet "erzeugt kein Unrecht" genau die wahre umfassende Lehre (des Buddha) ist.
Kommentar:
Die buddhistische Lehre sollte immer zuerst heißen: "Erzeugt kein Unrecht" und wenn sich daher einige Worte nicht so anhören, können diese niemals die wahre buddhistische Lehre sein, sondern sie sind die Worte von Dämonen. Wir sollten uns ganz klar daran erinnern, dass die Worte, die lauten "begeht nichts Unrechtes" genau die wahren Worte von Gautama Buddha sind.

5. „Wenn ihr die Lehre hört, welche die höchste Wahrheit verkündet, dann lautet sie: "Erzeugt kein Unrecht" und diese Lehre wurde von den Menschen nicht absichtlich erschaffen und dann beibehalten. Was so lautet sind Worte, welche die höchste Wahrheit ausdrücken und da dies schon die Sprache der Wahrheit ist, spricht sie die Wahrheit.“
Grundprinzip:
Die Worte "erzeugt kein Unrecht" können in dieser Form niemals durch die Anstrengungen gewöhnlicher Menschen erzeugt werden. Aber wenn man die Wahrheit als Ausdruck der großen Wahrheit hört, dann lauten die Worte so wie diese. Die Worte, denen wir wie diese zuhören, sind genau Ausdruck der höchsten Wahrheit. Sie sind genau die Worte der Wahrheit und daher lehren sie schon die Wahrheit.
Kommentar:
Die Lehren "erzeugt kein Unrecht" und "praktiziert die vielen Arten des Guten" sind niemals gewöhnliche menschliche Lehren, sondern sie sind insgesamt das Gesetz des Universums. Die Moral ist nicht menschliche Moral, sondern sie ist genau das Gesetz des Universums.

6. „Wenn es die Lehre des höchsten Zustandes des Bodhi wird und wenn wir dadurch verändert werden, dass wir es hören, dann hoffen wir, kein Unrecht zu erzeugen. Wir fahren fort, kein Unrecht zu erzeugen und das Unrecht wird dann weiterhin nicht begangen. In dieser Situation ist die Kraft der Praxis sofort verwirklicht. Diese Verwirklichung vollzieht sich im Bereich der ganzen Erde, der ganzen Welt, der ganzen Zeit und aller Dharmas und ihr Maßstab ist es, kein Unrecht zu erzeugen.“
Grundprinzip:
Wenn die höchste Wahrheit gelehrt und wenn den Lehren aufmerksam zugehört wird, hoffen wir, selbst kein Unrecht zu begehen und wir erzeugen tatsächlich nichts Unrechtes. Wenn die verschiedenen Arten des Unrechtes nicht begangen wurden, dann ist die Kraft das Handeln beim Praktizieren sofort verwirklicht. Diese Verwirklichung vollzieht sich tatsächlich durch die Erde, die Welt, durch die Zeit, durch das Universum. Der Umfang der Verwirklichung (der Wahrheit) ist genau der Umfang, nichts Unrechtes zu erzeugen.
Kommentar:
Weil sich die buddhistischen Lehren offenbaren, können wir sie hören. Dann bitten wir, kein Unrecht zu erzeugen und wir fahren fort das Unrechte zu vermeiden. Wenn wir selbst die Situation erkennen, dass wir ganz stark hoffen, überhaupt keine Möglichkeit zu haben etwas Unrechtes zu erzeugen, dann wird die Kraft verwirklicht, das Falsche zu vermeiden. Die Kraft der Praxis wird dann sofort verwirklicht. Der Reichweite dieses Phänomens umfasst die ganze Erde, die ganze Welt, die ganze Zeit und das ganze Universum. Wir können sagen, dass der Umfang einer solchen Verwirklichung genauso groß ist, wie der Umfang, das Unrechte nicht zu tun.

7. „Für Menschen, die in dieser Wahrheit leben, kann genau in diesem Augenblick überhaupt kein Unrecht erzeugt werden, selbst wenn sie an einem Ort leben und dort kommen und gehen, wo sie Unrecht erzeugen könnten. Dies gilt auch, wenn sie in Situationen sind, in denen sie eventuell Unrecht erzeugen könnten und auch, wenn sie mit Freunden verkehren, die offensichtlich Unrecht tun. Da die Kraft, das Unrecht zu vermeiden derart wirksam ist, kann sich das Unrecht nicht als Unrecht offenbaren und kann keine Eigenständigkeit entwickeln.“
Grundprinzip:
Von einem Menschen, der in der wirklichen Situation und in der wirklichen Zeit ist, können von ihm selbst keine unrechten Handlungen begangen werden. Dies gilt auch, wenn er an einem Ort oder beim Kommen und Gehen zu leben scheint, wo es für ihn scheinbar natürlich wäre, verschiedenartige Fehler zu machen. Dies gilt auch, wenn er mit Umständen konfrontiert ist, wo es ebenfalls für ihn eigentlich nahe liegend wäre, etwas Unrechtes zu begehen und wenn er mit Freunden zusammen ist, die Falsches tun. Dies ist so, weil die Fähigkeit, das Unrecht zu unterlassen, bereits verwirklicht wurde. Die verschiedenen Arten des Unrechtes können sich nämlich nicht selbst verwirklichen und sie haben auch nicht irgendwelche festen und dauerhaften Strukturen.
Kommentar:
Gute buddhistische Praktizierende haben niemals die leichtfertige Tendenz, Falsches zu tun. Daher können sie in jedem Fall aufhören, etwas Unrechtes zu tun, auch wenn es sehr gefährlich erscheint, dies zu erreichen.

8. „Es gibt die buddhistische Wahrheit des aktiven Tuns und des Geschehenlassens. Genau in diesem Augenblick wird die Wahrheit erkannt, dass das Falsche einen Menschen nicht verletzt und die Wahrheit wird geklärt, dass ein Mensch das Unrecht gar nicht beseitigen kann.“
Grundprinzip:
Es gibt die buddhistische Wahrheit, dass eine positive Handlung genau im jetzigen Augenblick getan wird und dass eine Handlung ebenfalls genau im gegenwärtigen Augenblick beendet wird. Und genau im gegenwärtigen Augenblick ist bekannt, dass das Falsche (als abstrakte Vorstellung) niemals einen Menschen (wirklich) verletzt und das Prinzip wird geklärt, dass ein Mensch nicht das Unrechte (als abstrakte Vorstellung) vernichtet.
Kommentar:
Im Buddhismus ist die einzige wirklich existierende Zeit genau der gegenwärtige Augenblick. Daher wird sowohl das aktive Handeln als auch das passive Geschehenlassen genau im gegenwärtigen Augenblick vollzogen. Eine solche Art des wirklichen Handelns im gegenwärtigen Augenblick, ob positiv oder negativ, ist die Einheit von Handeln und Mensch, der handelt, und es ist die Einheit des Geschehenlassens und eines Menschen, der nicht handelt. Daher verletzt das Unrecht niemals einen Menschen, der handelt und ein Mensch der handelt, bricht niemals zusammen.
[10]
9. „Im täglichen Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen müsst ihr gründlich diese Wahrheit bedenken: Wenn menschliche Wesen Buddhas und Vorfahren im Dharma werden, dann werden sie (erst) im Augenblick (ihrer Praxis) zu Buddhas und Vorfahren im Dharma, obgleich sie (die Fähigkeit) Buddha und Vorfahre im Dharma zu sein, schon immer uneingeschränkt hatten. Wenn ihr Buddha oder ein großer Meister werdet, bedeutet dies nicht, den Menschen in euch zu beseitigen, ihn zu beeinträchtigen oder ihn zu verlieren und dennoch habt ihr euch von eurem Ego befreit.“
Grundprinzip:
Wenn gewöhnliche Menschen Buddha oder Meister im Dharma werden, werden sie nicht durch die Tatsache beunruhigt, dass auch gewöhnliche Menschen normalerweise das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems schon in ihrem täglichen Leben aufrechterhalten. Aber gleichzeitig ist es notwendig für uns, dass wir das Prinzip bedenken, dass gewöhnliche Menschen durch ihr tägliches Leben, beim Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen Buddhas und große Meister werden können. Wenn gewöhnliche Menschen Buddhas und große Meister werden, zerstören, stehlen oder verlieren sie nicht ihre eigene Form als Menschen, sondern sie werden vollständig befreit vom Zustand als gewöhnlicher Mensch.
Kommentar:
Ein buddhistischer Meister zu werden bedeutet, ein dauerhaftes Gleichgewicht des Vegetativen Nervensystems (VNS) zu erlangen. Daher ist es kein Problem, dass auch gewöhnliche Menschen in ihrem Leben hin und wieder ein solches Gleichgewicht erlangen. Aber wir sollten gleichzeitig die Lehre bedenken, dass wir dauerhaft die Möglichkeit des Gleichgewichtes des VNS haben, wenn wir den ganzen Tag achtsam sind, also gehen, stehen, sitzen oder liegen.

