Dear Zen-friends around the globe, liebe Zen-Freunde
I started a new blog about Zen in English, especially of the famous works of Master Dogen and Master Nishijima.
The main principle is: giving to you understandable and authentic descriptions and commentaries, in the beginning of important chapters of the Shobogenzo .
Here the link to "Zen Core Treasury...":
http://dogen-yudo.blogspot.de/
With best wishes
Yudo
Dienstag, 29. April 2014
Samstag, 8. Februar 2014
Nishijima Roshi ist gestorben
Liebe Freundinnen und Freunde,
leider muss ich mitteilen, dass mein großer buddhistischer Meister, Lehrer und Freund Nishijima Roshi kürzlich gestorben ist.
Ich bin in tiefer Trauer aber gleichzeitig von großem Dank erfüllt; ich habe ihm so viel zu verdanken!
In seinem Sinne will ich die Texte zum Mittleren Weg von Nagarjuna in Deutsch fortsetzen, daran lag ihm sehr viel.
Yudo J. Seggelke
leider muss ich mitteilen, dass mein großer buddhistischer Meister, Lehrer und Freund Nishijima Roshi kürzlich gestorben ist.
Ich bin in tiefer Trauer aber gleichzeitig von großem Dank erfüllt; ich habe ihm so viel zu verdanken!
In seinem Sinne will ich die Texte zum Mittleren Weg von Nagarjuna in Deutsch fortsetzen, daran lag ihm sehr viel.
Yudo J. Seggelke
Dienstag, 28. Januar 2014
Kapitel 20 Untersuchung der umfassenden Gesamtheit (Samagri pariksha) Nagarjuna, MMK, Teil 1
Aus meiner Sicht sind fast
alle philosophischen Systeme nur intellektueller Natur und vernachlässigen das
praktische Handeln, die Erfahrung, das menschliche Erleben und nicht zuletzt
das Gleichgewicht und die intuitive Klarheit des Buddhismus. Den Buddhismus
nenne ich daher die Philosophie der umfassenden
Wahrheit im Gegensatz zur intellektuellen Philosophie des Denkens und der
Sprache im herkömmlichen Sinne.
Besonders die westliche
Philosophie basiert auf dem intellektuellen Denken oder der Sinneswahrnehmung,
die aber letztlich auch ihre Grundlage im intellektuellen Verständnis des
Gehirns hat. Wir müssen aber den Bereich des Intellekts überschreiten und die
Erfahrung, das Handeln und vor allem das meditative Gleichgewicht einbeziehen,
um zu einer Philosophie der umfassenden intuitiven Vernunft und Klarheit zu
gelangen. Dies ist für die moderne jetzige Gesellschaft von zentraler Bedeutung,
und aus meiner Sicht ist die Zeit jetzt reif dafür, um die gravierenden
Missverständnisse zwischen Theorie und Praxis zu überwinden.
Das umfassende intuitive
Verstehen aus unserer menschlichen Mitte und Balance, ist der Kern der
buddhistischen Lehre. Dabei ist vor allem zwischen der wahren umfassenden Vernunft
und den angestrebten Zielen und Ergebnissen zu unterscheiden, die dem Bereich
der Ideen und des Intellekts angehören.
Vers 1
Für ein umfassendes
Verständnis der Welt und unseres Lebens ist es notwendig, dass die intuitive Vernunft als Teil der Vier Edlen
Wahrheiten Buddhas wirksam ist. Die umfassende Intuition ist wesentlicher
Inhalt der Wirklichkeit und zentral
für die buddhistische Lehre. Die intuitive Vernunft übersteigt intellektuelles
Denken bei weitem und ist unbedingt notwendig, um essentielle Zusammenhänge und Wahrheiten im psychischen und vor
allem spirituellen Bereich zu
erfassen.
Demgegenüber haben Ergebnisse,
die durch unser Bewertungs-Denken gekennzeichnet sind, nur eine untergeordnete
Bedeutung. Aus meiner Sicht besteht der Unterschied zwischen der Wirkung nach
dem Kausalgesetz und dem angestrebten und gedachten Ergebnis genau darin, dass
die Wirkung intellektuell und emotional unbewertet
also einfache Realität ist, während das Ergebnis genau durch Denken und
Emotionen, z. B. Gier, gekennzeichnet werden kann.