Dienstag, 15. Januar 2008

9. Die Stimme des Tales und die Form der Berge (Keisei-sanshiki)

[209]

1. Wenn jeder von euch seine (einengende) Hülse entfernt, seid ihr nicht mehr durch frühere Ansichten und früheres Verstehen beschränkt und die Dinge und Zusammenhänge, die seit langen Zeitaltern unklar waren, offenbaren sich plötzlich vor euch.
Grundprinzip:
Wenn wir die vollständige Freiheit durch das Gleichgewicht des Vegetativen Nervensystems (VNS) verwirklicht haben, können wir den Zustand der Wirklichkeit erfahren, der sich nicht seit vielen Jahren für uns verwirklicht hat, indem wir unsere früheren Sichtweisen und unser früheres Verständnis überschreiten.
Kommentar:
Wenn wir nicht das Gleichgewicht unseres vegetativen Nervensystems (VNS) verwirklichen, bei dem es eine Gleichheit zwischen dem sympathischen Nervensystem (SNS) und dem parasympathischen Nervensystem (PNS) gibt, ist es für uns vollständig unmöglich, einen Zustand zu erreichen, wo die Funktionen beider Systeme sich gegenseitig ausgleichen. Dann gibt es ein Gleichgewicht von Plus- und Minus-Aktivitäten,die zu Null werden. Wenn unser SNS stärker ist, müssen wir idealistisch sein und wenn umgekehrt unser PNS überwiegt, müssen wir materialistisch sein. Dann ist es für uns unmöglich, das vollständige Gleichgewicht zu erfahren, das der ursprüngliche und natürliche Zustand von Frieden und Freude ist.
[210]
2. Wie bedauerlich, dass die Form der Berge und Flüsse (dem Laien Toba bis dahin) verborgen geblieben waren. Wir können uns aber freuen, dass es Augenblicke gibt, in denen sich die Ursachen und Umstände der (wirklichen) Stimmen und Formen in den Bergen und Wassern zeigen. Diese sich offenbarenden Zungen (Buddhas) erlahmen niemals. Wie könnte die Form des Körpers (einmal) existieren und (dann) verschwinden?
Grundprinzip:
Es ist sehr bedauerlich, dass die Berge und Flüsse manchmal ihre Stimme und Formen verbergen, aber es erfüllt uns gleichzeitig mit großer Freude, dass es eine Zeit, sowie Ursachen und Bedingungen gibt, in denen die Berge und Flüsse ihre Stimme und Form offenbaren. Die physischen Zungen der Flüsse scheinen niemals träge oder erschöpft zu sein. Wie ist es daher möglich für die physikalische Form der Berge, dass sie existieren oder verschwinden?
Kommentar:
Es ist in der Tat traurig, dass die Berge und Flüsse ihre wirkliche Form und Stimme nicht offenbaren können, weil unser eigenes vegetatives Nervensystem (und damit wir selbst) nicht im Gleichgewicht sind. Aber in der Wirklichkeit eines solchen Gleichgewichts offenbaren die Berge und Flüsse ihre (wahre) Form und ihre Stimme überaus reich und befriedigend. Selbstverständlich gibt es keine Trägheit oder Ermüdung bei den Bergen und Flüssen, und es gibt in ihrer physikalischen Form und Materie weder Existenz noch Verschwinden.
[215]
3. (Der große Meister Kyogen Chikan) verfasste die folgenden Verse:
Mit einem einzigen Schlag verlor ich alles (alte) Wissen,
nicht länger muss ich (gewaltsam) Selbst-Disziplin üben.
(Ich) offenbare das Verhalten des Weges der Alten.
Niemals mehr in Trübsal verfallen.
Nirgendwo die geringste Spur:
(Der Zustand) ist (wahres) und würdevolles Handeln jenseits von Klang und Form.
Menschen überall, welche die Wahrheit verwirklicht haben,
preisen alle (diesen) höchsten Zustand.
Er legte die Verse dem Meister Dai-i vor und dieser sagte: "Dieser Schüler ist vollendet."
Grundprinzip:
Schließlich verfasste der obige Meister die folgenden Verse:
Als ich den Klang des Aufpralls (auf den Bambus) hörte, habe ich mein Wissen sofort weggeworfen.
Seitdem wurde es für mich nicht mehr erforderlich, mich selbst willensmäßig zu steuern.
Mein Verhalten kann das gleiche Tun und Handeln der alten Meister offenbaren
und fällt überhaupt nicht zurück in einen verzweifelten Zustand.
Ich lasse niemals überhaupt an irgendeinem Ort eine (negative) Spur zurück.
Mein (wahres) und würdevolles Verhalten mag von vielen Menschen,
die bei der Wahrheit angekommen sind, in vielen Gegenden
als das beste Tun und Handeln unter den Besten gelobt werden.
Kommentar:
Als Meister Kyogen Chikan die Verse dem großen Meister Isan Reiyu (der auch Dai-i genannt wurde) vorlegte, sagte dieser: "Dieser Schüler ist bei dem Höchsten angekommen."

4. Es war Frühling und die Pfirsichbäume standen in voller Blüte. Als (Meister Reiun Shigon) sie erblickte, verwirklichte er plötzlich die Wahrheit. Er verfasste dieses Gedicht und legte es Meister Dai-i vor: Dreißig Jahre lang ein Wanderer auf der Suche nach einem Schwert. Wie viele Jahre fielen die Blätter und sprossen die Knospen?Mit einem Mal, als ich die Pfirsichblüten sah,bin ich direkt im Jetzt angekommen und habe keine Zweifel mehr.Der Meister Dai-i sagte: "Jemand, der durch die externen (Dinge) und Phänomene (in die Wahrheit) eingetreten ist, wird niemals zurückfallen oder zaudern."
Grundprinzip:
Es war Frühling und die Pfirsichbäume standen in voller Blüte. Als Meister Reiun Shigon diese großartige Szene der Felder sah, wo die Pfirsichblüten voll erblüht waren, verwirklichte und erkannte er plötzlich die Wahrheit selbst. Daher machte er das folgende Gedicht und legte es dem großen Meister Isan Reiyu (genannt Dai-i) vor.Als Wanderer habe ich dreißig Jahre lang etwas Scharfes wie ein Schwert gesucht.Während dieser Zeit fielen viele Male die Blätter der Bäume herab, und die jungen Triebe wuchsen in vielen Jahren.Als ich genau die wunderbaren Pfirsichblüten tatsächlich gesehen habe,bin ich im gegenwärtigen Augenblick angekommen und habe alle Zweifel weggeworfen.Meister Isan Reiyu (genannt Dai-i) sagte darauf:

"Ein Mensch, der durch die externen (Dinge) und Phänomene in die Wahrheit eingetreten ist, wird niemals zurückfallen oder zaudern".

Kommentar:
Meister Reiun Shigon hatte mehr als dreißig Jahre Zazen praktiziert, und eines Tages machte er einen Spaziergang in den Bergen zur Erholung. Als er am Fuße eines Berges Rast machte, sah er auf eine großartige Szenerie von Pfirsichblüten, die in den Feldern voll erblüht waren. Und dann wurde ihm klar, dass diese Welt wirklich existiert. Wir können daher annehmen, dass die Wirklichkeit sich manchmal durch die externe Welt offenbart.
[220]
5. Ein Mönch fragte Zen-Meister Chosa (Kei)shin:
"Wie können wir die Berge, Flüsse und die Erde dazu bringen, dass sie zu uns gehören?"
Der Meister sagte:
"Wie können wir uns selbst dazu bringen, dass wir zu den Bergen, Flüssen und der Erde gehören?"
Grundprinzip:
Eines Tages fragte ein Mönch Meister Chosa Keishin wie es für den Mönch möglich sei, dass sich die Berge, Flüsse und die Erde mit ihm identifizieren. Aber Meister Chosa Keishin lehrte den Mönch, dass er selbst mit den Bergen, Flüssen und der Erde identifiziert werden solle.
Kommentar:
Meister Dogen fügte bei seinem Kommentar zu den Worten von Meister Chosa hinzu, dass wir niemals in einer Trennung von Subjekt und Objekt denken sollten und auch nicht, dass die Natur das Objekt von uns selbst (als Subjekt) sei. Die obigen Worte hatte Meister Chosa als Lehre und Antwort auf die Frage des Mönchs gegeben.

[221]
6. Eines Tages fragte Shisen, der ein Lehrer einer philosophischen Sekte war, den Meister: "Wie kommt es, dass die reine Essenz plötzlich die Berge, Flüsse und die Erde entstehen lässt?" Der Meister antwortete auf diese Frage: "Wie kommt es, dass die reine Essenz plötzlich die Berge, Flüsse und die Erde entstehen lässt?"
Grundprinzip:
Eines Tages befragte der Theorie-Lehrer Shisen den Meister Roya Ekaku nach der reinen Essenz. Shisen gehörte einer philosophischen Sekte an, die den Buddhismus nur auf der Grundlage theoretischer Philosophie verstand. Der Meister klärte den Lehrer jedoch darüber auf, dass die reine Essenz genau dasselbe wie die Berge, Flüsse und die Erde sind, sodass es für uns nicht sinnvoll ist, die reine Essenz und die Natur in zwei Teile zu trennen. (Dies lehrte er, indem er genau die selbe Formulierung der Frage von Shisen einfach wiederholte).
Kommentar:
Meister Dogen gibt uns den Rat, die Wirklichkeit nicht in die reine Essenz und die Natur zu unterteilen, weil wir genau in der goldenen Wirklichkeit leben, wenn unser vegetatives Nervensystem im gegenwärtigen Augenblick im Gleichgewicht ist. (Dann gibt es eine solche Trennung nicht).

[222]
7. Denkt daran: Wenn es die Form der Berge und die Stimme des Tales nicht gäbe, hätte (Buddha) beim Hochhalten der Blume gar nichts gelehrt und (Meister Eka), der das Mark (des Dharma) erlangte, wäre nicht an seinem Platz stehen geblieben. Weil die Stimme des Tales und die Form der Berge diese Tugend besitzen, verwirklichen die Erde und alle Lebewesen gleichzeitig die Wahrheit. Es gibt viele Buddhas, die erwachen, wenn sie den hellen Morgenstern erblicken.
Grundprinzip:
Wir sollten uns daran erinnern, dass sich das Wichtigste (im Buddha-Dharma) nicht ereignen könnte, wenn es keine Form der Berge und nicht die Stimme der Flusstäler und der Natur geben würde. Es gäbe z. B. nicht Gautama Buddhas Lehrrede, als er einen Blumenstrauß hochhielt und die Natur damit bezeichnete und nicht das Verhalten von Meister Taiso Eka (bei der Dharma-Übertragung), als er sich dreimal vor Meister Bodhidharma verbeugte und (ohne Worte) auf seinen vorherigen Platz zurückging. Wir sollten daher denken, dass wir niemals dasselbe wie Gautama Buddha erfahren könnten und auch nicht sofort die Wahrheit verwirklichen könnten, wenn es nicht die Grundlage der Natur gäbe. Es wäre auch völlig unmöglich, dass irgendjemand die Wahrheit verwirklichen könnte, wenn er nicht wie Gautama Buddha den hellen Stern erblicken würde.
Kommentar:
Kurz gesagt ist es völlig ausgeschlossen, dass sich irgendwelche religiösen Tatsachen überhaupt ereignen können, wenn es nicht die Natur (als Wirklichkeit) gibt.

8. Obgleich die Menschen ein Leben empfangen haben, haben sie kein Verlangen nach dem Dharma zu streben, allein um des Dharma willen. Wenn sie den wahren Dharma sehen, werden sie (leider) an dem echten Drachen zweifeln und wenn sie dem wahren Dharma begegnen, werden sie diesen ablehnen.
Grundprinzip:
Obgleich die Menschen ihr eigenes wertvolles menschliches Leben erhalten haben, haben sie oft nicht das Bestreben, das wahre Gesetz des Universums zu erlangen. Wenn sie daher dem Gesetz des Universums begegnet sind, haben sie Zweifel an der wirklichen Wahrheit. Auch wenn sie der Wahrheit selbst schon begegnet sind, sind sie manchmal wegen ihrer eigenen Ignoranz vor der Wahrheit geflohen.
Kommentar:
Obgleich wir als menschliche Wesen geboren wurden, haben wir manchmal überhaupt kein Bestreben, die große Wahrheit zu erlangen, sodass wir meist daran scheitern, bei der Wahrheit tatsächlich anzukommen. Ein anderes Mal verpassen wir zwangsläufig unsere große Chance, die Wahrheit tatsächlich zu erlangen, weil unser Verhalten schlecht ist, und wir kein wirkliches Leben als Mensch führen.