Vers 2
Die Vernunft durchdringt die
Vierfache Edle Wahrheit der Welt und des Lebens und dadurch gibt es das
intuitive Begreifen, das über intellektuelles Denken hinausgeht.
Wenn wir klar erkennen und
überwinden, dass angestrebte Ergebnisse nur dem intellektuellen Denken
entspringen und benutzt werden, um ein oft vordergründiges Verstehen der
undurchsichtigen Situationen der Welt zu ermöglichen, hat das intuitive Begreifen
durch die Vernunft sich verwirklicht.
Vers 3
Wenn wir uns über das
intuitive Erfassen und Begreifen der Wirklichkeit im Klaren sind gibt es keinen
Raum für bewertende und meist fehlerhafte erstrebte Ergebnisse.
Die Philosophie der
umfassenden buddhistischen Wahrheit muss von der Intellektualität in der
weltlichen Kultur unterschieden und darf nicht vermischt und verwechselt
werden. Bei einer solchen fälschlichen Vermischung kann die umfassende
Wirklichkeit nicht mehr erkannt werden.
Vers 4
Die Vorstellungen und Konzepte der Vier Edlen Wahrheiten und die
Konzepte der der Vernunft sind etwas anderes als die Wirklichkeit.
Demgegenüber gibt es das
ganzheitliche intuitive Erfassen die Wirklichkeit, in der die Vernunft auch und
gerade die gesamte Vierfache Wahrheit durchdringt. Das ganzheitliche Erfassen
unterscheidet sich fundamental von vorgestellten Ergebnissen.
Vers 5
Für ein bestimmtes Ergebnis
werden oft scheinbare Gründe und eine scheinbare Logik behauptet; die
wirklichen Zusammenhänge werden dabei unterdrückt.
Daraus entsteht eine
Situation des gespaltenen Geistes: Es gibt einmal die wirklichkeitsgetreue
Verbindung zu den verursachenden Faktoren und zum anderen eine Scheinlogik, die
aber nicht der Wirklichkeit entspricht.
Nâgârjuna ist der festen
Überzeugung, dass die Natur und die Welt von Vernunft durchdrungen und von ihr
gesteuert werden. Eine Scheinlogik, die vom menschlichen Geist fälschlich
erdacht wurde, entspricht aber nicht dieser Wirklichkeit.
Vers 6
Die Wirkung der Vernunft in
der Welt ist unabhängig von den individuellen Menschen, die in derselben
Situation oft ganz unterschiedliche logische Verknüpfungen für richtig halten.
Sie sind dann fest davon überzeugt, dass dies die Wahrheit sei, aber das ist
nicht richtig und nur subjektiv.
Insbesondere wird die wahre Vernunft
nicht von solchen Ergebnissen gesteuert, die den Menschen angenehm oder
unangenehm erscheinen.
Die wahrte Vernunft wird im
Zustand des Gleichgewichtes erkennbar. Sie wird nicht durch die Emotionalität
und durch Affekte beeinflusst.
Ein angenommenes oder
abgelehntes Ergebnis erzeugt in dem menschlichen Geist oft eine falsche
logische Kette, sodass die wirklichen Ursachen und Zusammenhänge verdeckt
werden.
Vers 7
Wenn wir in der Lage sind,
ganzheitlich intuitiv zu erkennen und zu erfassen, können wir klar sehen, dass Ergebnisse
die Erfindungen des Denkens und der Emotionen sind.
Die wirklichen Zusammenhänge
ergeben sich aus der wahren Vernunft, die als Kraft in der Welt wirksam ist.
Unser menschlicher Geist erkennt diese Kraft als Gerechtigkeit, Wahrheit, Gott,
usw.
Vers 8
Bevor die ganzheitliche
intuitive Vernunft verwirklicht ist, kann es so scheinen, als ob das Ergebnis die
Wirklichkeit ist. Zweifellos sind gewöhnliche Menschen ohne die genannte geistige
Klarheit dieser Meinung, meist ohne sich dessen bewusst zu sein.
Wenn die Vernunft im
Gleichgewicht der Mitte ist, wird klar, dass Ergebnisse nicht aus der reinen
Vernunft abzuleiten sind, sondern gerade irrational sind.
Vers 9
Wenn wir Ergebnisse mit der
Vernunft analysieren und selbst im Gleichgewicht sind, können wir erkennen, was
Wirklichkeit und was Einbildung und Ideen sind. Dann können Vernunft und die so
durchschauten Ergebnisse nebeneinander bestehen.