9. Wenn die Menschen aber einmal den Bodhi-Geist in sich erweckt haben, führen die Ursachen und Umstände ihres Lebens doch (automatisch) zu dem wahren Handeln und zu dem Bestreben nach der Wahrheit, auch wenn sie immer noch die sechs Zustände und die vier Arten der Geburten durchlaufen müssen. Diese werden insgesamt zu den Handlungen und Gelöbnissen des Bodhi-Zustandes.
Grundprinzip:
Auch nachdem wir den Willen zur Wahrheit erweckt haben, mag es häufig vorkommen, dass wir unrechte Handlungen nicht vermeiden können, und zwar die sechs Arten der Hölle, nämlich der hungrigen Geister, der Tiere, der zornigen Dämonen, der Menschen und der Götter oder die vier Arten der Geburt, nämlich aus dem Mutterleib, aus Eiern, aus der Feuchtigkeit und Metamorphose. Auch wenn es unmöglich ist, diese verschiedenen Ursachen und Umstände zu vermeiden, werden sich diese in den Lebenszyklen insgesamt in solche Handlungen und Gelöbnisse umwandeln, die zur Wahrheit führen.
Kommentar:
Auch wenn wir damit bereits begonnen haben, überaus sorgfältig nach der Wahrheit zu streben, ist es für uns vollständig unmöglich, ganz zu vermeiden, dass wir uns falsch oder schlecht verhalten. Meister Dogen gibt uns jedoch den freundlichen Trost, dass unsere Fehler, die wir begangen haben, sogar die Ursachen und Bedingungen dafür werden, dass wir in unserem Leben bei der Wahrheit ankommen. Dies gilt wie gesagt auch für die Fehler, die wir begangen haben, nachdem wir den Willen zur Wahrheit bereits erweckt haben.

10. Seit der Zeit des Tathagata bis zum heutigen Tag haben viele Menschen anscheinend geglaubt, dass es das Wesentlich für das Studium des Weges sei, nach Ruhm und Profit zu streben. Wenn solche Menschen jedoch der Lehre eines wahren Meisters begegnen, sich verändern und nach dem wahren Dharma streben, werden sie auf natürliche Weise die Wahrheit verwirklichen.
Grundprinzip:
Seit der Zeit, als Gautama Buddha in dieser Welt weilte und bis zum heutigen Tag, gab es sehr viele Menschen, die anscheinend dachten, dass es für sie beim Streben nach der Wahrheit die wichtigste Aufgabe sei, erfolgreich Ruhm und Profit zu erlangen. Wenn sie jedoch glücklicherweise einem wahren Meister begegnet sind, und sie nach dem wahren Dharma streben, indem sie ihre ursprünglichen Absichten ändern, mögen sie die Wahrheit in einem natürlichen Prozess erlangen.
Kommentar:
Es gibt sehr viele buddhistische Praktizierende, die ihr buddhistisches Studium begonnen haben, um weltlichen Ruhm und ökonomischen Profit zu erlangen. Wenn sie jedoch sogar in solchem Fall der wahren Lehre eines hervorragenden Meisters begegnen, und wenn sie nach dem großen Gesetz des Universums streben, können sie auf natürliche Weise die Wahrheit erlangen, indem sie ihre ursprünglichen niedrigen Absichten ändern.

11. Außerdem solltet ihr eure Entschlossenheit am Anfang eures freudigen Strebens nach der Wahrheit niemals vergessen. Dass heißt, wenn ihr am Anfang den Willen (zur Wahrheit) erweckt habt, sucht ihr nicht den Buddha-Dharma aus Angst vor den anderen. Ihr strebt dann nicht nach Ruhm und Profit, die ihr (schon) hinter euch gelassen habt und ihr wollt einzig die Wahrheit erlangen.
Grundprinzip:
Wir sollten niemals die Zeit vergessen, als wir uns entschieden hatten, zum ersten Mal aufrichtig nach der buddhistischen Wahrheit zu streben. Damals wollten wir überhaupt nicht nach der Wahrheit streben, um den Beifall anderer zu bekommen, sondern wir haben die ganze Gier nach Ruhm und Profit bereits vollständig weggeworfen. Unsere aufrichtige Hoffnung ist es, niemals (vordergründigen) Ruhm und Profit zu ergattern, sondern nur die große Wahrheit zu erlangen.
Kommentar:
Wenn wir uns an die Zeit erinnern, als wir Mönch oder Nonne wurden, so haben wir damals überhaupt nicht daran gedacht, irgendeine Art von Ruhm oder Vorteil für uns selbst zu erlangen. Wenn wir daher später in unserem buddhistischen Leben gierig wurden Ruhm und Profit zu ergattern, sollten wir uns wieder an jene Zeit erinnern, als wir einen so aufrichtigen und reinen Geist hatten, nach der Wahrheit zu streben. Dann ist es für uns möglich, unseren Geist zu erneuern, nur die Wahrheit anzustreben, und wir können zu dem freudigen Zustand zurückfinden, als wir unseren ursprünglichen Willen zur Wahrheit erweckt hatten.

[230]
12. Ein alter Buddha sagte: "Habt keinen vertraulichen Umgang mit Königen, Prinzen, Ministern, Herrschern, Brahmanen und weltlichen (wichtigen) Menschen. Wenn ihr den Buddhaweg erlernen wollt, dürft ihr diese wahre Form des Verhaltens nicht vergessen. (Nachdem) die Bodhisattvas begonnen haben (den Buddha-Weg) zu erlernen, wird sich ihre Tugend im Einklang mit ihrem Fortschritt vermehren."
Grundprinzip:
Gautama Buddha, der Buddha der Vergangenheit, sagte
"Habt nicht einen zu engen Kontakt zu Königen, Prinzen, Ministern, hohen Offizieren, Brahmanen oder (bedeutenden) Laien."
Ein solches Verhalten sollte niemand vergessen, der ehrlich nach der buddhistischen Wahrheit strebt. Die Tugend der Bodhisattvas wird sich auch vermehren, wenn sie noch am Anfang ihres Weges sind, und diese Idee nicht vergessen. Die Tugend wird sich dann stärker als eigentlich möglich weiter vermehren, wenn sie der Lehre weiter folgen.
Kommentar:
Gautama Buddha lehrte uns, dass wir als buddhistische Mönche niemals zu sehr mit Königen, Prinzen, Ministern, hohen Offizieren, Brahmanen oder bedeutenden Laien vertraut sein sollten. Meister Dogen äußert ganz klar, dass diese Lehre für buddhistische Praktizierende am Anfang außerordentlich wichtig ist. Wenn sie dieser Lehre des Gautama Buddha aufrichtig folgen, wird der Fortschritt ihres buddhistischen Weges und Studiums viel schneller vor sich gehen als sonst üblich.