Schon bevor die Vernunft
sich durchgesetzt hat, ist sie in einem gewissen Umfang wirksam und wir haben
eventuell schon ein Gefühl dafür, ob bestimmte Ergebnisse mit der Vernunft im
Widerspruch sind oder nicht.
Vers 10
Abgelehnte Ergebnisse
verlieren ihre Bedeutung im Zustand des Gleichgewichts auf dem Mittleren Weg.
Die Vernunft ist niemals von
subjektiven Fixierungen abhängig. Sie kann zwar vorübergehend durch den
fehlgeleiteten Geist unterdrückt werden aber der Mensch befindet sich dann
nicht im Gleichgewicht und besitzt keine ganzheitliche intuitive Vernunft.
Wenn intensiv angestrebte
Ergebnisse fehlschlagen und nicht erreicht werden, kommt es oft zu Depressionen
und sehr negativen Emotionen. Die Menschen fühlen sich dann als Verlierer und
verlieren ihr Selbstwertgefühl. Im Zustand des Gleichgewichts treten allerdings
solche Wirkungen nicht auf.
Samstag, 28. Dezember 2013
Kapitel 19 Untersuchung der Zeit (Kala parikasha) Nagarjuna, MMK
Die wirkliche existentielle Zeit des
Buddhismus ist in der Theorie und Praxis von sehr großer Bedeutung. Auch in der
modernen Physik ist das Verhältnis von Zeit und Raum von zentraler Bedeutung.
Diese Kenntnisse standen den Buddhisten zur Zeit Nagarjunas natürlich noch
nicht zur Verfügung, aber die großen Meister hatten eine tiefe intuitive
Einsicht, was die existentielle Zeit,
die Sein-Zeit für den Menschen und
die Welt ist.
Der Buddhismus hat als wesentliche
Grundlage die Wirklichkeit des wahre Handelns im gegenwärtigen Augenblick. Dies
ist die wahre Zeit der Existenz. Weder die Vergangenheit noch die Zukunft
lassen das Handeln in der Wirklichkeit zu. Sie sind lediglich Erinnerungen und
Widerspiegelungen in unserem Gehirn. Ich bezeichne sie als lineare Zeit. Für organisatorische und technische Fragestellungen
und Aufgaben ist die lineare Zeit sicher ein wichtiges Hilfsmittel, aber für
die wesentlichen Bereiche der existenziellen Wirklichkeit, nicht zuletzt in der
spirituellen Erfahrung, ist der gegenwärtige Augenblick wichtiger als alles
andere.
Gegenüber dem wahren erlebten Augenblick
ist eine Zeitangabe mit dem Begriff „Gegenwart“ sehr viel abstrakter und
ungenauer. Daher zähle ich die Vorstellung der Gegenwart wie die Vergangenheit
und Zukunft zur linearen Zeit und nicht zur Existenz-Zeit.
Im Shôbôgenzô von Meister Dôgen gibt es
ein gesondertes Grundlagen-Kapitel zur Sein-Zeit mit der japanischen
Bezeichnung Uji, wobei U die Existenz und ji die Zeit bedeutet. In Vers 6 dieses Kapitels kommt Nagarjuna viele Jahrhunderte früher auf
die gleichen existentiellen Aussagen über die wahre Zeit wie Dôgen.
Vers 1
Nagarjuna nennt die Vergangenheit eine
Zeit, in welcher der gegenwärtige Augenblick noch nicht da ist. Wenn der
gegenwärtige Augenblick angekommen ist, wird die Vergangenheit zur Erinnerung in unserem Gehirn und das ist
eine unvollständige Repräsentation dessen, was in der Vergangenheit wirklich
gewesen ist. Die Augenblicke in der Vergangenheit waren Wirklichkeit, aber die
Erinnerung daran ist es nicht.
Vers 2
Der gegenwärtige Augenblick hat Stabilität und Wirklichkeit. Dagegen
gibt es für die Vergangenheit viele Unsicherheiten und wir können nie ganz
sicher sein, was wirklich in der Vergangenheit gewesen ist.
Die instabile Situation in der
Vergangenheit kann auch mit Worten niemals genau beschrieben werden.