[232]
13. Ferner gab es schon seit alten Zeiten den Gott Indra, der erschien, um die Entschlossenheit der Übenden auf die Probe zu stellen. Es gab aber auch die Todes-Dämonen, die umgekehrt ihre Praxis verhindern wollten. Dies geschah immer dann, wenn die Übenden sich nicht von dem Willen nach Ruhm und Gewinn befreit hatten. Wenn das große Mitgefühl und das große Erbarmen tief sind, und eure Gelübde, alle Lebewesen zu erlösen, gereift sind, treten solche Hindernisse nicht auf.
Grundprinzip:
Weiterhin prüfte der Gott Indra verschiedentlich die Entschlossenheit der Übenden, aber die Dämonen versuchten im Gegensatz dazu, die Praxis zu verhindern. Dieses ereignete sich immer dann, wenn die Übenden den Willen nach Ruhm und Profit noch nicht aufgegeben hatten. Wenn aber der Geist der Übenden weder an Ruhm noch an Gewinn haftet, gibt es solche Hindernisse überhaupt nicht, weil der Geist des großen Erbarmens und großen Mitgefühls von Gautama Buddha so fest und tief gegründet ist.
Kommentar:
Als ich in jungen Jahren der Lehre von Meister Dogen begegnete, war ich überaus beeindruckt von ihrer Großartigkeit. Aber es gab ein einziges Problem bei seiner Lehre für mich, dass er es nämlich streng ablehnt, dass wir Ruhm und Gewinn erlangen wollen. Als ich damals seine Einstellung studierte, war ich sehr beunruhigt, weil ich sehr ehrgeizig war, für mich Ruhm und Gewinn zu erlangen. Daher war es für mich recht schwierig zu verstehen, warum Meister Dogen uns so sehr mahnt, das Streben nach Ruhm und Gewinn aufzugeben. Später habe ich jedoch immer klarer erkannt, dass das Erreichen einer hohen sozialen Position oder das Ansammeln von Reichtum nur dann nützlich ist, wenn man diese als Hilfsmittel für etwas anderes Wichtigeres in seinem menschlichen Leben benutzt. Aber es muss ausgeschlossen werden, dass Ruhm und Reichtum selbst das Ziel des Lebens sind. Es mag daher durchaus für uns wichtig sein, eine soziale Position oder Geld als Hilfsmittel für etwas anderes zu erwerben. Wenn wir aber in unserem Leben nach Ruhm oder Gewinn als eigenständiges Ziel und als Selbstzweck streben, werden wir am Ende unseres Lebens zwangsläufig sehr deprimiert und enttäuscht sein. Auch wenn wir das Ziel von Ruhm und Gewinn erreicht haben, ist es sehr traurig, dass wir niemals das größere Ziel der Wahrheit in unserem Leben erreicht haben.

[233]
14. Im Allgemeinen kann das idealistische und romantische Denken eines Anfängers die Buddha-Wahrheit nicht erfassen. Er stellt zwar Vermutungen über sie an, die aber ihr Ziel verfehlen. Selbst wenn ihr die Wahrheit zu Beginn nicht ergründen könnt, dürft ihr deshalb das vollkommene Erwachen nicht in Frage stellen.
Grundprinzip:
Allgemein gesagt kann das gefühlsbetonte und romantische Denken eines Anfängers die Wahrheit Buddhas zunächst nicht ausloten. Daher ist es normalerweise für Anfänger unmöglich, den höchsten Inhalt der buddhistischen Wahrheit zu ermessen. Tatsächlich kann der Anfänger aber schließlich bei den wahren buddhistischen Erkenntnissen ankommen und dies ist meist eine wirkliche Tatsache.
Kommentar:
Für Anfänger ist es daher notwendig anzunehmen, dass sich ihre Vorstellungen und Überlegungen zur höchsten buddhistischen Lehre zunächst vom wahren Buddhismus unterscheiden. Aber es ist für sie sehr sinnvoll, sich deswegen keine Sorgen zu machen, weil sie schließlich bei dem wahren Buddhismus ankommen, nachdem sie sich angestrengt haben, diesen zu erreichen.

15. Die innere Tiefe des vollkommenen Zustandes geht noch weit über das vordergründige Bewusstsein des Anfängers hinaus. Zuerst solltet ihr den Weg der alten Heiligen durch eigenes praktisches Handeln gehen. Zu dieser Zeit müsst ihr Berge ersteigen und Ozeane überqueren, um die Lehre aufzusuchen und die Wahrheit zu erforschen. Wenn ihr wirklich einen Meister und Lehrer sucht und ihn herbeisehnt, steigt er vom Himmel herab oder kommt aus der Erde hervor.
Grundprinzip:
Der tiefgründige Zustand der erfahrenen buddhistischen Praktizierenden unterscheidet sich grundsätzlich von dem noch oberflächlichen Wissen der Anfänger. Die Anfänger sollten daher sich anstrengen, um in die Fußspuren der früheren erfahrenen Buddhisten zu treten. In einer solchen Situation suchen wir einen Meister, um nach der Wahrheit zu streben, manchmal müssen wir dazu steile Berge hinaufsteigen und sogar Leitern benutzen oder wir müssen auf dem Ozean unseren Weg suchen. Wenn wir jedoch einen hervorragenden Meister aufrichtig suchen und mit ganzem Herzen hoffen, einem ausgezeichneten Lehrer zu begegnen, dann werden sie „vom Himmel fallen oder von der Erde aufsteigen“.
Kommentar:
Die wunderbaren Traumbilder von der Erleuchtung bei Anfängern sind im Buddhismus vollständig verschieden von der höchsten Verwirklichung des wahren Buddhismus im Zustand des Vollkommenen. Die Anfänger im Buddhismus sollten daher ihre eigenen fantasievollen Träume über Bord werfen, und es mag für sie sicher der beste Weg sein, in die Fußspuren der früheren hervorragenden Meister einzutreten. Mit einer solchen Haltung streben wir nach der großen buddhistischen Wahrheit, auch wenn es viele Probleme und schwierige Situationen geben mag, aber wir können schließlich bei der höchsten Wahrheit ankommen.

[236]
16. Ferner solltet ihr aufrichtig vor dem Buddha bekennen, wenn der Geist oder das Fleisch träge werden und ihr zweifelt. Wenn ihr dies tut, wird die Kraft und Tugend des Bekennens vor dem Buddha euch erlösen und euch reinigen.
Grundprinzip:
Wenn unser Körper und Geist träge werden und Zweifel aufkommen, sollten wir unsere Trägheit und unser Misstrauen mit ganzem Herzen vor Gautama Buddha selbst offen legen. Dann wird uns die Tugend und Kraft des Eingeständnisses unserer Trägheit und unseres Misstrauens vor Gautama Buddha retten und uns reinigen.
Kommentar:
In unserem täglichen Leben neigen wir manchmal dazu, das Vertrauen in den Buddhismus zu verlieren. Aber in einer solchen Situation sollten wir dies vor dem Bild von Gautama Buddha offen zugeben und gerade ein solches Verhalten schützt uns tatsächlich vor Trägheit und Misstrauen. Es ist wirklich überraschend, dass auch Meister Dogen dieses als Tatsache zugegeben hat.

17. Lasst mich teilhaben an ihrem Mitgefühl. In der Vergangenheit waren die Buddhas und Vorfahren im Dharma (so wie) wir. In der Zukunft mögen auch wir buddhistische Meister werden.
Grundprinzip:
Gib mir bitte deine Güte und dein Mitgefühl! Auch Gautama Buddha war genauso wie wir, bevor er die Wahrheit verwirklich hatte und auch wir sind genau so Schüler beim Streben nach der Wahrheit. Daher ist es nicht nur eine Art von Traum für uns, in Zukunft ein Buddha zu werden.
Kommentar:
Nicht nur Gautama Buddha, sondern alle Buddhas waren gewöhnliche Menschen, bevor sie dann Buddha wurden. Wir müssen uns daher keine Sorgen darüber machen, ob wir Buddha werden können oder nicht.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Wenn die Beine und Füße einschlafen

Hello,

ich habe eine ganz einfache Frage: Wenn ich Zazen praktiziere schlafen mir die Beine und Füße ein. Sie werden vollkommen taub. Ich bin beunruhigt, ob das gut oder schlecht ist.
Ich kann mein Blut mit Gewalt in die Beine pressen und manchmal verhindert das die Taubheit, aber diese gewaltsame Anstrengung scheint eben so schlecht zu sein, als wenn die Beine einschlafen. Ich sitze jetzt normaler Weise 30 Minuten, aber mich irritiert das Ganze und ich beende dann die Meditation. Ich möchte länger sitzen. Was soll ich tun?