Vers 3
Nagarjuna nennt die Vergangenheit jene
„Zeit wenn der gegenwärtige Augenblick noch nicht angekommen ist“. Der gegenwärtige Augenblick ist dagegen die
wirkliche Zeit, während die Vergangenheit nur ungenau gedacht und erinnert
werden kann.
Das gebräuchliche Konzept der linearen
Zeit kann für die Wirklichkeit nicht verwendet werden.
Vers 4
Handeln ist die
Grundlage für die wirkliche Welt hier auf der Erde und für die gedachte
abstrakte Welt, die oberhalb der wirklichen Welt ist. Beide Welten bewegen sich
durch Handeln.
Im Handeln des Augenblicks verschwinden
Bewertungen wie das Höchste oder das Niedrigste und das Mittlere. Sie werden zu
einer Einheit.
Vers 5
Was wir üblicher Weise als Zeit
verstehen, ist die Kontinuität von der Vergangenheit über die Gegenwart in die
Zukunft. Ohne diese Kontinuität ist das Konzept
der Zeit im üblichen Sinne sinnlos. Ohne die Kontinuität und Linearität
gibt es überhaupt kein Konzept der
Zeit.
Konkrete Erfahrungen gibt es aber nur
im gegenwärtigen Augenblick. Sie können als Wirklichkeit
erfasst werden. Demgegenüber kann Vergangenheit und Zukunft nicht wirklich erfasst werden, weil es
sich nur um Erinnerungen und Erwartungen für die Zukunft handelt. Die wirkliche
Sein–Zeit im Augenblick kann aber mit dem Verstand nicht gedacht werden.
Vers 6
Die wirkliche Zeit, also der
gegenwärtige Augenblick, ist unauflösbar mit der wirklichen Existenz verbunden. Ohne Sein-Zeit gibt es keine
Existenz und umgekehrt.
Daher ist es ausgeschlossen, dass die Existenz sich von der Zeit entfernt,
also unabhängig von ihr ist. Alle Ideen über die Zeit sind dagegen abstrakt und
keine konkrete Wirklichkeit.
Außerhalb des gegenwärtigen Augenblicks
kann es keine Existenz geben. Wenn es keine wirkliche Existenz gibt, kann es
auch keine wirkliche Zeit geben.
Mittwoch, 4. Dezember 2013
Kapitel 18 Untersuchung der unveränderlichen Seele nach dem alten indischen Glauben, Atman (Atma pariksha) Nagarjuna, MMK
Der
Glaube an einen ewigen Seelenkern, der im alten Indien Atman genannt wurde,
wurde von Gautama Buddha abgelehnt. Auch Nagarjuna kritisiert die Atman – Lehre
in diesem Kapitel.
Vers
1
Die
fünf Komponenten des Menschen (Skandas)
entstehen, dauern an und vergehen nach der buddhistischen Lehre. Wenn die
Atman – Seele in gleicher Weise existieren würde, müsste sie auch diese
Eigenschaften haben.
Auch
das Universum besteht aus den fünf Skandas. Wenn es eine Atman – Seele gäbe,
müsste die sich jedoch von den Skandas unterscheiden, aber das ist nicht
möglich.
Vers
2
Nagarjuna
beschreibt hier die Atman – Seele als Erfindung
und Fantasie.
Wenn
man sich selbst ablehnt, bedeutet dies, dass man sich opfert. In diesem Sinne
hatte Gautama Buddha extreme Askese geübt, aber dabei die Einheit seines Geistes verloren.
Nagarjuna
beschreibt, dass sich eine Art Urseele mit einer anderen in der Askese treffen
soll, aber beide dabei zugrunde gehen. Dies sei ähnlich der Situation, in der
man sich selbst opfert.
Vers
3
Sich
für etwas Wichtiges und einen anderen Menschen einzusetzen bedeutet aber, dass
wir unser kleines Ego opfern. Das ist
eine Wirklichkeit des selbstlosen Handelns, die im Buddhismus sehr wichtig ist.
Ein
solches Handeln kann sichtbar oder unerkannt sein. Beim wahren Bodhisattva –
Handeln gibt es kein Streben nach Vorteil für sich selbst und keine ostentative
Darstellung des Handelns.
Vers
4
In
diesem Vers wird herausgearbeitet, dass die Worte „ich“, „mein“ usw.
suggerieren, dass wir uns selbst von
außen sehen. Wir trennen dann in ein Ich ab, das ein anderes Ich von uns
selbst wie von außen beobachten kann.
Dies
ist natürlich eine fehlerhafte Hilfskonstruktion. In Wirklichkeit gibt es nur eine
Einheit, die im Zustand des Gleichgewichtes verwirklicht wird.
Vers
5
Im
täglichen Leben und auch in der Praxis des Samadhi (Zazen) gibt es Schmerzen
und Leiden. Aber durch die buddhistische Praxis erreichen wir einen völlig freien Zustand. Dieser ist
gewissermaßen die Umkehr der Schwierigkeiten in der Praxis.
Im
Zustand des Gleichgewichtes wird die abstrakte
Vorstellung von der sichtbaren Welt aufgelöst und durch die Wirklichkeit
ersetzt.
Vers
6
Wer
an eine Atman – Seele glaubt, unterteilt die Welt in die eigene Seele und den
Rest der Welt. Es ist realistischer und besser, beides in Frage zu stellen und
nicht als Wirklichkeit anzusehen.
Ein
solches Konzept erleichtert den Umgang mit der Wirklichkeit in unserem Leben nachhaltig
gegenüber der Vorstellung eines dauerhaften Seelenkerns nach der Lehre des
Atman.
Vers
7
Abstrakte
Vorstellungen und Welten können den menschlichen Geist in gewissem Umfang beruhigen
und besänftigen. Aber sie sind nicht die Wirklichkeit und nicht stabil.
Im
Zustand des Gleichgewichts zeigt sich demgegenüber die wahre Welt in ihrer
ganzen Ruhe, Ausgeglichenheit und Schönheit, und wir sind ein Teil von dieser
Welt. In der Balance werden wir nicht gestört und beunruhigt.
Vers
8
Die
Wirklichkeit dieser Welt lässt sich rein intellektuell nicht beweisen und auch
nicht verneinen. Deshalb hat Gautama Buddha die Frage, ob wir die Existenz der
Welt mit dem Verstand erfassen können, als unsinnig beiseite gelassen.
Im
Buddhismus ist es klar, dass es eine Einheit zwischen Körper und Geist gibt,
und ein isolierter Geist kann die wahre Existenz oder das Gegenteil überhaupt nicht
erfassen.
Vers
9
Die
im Kapitel 1 genannte Vierfache Wahrheit manifestiert sich im Gleichgewicht und
in Ruhe. Sie ist nicht außergewöhnlich und erfreulich. Was nicht gesehen werden
konnte, wird sichtbar werden.
Die
ursprüngliche Existenz gibt es wirklich, sie kann nicht durch etwas anderes
verändert werden. Sie hat ihre eigenen Charakteristika der Wirklichkeit: Die
Wirklichkeit der Welt ist so, wie sie ist
Vers
10
In
dieser Welt hat jedes einzelne Ding seine besondere und eigene Existenz und
setzt sie ohne Unterbrechung fort. Es kann niemals identisch mit etwas anderem
sein. Im gleichen Sinne hat jeder Augenblick eine eigene Entität und
unterscheidet sich vom anderen.
Ohne
die vollständige Trennung jedes Augenblicks vom anderen kann die Ewigkeit nicht
existieren.
Vers
11
Diese
Welt hat nicht mehr als ein Ziel und hat nicht mehrere Ziele. Sie ist niemals
unterbrochen und niemals ewig.
Solche
Sichtweisen könnten die Wirklichkeit nicht angemessen erklären.
Nagarjuna
sagt hier, dass die wirkliche Welt nicht den Göttern gehört. Das Universum ist
nichts Übernatürliches: das sagen alle Buddhas.
Vers
12
Die
Idee der Atman – Seele gibt es nicht bei denen, die Buddhas genannt werden und
auch nicht bei denen, die Shravakas (direkte Schüler und Hörer Buddhas) genannt
werden.
Auch
bei den Buddhas, die aus sich selbst erwacht sind, wird das Problem der Atman –
Seele als theoretisch angesehen.
Nagarjuna
zählt hier also die drei in den frühen Sutras genannten Formen der Heiligen und
Erwachten auf: die Buddhas selbst, die von ihnen unmittelbar Lernenden und die
aus sich selbst Erwachten.