Vielen Dank
Matthew.


Lieber Matthew San,

recht herzlichen Dank für Ihre Frage. Meine Antwort lautet wie folgt:
Wenn wir zu Anfang mit der Zazen-Praxis beginnen, bekommt fast jeder gefühllose und taube Beine und Füße.
In diesem Fall ist es besser, die gekreuzten Beine von rechts nach links zu wechseln, also umzusetzen, wenn dies notwendig ist.
Durch die Praxis des Zazen werden sich unsere Beine und Füße daran gewöhnen. Dann werden sich diese Probleme Tag für Tag verringern und schließlich auflösen.

Gudo Wafu Nishijima

Donnerstag, 6. Dezember 2007

8. Sich niederwerfen und das Mark erlangen (Raihai-tokuzui).
[169]
1. Wenn ihr das höchste vollkommene Erwachen (anuttara-samyak-sambodhi) übt, ist es das Schwierigste, einen Lehrer zu finden, der euch auf dem Weg führt. Obwohl dieser Lehrer jenseits der Gestalt eines Mannes oder einer Frau ist, muss er sich selbst meistern und steuern und auch ein Mensch sein, der das Unfassbare ist. Ein solcher Mensch gehört nicht zur Vergangenheit oder Gegenwart, sondern er ist ein guter Lehrer, der den Geist eines wilden Fuchses hat.

Grundprinzip: Wenn ihr Zazen praktiziert, um die höchste Wahrheit zu erlangen, mag es das aller Wichtigste sein, einen ausgezeichneten Lehrer zu finden, der den wahren Buddhismus lehrt. Es ist unwichtig, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Der Meister muss stabil und im Gleichgewicht und ein wahrer Mensch sein, den man schwer mit Worten beschreiben kann. Er oder sie sollte nicht durch Umstände aus der Vergangenheit eingegrenzt sein, aber ein sehr angenehmer Leiter für die buddhistischen Schüler und eine Art von scharfem und wunderbaren Witz haben.

Wenn wir Buddhismus studieren wollen, ist es das aller Wichtigste, einen wirklich hervorragenden buddhistischen Meister zu finden. Dies kann niemals dadurch festgelegt werden, dass es ein Mann oder eine Frau ist. Es sollte sich unbedingt um einen Menschen handeln, der immer im Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems lebt und es muss ein starker und stabiler Mensch sein. Gleichzeitig sollte die Meisterin oder der Meister ein wirklich wahrer humanistischer Mensch sein, und es mag wohl schwierig sein, eine solche Persönlichkeit einfach einzustufen oder einzuschätzen. Wichtig ist auch, dass Einflüsse aus der Vergangenheit keine große Rolle spielen und nicht zu Einschränkungen führen. Sie oder er sollten die Schülerinnen und Schüler gründlich und mit Einfühlungsvermögen leiten.

[170]
2. Auf diese Weise sollten wir lernen, (achtsam wie) auf Zehenspitzen zu gehen und das Feuer auf unserem Kopf zu löschen. Wenn wir uns so verhalten, werden wir nicht durch beleidigende Dämonen verletzt. Der Vorfahre im Dharma, der sich den Arm abtrennte und das Mark erlangte, ist niemals ein anderer (als wir) und der Meister, der frei von Körper- und –Geist wird, ist schon so wie wir selbst.

Grundprinzip: Daher sollten wir Gautama Buddhas ehrlichen Anstrengungen folgen, der auf Zehenspitzen (also achtsam und vorsichtig) in seinem täglichen Leben ging, und wir sollten so aufrichtig und offen sein, als wenn wir in einer sehr gefährlichen Lage sind, als ob unser eigenes Haar brennt. Wenn wir uns so ehrlich verhalten, mag es für uns unmöglich sein, dass wir in eine üble Situation kommen und von beleidigenden Dämonen verletzt werden. Der Vorfahre Meister Taiso Eka, der seinen Arm abtrennte, um seine Aufrichtigkeit und Entschlossenheit zu zeigen, dass er nach der Wahrheit strebt, ist niemals ein anderer als ich oder Meister Dogen, diese haben ihre Sorge und ihre Fixierung auf Körper und Geist über Bord geworfen, weil sie im Gleichgewichts des vegetativen Nervensystems waren, und sie haben sich daher niemals von uns unterschieden.

Indem wir nach der Wahrheit streben, und zwar so ausdauernd und sorgsam wie Gautama Buddha, Meister Taiso Eka und Meister Dogen usw., können wir genauso ein Mensch werden wie diese Meister.

3. Da dies so ist, sollten wir hoffen, dass auch die Bäume und Steine uns lehren mögen und wir sollten hoffen, dass auch Felder und Dörfer zu uns reden und uns lehren sollten. Wir sollten die außen stehenden Pfeiler (des Tempels) fragen und wir sollten auch die Zäune und Mauern untersuchen.

Grundprinzip: In diesem Zusammenhang sollten wir erwarten, dass uns auch die Bäume und Steine die Wahrheit von Gautama Buddha lehren und auch Felder und Dörfer uns seine Lehren vortragen mögen. Wir sollten die Pfeiler, die außen an den Tempeln stehen, befragen und wir sollten die buddhistische Wahrheit auch in Zäunen und Mauern suchen.

Die wirkliche Welt oder das Universum ist selbst genau die Wahrheit und daher lehren die Bäume und Steine immer die Wahrheit des Universums und auch die Felder und Dörfer tragen uns immer die wirkliche Situation der Welt vor. Wir sollten die Pfeiler, die außerhalb stehen, fragen, was das Universum ist und wir sollten den Zäunen und Mauern zuhören, was die Welt wirklich ist.
[176]
4. Vor langer Zeit erweckte in der Tang-Dynastie der große Meister Shinsai Joshu den Geist und machte sich als Wanderer auf den Weg. In einer (bekannten) Geschichte sagt er: "Ich werden jeden fragen, der mehr weiß als ich, also auch ein Kind von sieben Jahren und ich werde jeden lehren, der weniger weiß als ich, also auch einen Menschen von hundert Jahren."

Grundprinzip: Meister Joshi Jushin, der in der Tangdynastie großer Meister Shinsai von Joshu genannt wurde, sagte, als er den Willen erweckte nach der Wahrheit zu streben: "Auch wenn ein Mensch, der bei der Wahrheit angekommen ist, nur sieben Jahre alt ist, möchte ich ihn oder sie bitten, mich ohne Zögern die buddhistische Wahrheit zu lehren, wenn er oder sie beim Studium des Buddhismus fähiger ist als ich. Ich würde auch jemanden die buddhistische Wahrheit lehren, wenn er oder sie hundert Jahre alt ist, wenn er oder sie beim Studium des Buddhismus noch nicht so weit ist wie ich."