Mittwoch, 20. November 2013
Untersuchung der Einheit von Handeln und Ergebnis (Karmaphala pariksha), Nagarjuna, MMK, Kapitel 17, Teil 4
Vers 22
Wenn eine Handlung nicht
wirklich vollzogen wird, sondern nur
subjektiv in unserer Vorstellung da ist, scheint sie ewig zu sein; in anderen
Fällen scheint sie instabil zu sein.
Die Vorstellung der Ewigkeit
entsteht vor allem bei Menschen mit idealistischer
Lebensphilosophie, während Instabilität und Fragilität meist verbunden ist
mit einer materialistischen
Lebensphilosophie.
Nur wirkliches Handeln hat
Wirkungen, die sich in der Welt bis in die Ewigkeit fortsetzen.
Vers 23
In uns steigen immer wieder Ängste hoch, dass wir unsere Aufgaben
nicht verwirklichen können. Das ist besonders der Fall, bevor wir mit dem Handeln begonnen haben.
Wenn wir jedoch handeln,
gibt es eine solche Angst nicht, die subjektiv im Geist entsteht: der Augenblick gehört dem Tun und Handeln.
Bei Ängsten und Zweifeln
fürchten wir, dass unser Handeln unzureichend ist und in der Tat gibt es viel
Fehlerhaftes und auch Unmoralisches in der Welt.
Vers 24
Wenn die wahre Praxis verhindert und unterlassen
wird, ist es nicht möglich, dass alles entspannt und im Gleichgewicht ist.
Ohne Praxis (vor Allem die
Leerheits-Meditation Zazen) fehlt uns
die Klarheit zu unterscheiden, was wahres
Handeln und was falsches Handeln ist.
Ohne Gleichgewicht können
wir uns nicht wirklich entspannen und nicht wirklich Ruhe finden. Dann gibt es
nur eine scheinbare Entspannung, die
uns aber nicht wirklich neue Energie bringt, sondern eher umgekehrt, Energie
verbraucht.
Vers 25
Gereifte wirkliche
Handlungen setzen sich fort durch weitere
Handlungen, die immer besser werden.
Durch solches Handeln eröffnet
sich unsere wahre Natur: unsere wahren Eigenschaften manifestieren sich.
Vers 26
Wenn wir eine Situation als leidvoll und äußerst unerfreulich empfinden,
bedeutet dies in Wirklichkeit meist nur, dass wir sie unbedingt ändern wollen
und als Wirklichkeit nicht hinnehmen wollen.
Handeln ist die wahre Wirklichkeit dieser Welt. Leidvolle
Situationen empfinden wir allerdings auch als Wirklichkeit, obgleich sie im
Grunde nur durch die eigenen Emotionen erzeugt werden. Sie werden also der
ursprünglichen Welt hinzugesetzt.
Sehr viele Leiden haben
psychische Ursachen und sind im Gegensatz zu körperlichen Leiden ohne
materielle Grundlage.
Vers 27
Handeln und körperliche
Leiden sind mit dem Körper verbunden: sie sind wirklicher als Begriffe und Lehrinhalte.
Im Zustand des
Gleichgewichts bilden Körper und Geist eine Einheit.
Daher ist eine Abgrenzung des physischen Leiden nicht einfach und eigentlich
auch nicht sinnvoll.
Im Gleichgewicht gibt es
kaum noch psychische Leiden, während körperliches Leiden ertragen werden muss.
Aber der Begriff des Leidens verliert dann sehr an Bedeutung.
Vers 28
Wer seine Abhängigkeiten und Begierden nicht
überwindet, wird die buddhistische praktische Philosophie nicht verstehen und
kann auch nicht im Gleichgewicht leben. Das ist leider eine Tatsache in dieser
Welt.
Auch wer nur das schale Vergnügen
sucht und allen Schwierigkeiten aus dem Wege geht, wird den Buddha – Weg gerade nicht gehen können.
Damit kann er sein eigentliches Potential nicht entdecken und nicht zur Blüte
bringen.
Vers 29
Die Vierfache Wahrheit, die
im ersten Kapitel beschrieben wird, ist eine Lehre und besteht zunächst einmal nur
aus Worten, so wichtig sie sein mögen.
Grundlage der Wirklichkeit
ist allein das Handeln im gegenwärtigen Augenblick. Handlungen sind ursprünglicher als Person, die handelt, weil die
Person aus den Handlungen abgeleitet und abstrahiert ist. Die Menschen sind
also Manifestationen der Handlungen.
Vers 30
Ergebnisse sind Bewertungen
sind Ideen des menschlichen Gehirns:
sie sind nur indirekt mit Handlungen verbunden. Handlungen sind die
Basiseinheiten der Wirklichkeit, während der Mensch mit seinen Ideen davon abgeleitet
ist.
Oft streben Menschen
Vergnügen und vordergründige Freuden
als Ergebnisse ihres Handelns an. Aber solche Ergebnisse sind keine
Wirklichkeit, sondern entspringen dem Denken und subjektiver Gefühle. Wahres Handeln
ist etwas anderes
Vers 31
Die einfache Tatsache der
Vollendung ist etwas grundsätzlich anderes, als dessen Bewertung in Form eines angestrebten Ergebnisses. Die oft beklagte Differenz
zwischen der idealen Vorstellung des Ergebnisses und dem wirklichen Zustand genau
im Augenblick ist aber auch keine Wirklichkeit und hat meist keine Bedeutung.
Nagarjuna sagt hier, dass
wir uns nicht dadurch deprimieren lassen sollen, dass wir ein ideales gedachtes
Ergebnis mit dem wirklichen Zustand vergleichen. Wichtig ist, dass wir handeln
und praktizieren und nicht auf das
Ergebnis „schielen“.
Vers 32
Was durch Handeln erzeugt
wird, hat eine Wirklichkeit der Form und des Inhalts. Es ist direkt mit dem
Handeln verknüpft und nur indirekt mit dem Menschen, der handelt.
Handeln ist etwas fundamental anderes als Ideen in
unserem Geist. Es geht dabei um das Hier und Jetzt und auch nicht primär darum,
welche Dinge wir in der Vergangenheit erzeugt haben. Die Gegenwart ist
wirkliches Handeln und dies ist die Wirklichkeit des Universums.
Vers 33
Das Leiden, die Ideen über
Handeln, materielle Formen und auch die Ideen über handelnde Menschen sind
genauso unwirklich wie gedachte
Ergebnisse, denn Ideen und Vorstellungen werden in unserem Gehirn erzeugt und das ist nicht die Wirklichkeit.
Man kann sie mit der
imaginären, nicht wirklichen Stadt Gandharva gleichsetzen, die es nur in der
Vorstellung gibt und in der es nach der Legende keine Verbrechen gibt, sodass
es dort auch keine Gefängnisse gibt.
Aber dies alles sind nur illusionäre Vorstellungen. Man kann sie mit Träumen
und Bildern vergleichen, die wir im Schlaf sehen. Wer träumt nicht von einer
solchen idealen Stadt? Aber die gibt es nicht!
Sonntag, 20. Oktober 2013
Neues Buch: Das Geheimnis der Buddha-Natur
Die
tiefe Erfahrung des Zen-Meisters Dogen
Von
G. W. Nishijima und Yudo J. Seggelke
Was
ist die Buddha-Natur? Und warum müssen wir überhaupt intensiv und ausdauernd praktizieren,
wenn die Buddha-Natur unser wahres Wesen ist? Diese Fragen waren für Zen-Meister
Dogen von existenzieller Bedeutung und wurden zum zentralen Bezugspunkt in
seinem Leben. Sie werden in diesem Buch fundiert und doch verständlich
behandelt. Dogen gibt uns dazu verblüffende Antworten.
Die
ureigene Erfahrung des Mysteriums der Buddha-Natur kann nur in der Einheit von
Körper-und-Geist im lebendigen Strom des Lebens und der Meditations-Praxis erfahren
werden. Genau davon handelt dieses Buch.
Um
die verstehen zu können, ist es wichtig, seine Grundlagen zumindest in den
zentralen Punkten zu kennen. Die Grundlagen der Lehre und Schriften Dogens werden
von G. W. Nishijima in Teil I des vorliegenden Buches dargestellt. Im Teil II
werden von Yudo J. Seggelke zunächst die
Aussagen zur Buddha-Natur des indischen Buddhismus beschrieben. Danach folgt
der Hauptteil zu Meister Dogens Buddha-Natur aus dem Shobogenzo.
Hardcover, 176
Seiten 10 Abb., 20,90;
ISBN
978-3-941380-15-8
E-Book:
6,49
Bestellung in jeder
Buchhandlung und per Internet, z. B.:
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