Es hat keine Bedeutung, ob ein Mensch alt ist oder nicht, wenn er tatsächlich die Wahrheit erlangt hat. Daher hatte Meister Joshu entschieden, dass er bei einem Menschen, der bei der Wahrheit angekommen war, unbedingt den Buddhismus erlernen würde, auch wenn dieser erst sieben Jahre alt war und er so unter einem sehr jungen Menschen lernen würde. Meister Joshu wollte auch einem Menschen, der bereits einhundert Jahre alt war, ohne Zögern den Buddhismus lehren, wenn er oder sie die buddhistische Wahrheit nicht erlangt hatte. Wir können daher sagen, dass es nicht von großem Wert ist, ob wir jung oder alt sind, dass es aber von größter Wichtigkeit in unserem menschlichen Leben ist, ob wir die buddhistische Wahrheit erlangt haben oder nicht.
[178]
5. Die Niederwerfung vom Zen-Meister Shikan und das Streben nach dem Dharma unter der Nonne Matsuzan Ryonen sind ausgezeichnete Beispiele für einen entschlossenen Geist und die Reinheit, die von den Schülern späterer Zeiten nachgeahmt werden sollten. Wir können sagen, dass er alle Hindernisse aufgebrochen hat, große und kleine.

Grundprinzip: Obgleich Meister Kankei Shikan ein erwachsener Mönch war, wurde er Schüler der Nonne Matsuzan Ryonen. Dies verdeutlicht, dass diese Nonne ganz ausgezeichnet im Studium des Buddhismus war und dass der Wille zur Wahrheit bei Meister Kankei Shikan außerordentlich stark war. Wir können daher sagen, dass die Beispiele von Meister Kankei Shikan und Matsuzan Ryonen hervorragend sind wegen ihrer Einheit und Klarheit und wir sollten dies außerordentlich hoch schätzen.

Es ist überhaupt nicht von Bedeutung, ob wir Mann oder Frau und ob wir alt oder jung sind. Aber es ist für die Menschen eine außerordentlich wichtige Tatsache, ob sie bei der höchsten Wahrheit angekommen sind oder nicht.
[180]
6. Daher sollte auch heute ein bestimmter Mönch gefragt werden, der den Dharma erlangt hat, wenn die Stelle eines Meisters oder eines Meister-Assistenten frei ist, ob er diese Aufgabe übernimmt. Es gilt auch, wenn ein Mönch alt an Jahren und Erfahrung ist, folgendes: Welche Bedeutung hat dies alles, wenn er den Dharma wirklich erlangt hat? Der Leiter der Mönche muss immer auf seinen klaren Augen aufbauen (können).

Grundprinzip: Auch heute sollte eine Nonne, die den Dharma erlangt hat, gefragt werden, ob sie die Stelle eines Meisters oder eines Meister-Assistenten, die frei ist, übernehmen will. Selbst wenn ein Mönch im fortgeschrittenen Alter ist und entsprechende Erfahrungen hat, ist es nicht angemessen für ihn, dass er als möglicher Nachfolger eine wertvolle Position im Tempel einnimmt, wenn er den Dharma nicht erlangt hat. Es ist für einen Leiter eines Tempels immer notwendig, dass er in dem klaren Zustand (von Körper und Geist) angekommen ist und die Wahrheit erlangt hat.

In der sozialen Gesellschaft gibt es die übliche Neigung, dass Männer höher als Frauen eingeschätzt werden, aber in der buddhistischen Gesellschaft sollten sich Männer und Frauen an ihrer Gleichberechtigung im täglichen Leben erfreuen. Bei dieser Frage kann eine Frau manchmal die Stellung eines Tempel-Meisters übernehmen. Umgekehrt ist es in einer solchen Situation für einen Mann nicht immer angemessen, Meister des Tempels zu werden, selbst wenn er schon lange Mönch ist.

7. In Bezug auf das Erlangen der Wahrheit gilt, dass Männer und Frauen die Wahrheit erlangen, und wir sollten jeden einzelnen Menschen ganz hoch schätzen, der den Dharma erlangt hat. Diskutiert nicht über Männer und Frauen. Dies ist die (höchste und) feinste Dharma-Ebene des Buddhismus.

Grundprinzip: Das Erlangen der Wahrheit steht sowohl Männern als auch Frauen offen und daher sollten wir den bestimmten Menschen schätzen, der das Gesetz des Universums erlangt hat, ganz gleich, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Wir sollten überhaupt niemals darüber diskutieren, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Uns sollte klar sein, dass dieses Grundprinzip genau das höchste Kennzeichen des Buddhismus ist.

In der menschlichen Gesellschaft schätzen wir historisch gesehen Männer sehr viel mehr als Frauen. Aber eine solche Ungleichheit von Männer und Frauen hat ihre Ursache eher in den früher ökonomisch knappen Bedingungen der menschlichen Gesellschaft, und daher sollte diese (unsinnige) Situation schrittweise verbessert werden. Sie sollte sich auch an die jetzigen ökonomischen Bedingungen anpassen, die besser werden. In den buddhistischen Gruppen sollten wir sehr viel Sorgfalt darauf verwenden, um uns bei unseren Bemühungen an das jeweils Bessere anzupassen.
[187]
8. Wenn (ein Mensch) den Dharma praktiziert und von dem Buddha-Dharma redet, führt auch ein Mädchen von nur sieben Jahren als Lehrerin die vier Gruppen (Mönche, Nonnen, Männer und Frauen als Laien), sie ist die wohlwollende Mutter aller Lebewesen.

Grundprinzip: Wenn ein Mensch das Gesetz des Universums praktiziert und von Gautama Buddhas Lehren redet, ist auch ein Mädchen von sieben Jahren eine leitende Lehrerin für die vier Gruppen, nämlich Mönche, Nonnen sowie Männer und Frauen als Laien und sie ist die wohlwollende Mutter aller Lebewesen.

Ob es sich um einen alten oder jungen Menschen oder einen Mann oder eine Frau handelt, hat für uns keine Bedeutung, wenn er ein guter Lehrer von Gautamas Buddh-Dharma ist. Das Wichtigste ist ein guter buddhistischer Lehrer zu sein, der den Zuhörern die Lehre Gautama Buddhas sehr gut vortragen kann.
[188]
9. Ein anderes Beispiel: Seit den alten Zeiten sind Frauen in Japan und China (große) Kaiserinnen gewesen. Das ganze Land ist im Besitz einer solchen Kaiserin und alle Menschen werden ihre Bürgerinnen und Bürger. Die Wertschätzung bezieht sich dabei nicht auf ihre Person, sondern gilt der Stellung (und Aufgabe). In gleicher Weise wurde eine Nonne nicht als bestimmte Person geschätzt, sondern sie wurde nur dafür geachtet, dass sie die Wahrheit und den Dharma erlangt hatte.

Grundprinzip: In einem anderen Beispiel sind Frauen seit den alten Zeiten in Japan und China Kaiserinnen gewesen, und in diesem Fall gehörte das ganze Land der Kaiserin. Alle Menschen sind ihre Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Aber so etwas hat sich nicht als Wertschätzung für die individuelle Person ereignet, sondern ist die Achtung und Wertschätzung für ihre Stellung. In gleicher Weise wird im Falle einer Nonne nicht die individuelle Person geschätzt, sondern sie wird deshalb so außerordentlich anerkannt, weil sie die Wahrheit erlangt hat.

Die Achtung und Wertschätzung einer Nonne bezieht sich nicht auf sie als individuelle Person, sondern darauf, dass sie die Wahrheit erlangt hat. Wir sollten daher alle Nonnen hoch wegen der Erlangung der Wahrheit schätzen und nicht nur deswegen, weil sie überhaupt buddhistische Nonnen sind.
[192]
10. Weiterhin schauen heute außerordentlich törichte Menschen häufig auf die Frauen, weil diese Objekte ihrer sexuellen Begierden sind, ohne dass sie ihre Vorurteile bisher korrigiert haben. Schüler Buddhas sollen nicht so handeln. Wenn alles, was Gegenstand der sexuellen Gier werden kann, abgelehnt und gehasst wird, müssten dann nicht auch alle Männer gehasst werden? In Bezug auf die Ursachen und Bedingungen beschmutzt zu werden, kann sowohl ein Mann als auch eine Frau das Objekt sein. Es könnte weiterhin weder ein Mann noch eine Frau ein solches Objekt sein, sondern es könnten auch Träume, Fantasien und Blumen im Raum das Objekt sein.

Grundprinzip: In der heutigen Zeit schauen außerordentlich törichte Menschen auf die Frauen, ohne dass sie bisher ihre Vorurteile richtig gestellt haben, und sehen diese nur als Objekt sexueller Begierden an. Für uns als Schüler von Gautama Buddha gilt, dass wir niemals so töricht sein sollten.

Wenn alles verachtet wird, was Ursache und Bedingung dafür ist, beschmutzt zu werden, gilt folgendes: Sollten wir auch einen Mann hassen, weil die Möglichkeit besteht, dass er das Objekt sexueller Gier werden kann? Sowohl Männer als auch Frauen können in der Tat das Objekt sexueller Begierde werden. Darüber hinaus kann alles Mögliche das Objekt sexueller Gier werden, nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Träume oder Truggebilde und sogar Blumen im Himmel. Diese alle können unter Umständen zum Gegenstand der sexuellen Gier werden.
[194]
11. Im Allgemeinen sollten wir lernen ganz klar (die Wirklichkeit) zu verstehen, welchen Umständen wir auch immer begegnen. Wenn wir nur lernen Angst zu haben oder (vor den Umständen) zu fliehen, ist dies nur die Lehre und Praxis der Shravaka des kleinen Fahrzeugs.

Grundprinzip: Allgemein gesprochen gilt, dass es notwendig für uns ist, die Verhaltensweisen zu vervollkommnen, um die Umstände des Lebens positiv zu klären, insbesondere, wenn wir die Möglichkeit nutzen, dass wir die (wichtigen) Zusammenhänge genau betrachten können. Wenn wir nur die gewöhnlichen Verhaltensweisen haben, aus Furcht vor den Umständen zu fliehen, haben wir nur Lebensweise der Lehren und das Verhalten von Buddhisten, die zu den Hinaya-Shravaka gehören.

Wenn wir auf bestimmte Umstände treffen, ist es für uns nicht angemessen, nur einfach zu fliehen, weil wir Angst haben, sondern es ist für uns sehr wichtig, die wahre Situation und deren Umstände zu untersuchen, ohne davonzulaufen. Bei den Hinaya-Buddhisten, die Shravakas genannt werden, ist es üblich, Angst zu haben und vor bestimmten Umständen zu fliehen. Aber wir als Mahayana-Buddhisten sollten auf solche Umstände positiv reagieren, um die wirkliche Situation des Universums unmittelbar kennen zu lernen.
[198]
12. Welche Orden hat keine Nonnen, keine Frauen und hat nicht acht verschiedene Wesen? Wir sollten niemals hoffen, ein so genanntes Heiligtum zu besitzen, das in Bezug auf die Reinheit den buddhistischen Orden des Tathagatas Lebenszeit übertrifft, weil sie die Sphäre der himmlischen Dämonen ist. Es gibt keine Unterschiede in der Form des Dharma bei den (verschiedenen) buddhistischen Orden, nicht in dieser Welt oder in anderen Richtungen, nicht bei den tausend Buddhas der drei Zeiten. Wir sollten erkennen, dass (ein Orden) mit davon verschiedenen Merkmalen kein buddhistischer Orden ist.

Grundprinzip: Es gibt überhaupt keine (wirklich) buddhistische Organisation, die sich weigert, Nonnen zu haben und es gibt überhaupt keine buddhistische Organisation, die Frauen ablehnt. Gleichzeitig wird gesagt, dass ein buddhistischer Orden immer die acht Arten von wunderbaren Wesen hat. Daher ist es für uns völlig sinnlos, die Existenz von Frauen in buddhistischen Organisationen abzulehnen oder zu verleugnen. Wir sollten niemals die Existenz einer buddhistischen Organisation unterstellen, die höher ist als bei Gautama Buddha. Derartige Organisationen mögen nämlich solche von Dämonen sein. Die allgemeinen Regeln in buddhistischen Organisationen sind sicher im ganzen Universum vollständig gleich und sie können daher keine Unterschiede in dieser oder in einer anderen Welt aufweisen. Sie sind vollständig gleich in tausenden von buddhistischen Orden in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir sollten in aller Klarheit daran denken, dass eine Organisation, die eine andere Ordnung als im Buddhismus hat, niemals überhaupt ein buddhistischer Orden sein kann.

Aus diesem Grund sollten wir niemals behaupten, dass irgendeine buddhistische Organisation die ewige Regel des Buddhismus durch eine Nonne oder durch eine Frau verletzt.

Montag, 19. November 2007

Buddhismus und Vertrauen

Sehr geehrter Nishijima Roshi.

Fragen:
1.) Ist das Vertrauen, das aus der direkten Praxis/Erfahrung des Zazen entsteht, das einzige zuverlässige und tragfähige Objekt im Buddhismus?

2.) Ist es eine irrationale Annahme, wenn man zu einer Erfahrung Zuflucht nimmt und Vertrauen auf sie setzt, die außerhalb unserer eigenen Erfahrung/Praxis liegt (z. B. wenn einige Buddhisten bestimmte Annahmen über die Erfahrungen von Lehrern wie Buddha selbst oder anderen Lehrern machen, die für sie nicht experimentell sind sondern auf dem Glauben beruhen)

Mit besten Empfehlungen
Harry.

Nishijima Roshi:

Sehr geehrter Harry San,

meine Antwort lautet wie folgt:

1. Der verlässliche Bereich des Vertrauens im Buddhismus ist der Zustand von Körper und Geist, der verwirklicht wird, wenn das Vegetative Nervensystem (VNS), das aus den beiden Teilsystemen des Sympathischen (SNS) und Parasympathischen (PNS) Nervensystems besteht, im Gleichgewicht ist.

2. Es ist keine irrationale Annahme, Zuflucht zu nehmen.
Es ist keine irrationale Annnahme, Vertrauen in etwas zu legen.
Es ist keine Erfahrung, die außerhalb unserer eigenen Erfahrung/Praxis ist.
Aber:
Es ist der Zustand, zu dem wir Zuflucht nehmen können.
Es ist der Zustand, in den wir unser Vertrauen legen können.
Es ist genau unsere eigene Praxis/Erfahrung.
Es ist genau unser Sitzen.
Es ist genau so, dass wir das Rückgrat senkrecht und gesteckt halten.
Es ist genau unser Handeln.
Es ist genau das Gleichgewicht unseres vegetativen Nervensystems.

Sehr vielen Dank für Ihre Fragen

Gudo Wafu Nishijima